21 & Over

by on 05/31/2013
© Falcom Media

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Was soll schon dabei herauskommen, wenn sich die Autoren von Hangover  als Regisseure versuchen? Die Verwandtschaft zu den Abenteuern des Wolfpacks ist in dieser Twenty-Somenthing-Klamotte jedenfalls deutlich zu spüren. 21 & Over könnte auch ein Prequel zu Hangover sein, so eine Art Blick in die Jugend der Männer, die später in Las Vegas die Sau rauslassen. Jon Lucas und Scott Moore erzählen im Prinzip dieselbe Geschichte mit jüngeren Protagonisten.

Casey (Skyler Astin) und Miller (Miles Teller) wollen mit ihrem Freund Jeff Chang (Justin Chon) dessen 21. Geburtstag feiern. Doch Jeff Chang hat am kommenden Tag ein wichtiges Vorstellungsgespräch und will den Abend lieber ruhig verbringen. Miller muss all seine Überredungskünste nutzen, bis Jeff Chang endlich einwilligt „auf ein Bier“ mitzukommen. Natürlich gerät der Abend außer Kontrolle. Jeff Chang ist sternhagelvoll und muss von seinen Kumpels nach Hause getragen werden. Doch wo ist sein zu Hause eigentlich? Casey und Miller, die sich auf dem Campus der Uni nicht auskennen, haben nicht die leiseste Ahnung wo sie sich befinden. Die Suche nach Jeff Changs Wohnung wird zu einem nächtlichen Abenteuer, das die drei Freunde für immer verändern wird.

21 & Over verfolgt dasselbe Konzept wie Hangover: Eine Gruppe von Männern gerät im Suff in die unmöglichsten Situationen. Nur rollen Lucas und Moore die Geschichte hier nicht von hinten auf, sondern erzählen die Ereignisse der Party-Nacht von Anfang bis Ende. Spannung entsteht dennoch, denn im Laufe des Films entdecken Casey und Miller immer neue Hinweise darauf, dass sich hinter ihrem Freund Jeff Chang doch nicht der Vorzeige-Medizinstudent verbirgt, für den sie ihn bislang gehalten haben. Und nicht nur das: Irgendwie scheint keiner der drei Freunde wirklich der Mensch zu sein, als der er sich den anderen verkauft.

Die drei Hauptfiguren und ihre Beziehunsdynamik untereinander sind für ein derart komödiantisches Gesamtkonzept überraschend überzeugend. Jon Lucas und Scott Moore sprechen wichtige Themen an, wie beispielsweise die mangelnde Offenheit junger Männer untereinander, wenn es um die eigenen Schwächen oder gar Ängste geht. Obwohl sie sich zu Beginn des Films als beste Freunde bezeichnen, müssen sich Casey, Miller und Jeff Chang am Ende eingestehen, dass sie einander gar nicht wirklich kennen. Auch die Nöte, die jeden einzelnen plagen, sind lebensnah. Miller kämpft mit seiner eigenen Faulheit, die ihn davon abhält, trotz geistigen Potentials das Studium durchzuziehen. Casey ist so ehrgeizig, dass das Leben an ihm vorbei geht. Und Jeff Chang? Das will ich an dieser Stelle noch nicht verraten. 21 & Over schafft also eine Identifikationsfläche für ein männliches Publikum zwischen 15 und 25.

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Es ist immens bedauerlich, dass diese guten Anlagen der Geschichte vollkommen in dem pubertären und haarsträubend unlustigen Humor untergehen. Gut 40% meiner Entgeisterung über gescheiterte Gags ist sicherlich der deutschen Synchro zuzuschreiben. Vom Sprachwitz ist auf Grund der miesen Übersetzung leider nichts mehr übrig. Ich meine, wer verwendet denn heute noch Begriffe wie „Honk“ oder „Schweinepriester“??!! Die Ereignisse der Geburtstagsnacht sind derart überzogen und unrealistisch, dass sie uns eher ratlos als amüsiert stimmen. Zudem funktioniert die Zusammenführung dieses Humors mit der zu Grunde liegenden, eher ernsten Thematik an keiner Stelle. Die authentischen Momente, die den Klamauk immer wieder durchbrechen, wirken deplatziert und verlieren somit einen Teil ihrer Überzeugungskraft. Nichtsdestotrotz müssen wir den Autoren einen gewissen Einfallsreichtum zugestehen. Wenn Jeff Chang in Zeitlupe von einem dieser mechanischen Bullen kotzt, hat das trotz allen Ekels irgendwie etwas für sich. Und auch der „Tower of Power“, in dem Casey und Miller in jeder Etage ein Trinkspiel gewinnen müssen, um aufzusteigen, ist durchaus unterhaltsam.

Insgesamt jedoch geht das Konzept nicht auf. 21 & Over ist im Grunde eine vollkommen durchschnittliche und nicht mal sonderlich lustige Teenie-Klamotte, die im Kino eigentlich nichts zu suchen hat.

 

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Weiterführende Gedanken

Obwohl mir der Film nicht gefallen hat, hat er mich gedanklich umgetrieben. Ich habe mich gefragt, was uns diese Geschichte über die Generation der 21 jährigen mitteilt. Die ganze Zeit über jammern die Protagonisten, dass nun der Ernst des Lebens beginne und aller Spaß auf immer und ewig vorbei sei. Ich kenne das Gefühl, aber ich bin 30! 21 & Over gibt seinen Figuren in ihrer besoffenen Tobsucht Recht, als wolle der Film sagen: Leute, hört auf zu denken und lasst endlich mal die Sau raus! Ist die heutige Generation junger Erwachsener wirklich so großen Zwängen ausgesetzt, vielleicht gar noch größeren als meine eigenen vor 10 Jahren? Ich kenne diesen Druck von Familie und Freundeskreis, sich durch immer neue Praktika, Auslandsaufenthalte, Fremdsprachen und prestigeträchtige Nebenjobs – mit Callcenter kann man heute nix mehr reißen – zu profilieren. Schule in 12 Jahren, dann einen Bachelor und wenn alles optimal läuft am Besten mit 20 oder eben 21 in den Beruf einsteigen. Das ist in der Tat ziemlich anstrengend. Vielleicht ist der sinnlose Klamauk in 21 & Over also eher ein verzweifelter Befreiungsschlag, den wir als solchen anerkennen sollten.

Zwei Dinge stoßen mir aber auch in diesem Zusammenhang auf. Zum einen werden Casey und Miller einfach nicht betrunken. Während Jeff Chang fast den gesamten Film über quasi bewusstlos in einer Ecke hängt, wenn er nicht gerade vor einer amüsierten Partygemeinde blank zieht, obsiegen Casey und Miller in jedem Trinkspiel, ohne dass sie auch nur einen Schwips haben. Diese Verharmlosung von übermäßigem Alkoholgenuss finde ich doch zweifelhaft, insbesondere da sich der Film klar an ein minderjähriges Publikum richtet.

Des Weiteren werden Frauen gänzlich ausgeklammert. Von einer wahrhaft haarsträubenden Lovestory mit einer vollkommen austauschbaren, „all-american“  Beauty-Queen abgesehen, sind die Mädchen in 21 & Over vor allem bedrohlich. Wenn die männlichen Hauptfiguren von einer Meute wildgewordener Latinas gejagt werden, empfinde ich das zudem nicht nur als sexistisch, sondern durchaus auch als rassistisch. Das muss doch wirklich nicht sein. Dreimal halten Frauen ihre blanken Brüste in die Kamera, ohne dass dies im narrativen Kontext einen Sinn ergeben würde. An einer Stelle nutzen Casey und Miller eine Verwechslung dazu, zwei Mädchen aufzufordern, miteinander rumzumachen. Auch wenn diese Situation zu einem späteren Zeitpunkt umgedreht wird und die beiden Jungs sich ebenfalls entkleiden, findet doch keine Umkehrung der Rollen statt. Selbst als weibliche Zuschauerin empfand ich diese Szene als peinlich, das Knutschen der Männer als unangenehm, wenn nicht gar widerlich und in jedem Fall nicht erotisch. Der männliche Blick ist in diesem Film extrem deutlich. Auch das ist schade, insbesondere in Anbetracht des jungen Zielpublikums, das hier also nicht nur zum Kampftrinken erzogen wird, sondern unbemerkt auch noch ein sexistisches Weltbild mit nach Hause nimmt.

Kinostart: 11. Juli 2013

Pressespiegel auf film-zeit.de

 

2 Responses to “21 & Over”

  • Philipp says:

    Den schiebe ich dann mal auf, bis ich auf nichts anderes mehr Lust habe…
    Faszinierend finde ich ja, dass du die ersten beiden „Hangover“-Teile offenbar so richtig gefeiert hast…

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