Alter Egos – Das Genre der Indie-Superheldenfilme bekommt Zuwachs

by on 10/22/2012

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@ Smodcast Pictures

Okay, ganz ehrlich, irgendwer da draußen unter euch, der keine Trailer mag? Nein? Niemand? Das habe ich mir schon fast gedacht. So ziemlich jeder mag Trailer, denn sie sind kurzweilig und erzeugen ganz gezielt Emotionen in uns. Mal sind sie spannend, mal episch, mal einfach nur unglaublich traurig. Zumindest, wenn sie gut gemacht sind. Und weil dort draußen, in den digitalen Weiten des Internets, beinahe jeden Tag neue Trailer auftauchen, entgehen einem vielleicht die größten Leckerbissen.

Deswegen gibt’s ab heute meine neue Kolumne Filmverführungen in der ich euch meinen Trailerfavoriten der vergangenen zwei Wochen vorstellen werde. Ob ihr den dann auch so sehr mögt wie ich oder eure Vorfreude doch eher gähnend unterdrücken könnt, das ist natürlich ganz euch überlassen. Auf jeden Fall werde ich euch aber Gründe und Hintergrundinfos um die Ohren hauen, warum ausgerechnet dieser Trailer Wellen erquickender Wonnen durch mein Cineastenhirn gejagt hat.

Den Anfang macht heute der Trailer zu einem Superheldenfilm. „Was?“, könnten manche jetzt entnervt einwenden, „noch ein Superheldenfilm?! Wird das denn nie aufhören?“

Nein, wahrscheinlich wird es nicht so schnell aufhören. Trotzdem können auch diese Kritiker beruhigt sein, denn ich rede hier nicht von einer weiteren Comicverfilmung, sondern tatsächlich von einem neuen Superheldenfilm, dessen Handlung nicht den Seiten einer Graphic Novel entsprungen ist. Alter Egos heißt er und ist auf dem Mist von Jordan Galland gewachsen. Yahoo war so frei, den Trailer zuerst zu zeigen (folgender Trailer stammt der Einbettung wegen aber von YouTube):

In den letzten Jahren hat es bereits einige Indie-Filme gegeben, die sich auf mal mehr, mal weniger witzige Weise der Thematik des Superhelden gewidmet und die Frage gestellt haben, welche Menschen eigentlich hinter diesen ganzen Masken und ausgefeilten Bodysuits stecken.

Bereits 2006 kam mit Special von Hal Habermann und Jeremy Passmore ein Film heraus, in dem der vermeintliche Superheld nicht das Produkt von Genmutationen, atomarer Strahlung oder außerirdischer Herkunft, sondern das Opfer medikamentenbedingter Halluzinationen ist. Drei Jahre später nahm Woody Harrelson in Defendor als unscheinbarer Durchschnittstyp mit eher geringer Intelligenz in der Gestalt des titelgebenden Superhelden den Kampf mit einem finsteren Unternehmen auf. Der bekannteste unter den Indie-Superheldenfilmen dürfte aber James Gunns Super sein, der zwar erst 2010 erschienen ist, aber schon jetzt beinahe den Status eines Kultfilms erreicht hat. Mit einem Cast, der Namen wie Kevin Bacon, Ellen Page, Liv Tyler und Nathan Fillion umfasst, muss er eigentlich auch nicht einmal mehr die Konkurrenz mit den großen Studioproduktionen scheuen.

Warum freue ich mich also bitte so sehr über einen weiteren alternativen Superheldenfilm? Klingt doch ganz so, als hätte es von denen erstmal genug in den letzten Jahren gegeben. Irgendwo stimmt das auch, aber Alter Egos wählt in meinen Augen einen komplett anderen Ansatz, als seine Vorgängerfilme, indem die Helden hier auch tatsächlich übernatürliche Kräfte besitzen. Das ist ein interessanter Unterschied, denn in den bisherigen Independentproduktionen stand der einfache Mann im Zentrum. Eigentlich immer ging es bisher um Durchschnittstypen, die ihrem eintönigen Leben entkommen wollen und sich in das Parallelleben eines gefeierten Superhelden flüchten.

Dadurch haben diese Filme den Fokus sehr stark auf die Frage gerichtet, was es in unserer realen Welt bedeuten würde, das Gesetz auf diese skurrile Weise in die eigene Hand zu nehmen. Und warum gerade diese Weise eine solche Faszination auf uns ausübt.

Gallands Herangehensweise finde ich interessant, weil sie eben nicht von der realen Welt ausgeht, sondern wesentlich verspielter zu sein scheint. Er wählt nicht unsere Welt, sondern erfindet (ganz marvelesque) eine Parallelwelt, in der Superhelden real, nur leider nicht mehr allzu geduldet sind. Und ich finde das Gedankenspiel cool, das er auf der Grundlage dieser Welt anstellt: Was bedeutet es denn für einen Mann, der normaler Mensch und Superheld zugleich ist, diese beiden Identitäten ausfüllen zu müssen? Wie kann er mit einer solchen Schizophrenie umgehen? Und kann er es überhaupt?

Klar, damit haben sich auch schon einige der großen Blockbuster beschäftigt, allen voran Zach Snyders grandioser Film Watchmen. Aber in Alter Egos scheinen mir mehr Gefühl zu stecken, es ist persönlicher. Das verspricht eine intelligente Auseinandersetzung mit den Identitätskrisen und psychischen Problemen eines Helden zu sein, der im Interesse der Allgemeinheit eigentlich keine Schwächen haben darf. Kevin Smiths Produktionsfirma Smodcast Pictures steckt im übrigen hinter diesem Film. Stimmt schon, Smith hat in den letzten Jahren nicht wirklich durch seine Filme überzeugt, aber bei der Sache hier vertraue ich dem Riecher dieses bekennenden Comicfans.

In vielen Kinos wird Alter Egos wohl sowieso nicht zu sehen sein, wenn wir ihn in Deutschland überhaupt auf der großen Leinwand zu sehen bekommen. Kürzlich ist er in den Staaten in einigen ausgewählten Kinos angelaufen. Falls ihr da draußen euch also ungefähr genauso auf den Film freut wie ich, dann bleibt wahrscheinlich höchstens der Griff zur DVD. Und holt euch am besten das Filmposter gleich mit, denn das kann nun wirklich einiges: 

@ Smodcast Pictures

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