American Hustle – 10 gerechtfertigte Oscar-Nominierungen

by on 02/22/2014
© TOBIS Film

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Nach den oscarprämierten Filmen The Fighter und Silver Linings hat auch der neuste Film von David O. Russell die Chance, dieses Jahr bei Hollywoods renommiertestem Filmpreis mit nicht weniger als 10 Nominierungen abzuräumen. American Hustle versammelt mit Christian Bale, Amy Adams, Bradley Cooper und Jennifer Lawrence die bekanntesten Schauspieler aus beiden Filmen und lässt sie in einem 70er Jahre-Rausch aus Kostümen und Musik brillieren.

Der gerissene Hochstapler Irving Rosenfeld, gespielt vom Method Acting-König Christian Bale, führt neben einer Reihe von Wäschereien einige kleine, lukrative Trickbetrügereien durch. Auf einer Party trifft der moppelige Irving, der eine Frau (Jennifer Lawrence) und einen Sohn hat, die offenherzige Stripperin Sydney Prosser (Amy Adams) und die beiden verlieben sich. Mit Hilfe von Sydney, die sich als britische Adlige ausgibt, verdienen sich die frisch Verliebten durch Kreditbetrügereien und dem Handel mit gefälschter Kunst eine goldene Nase, bis sie die großspurige Labertasche, der FBI-Agent Richie DiMaso (Bradley Cooper), erwischt und vor eine Wahl stellt. Entweder die beiden helfen Richie bei der Festnahme von vier weiteren Trickbetrügern oder kalter Stahl schmückt in Zukunft ihre Wände. Um dem Gefängnis fernzubleiben und um seinen Sohn nicht zu verlieren, hilft Irving zusammen mit Sydney dem FBI-Agenten und versucht dem Bürgermeister Carmine Polito (Jeremy Renner) Bestechlichkeit nachzuweisen. Neben dem überambitionierten Richie, dessen Ziel die Ergreifung von immer einflussreicheren Politikern und Mafiosi ist, und seiner manipulativen Frau Rosalyn, die es treffend versteht, die Verantwortung ihrer unüberlegten Handlungen ihrem Mann in die Schuhe zu schieben, schafft es sogar seine geliebte Sydney, den zunehmend gestressten Irving in immer größere Schwierigkeiten zu bringen. Sie wendet sich mit fortschreitender Handlung mehr und mehr dem überengagierten Hitzkopf Richie zu.

David O. Russells an Wendungen reiche und dialoglastige Räuberpistole zeichnet sich trotz der komplexen und auch überraschenden Handlung vor allem durch seine überragenden Schauspieler aus, die es auch ohne Action schaffen dem Film Spannung zu verleihen. Man merkt, dass der Regisseur den Figuren mehr Bedeutung beimisst als der im Mittelteil etwas schleifenden Handlung, die im Ganzen aber doch sehr schön erzählt wird. Im direkten Vergleich zu der Leistung der Schauspieler tritt sie jedoch manchmal etwas auf der Stelle. Die Figuren sind so facettenreich und interessant, dass sich George Clooneys Monuments Men so einige Scheiben hätte abschneiden können. Der übereifrig-exzentrische FBI-Agent Richie, der mit zunehmendem Wachstum seines Egos besonders in Gegenwart der attraktiven Sydney instabiler, impulsiver und unsicherer wird, bereichert den Film genauso wie die leicht dümmlich-manipulative Figur der Rosalyn Rosenfeld, deren Selbsterhaltungstrieb und Unberechenbarkeit für allerhand Probleme sorgt.

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Ein weiteres Plus sind die grandiosen Kostüme, Masken und die passende musikalische Untermalung. Nicht nur Christian Bales schmierige Halbglatze und seine extra für den Film angefutterte Plauze, die Dauerwellen von Bradley Cooper und Amy Adams (die es schafft, in dem Film kein Kleid ohne Ausschnitt bis zum Bauchnabel zu tragen) oder die wuchtig-massive Tolle von Jeremy Renner lassen den Film stimmig wirken und zaubern jedem Zuschauer ein Grinsen ins Gesicht. Der abwechslungsreiche Soundtrack untermalt die einzelnen Szenen perfekt und unterstützt die aufkeimende Liebe mit Jazz- und Swing-Stücken ebenso stimmig wie später die melancholischen Balladen den nahenden Untergang. Im Grunde beginnt fast jede Szene mit einem Kamerazoom und einem perfekt passenden Song, welcher die Stimmung der einzelnen Szene auf den Zuschauer zu transportieren versteht. Verantwortlich dafür war der Komponist Danny Elfman, der nicht nur die Musik für alle Filme von Tim Burton schreibt, sondern sich auch unter anderem durch Men in Black und Milk in Hollywood einen Namen machte.

American Hustle wird begleitet durch gelegentliche Stimmen aus dem Off. Meist gibt Hauptcharakter Irving seine Meinung zum Besten, ab und zu darf man das Geschehen aber auch aus der Perspektive von Richie oder Sydney nachvollziehen. Nicht nur die Erzählstruktur, sondern auch die Story, die Charaktere, Kulissen sowie Kameraeinstellungen und Schnitt erinnern stark an den Stil von Martin Scorsese und an Filme wie Casino, Good Fellas oder auch an Paul Thomas Andersons Boogie Nights. Trotz der Ähnlichkeiten besitzt der Film seine eigene Identität und verbeugt sich eher vor Scorseses Filmen als sie zu kopieren. American Hustle ist eine gelungene Mischung aus Drama und Komödie, die ihre Charaktere ernst nimmt und ihre Schauspieler vor die Handlung stellt. Mit viel Spannung, Erotik und kaum Action rechtfertigt dieser dialoglastige Film seine 10 Oscar-Nominierungen. Den Oscar für den besten Film wird American Hustle wahrscheinlich nicht gewinnen, jedoch müsste es mit dem Teufel zugehen, wenn er komplett leer ausgeht.

Kinostart: 13. Februar 2014

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