Angewandte Filmosophie – Das große Wahl-Spezial

by on 09/20/2013

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Angewandte Filmosophie zum Wochenende

Wir geben euch Tipps für die cinephile Wochenendgestaltung am
21. und 22. September 2013

Am 22. September ist Bundestagswahl, und selbst wenn es nur das kleinste Übel ist – das Wählen lassen wir Filmosophen uns trotzdem unter keinen Umständen nehmen. Euch geht es hoffentlich genauso, und deswegen bringen wir uns diesmal in unseren Wochenendtipps schon einmal vorbeugend in eine hochgradig politisierte Stimmung. Wir haben unsere liebsten Streifen zusammengetragen, in denen die spannende Weltbühne der Politik zum Thema auf der großen Leinwand wird.

 

cutrin empfiehlt Thank You For Smoking von Jason Reitman

© 20th Century Fox

© 20th Century Fox

Lobbyismus ist immer ein brandaktuelles Thema in der Politik, ob es dabei um Apotheker, Hoteliers, Glücksspiel oder aber die Tabakbranche geht. Auch aktuell tobt wieder eine Debatte um abschreckende Fotos auf Glimmstengelpäckchen und Verbote von Mentholzigaretten. Im Jahr 2005 nahm der US-amerikanische Independent-Kultregisseur Jason Reitman die Auswüchse des Lobbyismus in seiner Politkomödie Thank You For Smoking mit viel schwarzem Humor aufs Korn. Darin spielt Aaron Eckhart den wortgewandten Pressesprecher einer Tabakfabrik, der eine riesige Medienkampagne ins Rollen bringt, um die Gesundheitsapostel in ihre Schranken zu weisen. Dumm nur, dass er im Spagat zwischen gewieftem Pressesprechen und verantwortungsbewusstem Vater schwer authentisch bleiben kann.

 

filmosophie empfiehlt The Ides of March von George Clooney

© Universal

© Universal

Ich halte mich selbst für einen sehr unpolitischen Menschen, obwohl wir mal jemand gesagt hat, dass Feminismus ebenfalls eine Form politischen Engagements darstellt. Aber wie dem auch sei: Mit dem Thema Politik habe ich so meine Schwierigkeiten. Deshalb bin ich auch in der Regel nicht die erste, die sich den neusten Politthriller ansieht. The Ides of March von und mit George Clooney sowie Ryan Gosling, Paul Giamatti und Philip Seymour Hoffman hat mich trotzdem begeistert, weil es darin – so glaube ich – weniger darum geht, was die Menschen so mit ihrer Politik machen, sondern was die Politik mit den Menschen macht. Die Geschichte nämlich dreht sich um einen jungen Wahlkampfmitarbeiter (Gosling), der zu Beginn des Films noch der Illusion erliegt, in der Politik gehe es um Inhalte und Positionen und der durch den Lauf der Dinge (wie auch wir übrigens) eines Besseren belehrt wird.

 

dennis empfiehlt Lincoln von Steven Spielberg

© 20th Century Fox

© 20th Century Fox

Ich habe mir vor kurzem wieder die Frage gestellt, warum ich in letzter Zeit von der Politik so enttäuscht bin. Ich denke, dass es zu einem großen Teil daran liegt, dass es in der heutigen Politik zu wenige richtige Persönlichkeiten gibt, zu denen man aufschauen kann und die zu ihren Prinzipien stehen. Aus diesem Grund hier Lincoln von Steven Spielberg mit einem grandiosen Daniel Day-Lewis als Empfehlung. Zweifelsohne ist auch dieser Film nicht ohne einen gewissen Hang zu Vereherung  (eine Person wie Abraham Lincoln verdient definitiv welche), doch im Gegensatz zu vielen anderen Filmen dieser Art, zeigt Spielberg keinen Vater der amerikanischen Nation, der über jeden Fehler erhaben ist. Im Gegenteil, wie jeder andere Vater steht auch Lincoln vor dem Dilemma zwischen moralischer Überzeugung und den Ansprüchen seiner Familie, der Nation und der realen Welt. Der Film zeigt auf beeindruckende Weise, wie schwierig der Weg zur Abschaffung der Sklaverei war und dass es trotz aller Probleme und Angriffe möglich ist, in der Politik zu seinen Überzeugungen zu stehen. Zur gleichen Zeit zeigt der Film auch wie sehr das politische Umfeld und die politische Arbeit ihren Tribut fordert.

 

patrick empfiehlt The West Wing von Aaron Sorkin

© Warner Home Video

© Warner Home Video

Wenn ich an bewegende Bilder in Zusammenhang mit Politik denke, kommt mir als erstes The West Wing in den Sinn. Das ist natürlich kein Film, aber wir dürfen ja hier alles abdecken. Keine Serie (und bisher auch kein Film) haben mich jemals so viel über Politik gelehrt und gleichzeitig so unfassbar gut unterhalten. Der Cast, u.a. bestehend aus Martin Sheen, Allison Janney, Rob Lowe, Bradley Whitford und Richard Schiff, um nur einige zu nennen, vollbringen mit dem Skript von Aaron Sorkin, der auch als Showrunner fungierte, Großartiges. The West Wing spielt im gleichnamigen Teil des Weißen Hauses, dort, wo der Präsident (Martin Sheen) und sein Staff arbeiten. Die Serie ist hautnah am Geschehen der Weltpolitik. Vor allem aber gibt sie den Charakteren hinter dieser Politik-Maschinerie ein Gesicht, zeigt sie verletzlich, angreifbar und bei weitem nicht unfehlbar. Innovative Storytelling-Ideen, abwechslungsreiche Konflikte und zwischendrin großartiges Drama machen die Serie zu einer meiner Top 5 Serien aller Zeiten. Wer die Serie noch nicht kennt, egal ob Politik-Narr oder nicht, dem sei sie sehr ans Herz gelegt. Man kann viel lernen, man hat Spaß und wird die ikonischen Charaktere so schnell nicht vergessen.

 

ben empfiehlt Wag The Dog – Wenn der Schwanz mit dem Hund wedelt von Barry Levinson

© Warner Home Video

© Warner Home Video

Ich habe lange überlegt, welchen Film ich an dieser Stelle empfehlen soll. Denn nach längerem Überlegen fielen mir ganz viele sehenswerte Politik-/ Wahl-Filme ein. Auch ein Blick in das Fernsehprogramm half mir nicht weiter, denn nur auf zdf neo läuft am Samstag Abend ein thematisch bezogener Film, nämlich Horst Schlämmer – Isch kandidiere! mit Hape Kerkeling. Da ich diesen Klamauk weder gesehen noch etwas Positives über den Film gelesen habe, kann ich ihn leider nicht empfehlen. Würde ich mich nur nach dem Titel orientieren, wäre der treffendste Film Die Qual der Wahl mit Will Ferrell und Zach Galifianakis. Doch unterm Strich ist diese Wahlkampf-Komödie viel zu plump, um an dieser Stelle erwähnt zu werden. Deshalb fiel in diesem Fall meine Wahl auf Wag The Dog – Wenn der Schwanz mit dem Hund wedelt von Barry Levinson. Meiner Meinung nach ist diese schwarze Komödie mit Dustin Hoffman und Robert De Niro über ein mediales Ablenkungsmanöver zur Vertuschung eines Sexskandals immer wieder sehenswert und erstaunlich zeitlos. Denn obwohl der Film bereits 16 Jahre alt ist, haben sich die Machtstrukturen der Medien und deren Manipulationsmechanismen kaum verändert.

 

Und hier noch einmal unsere Auswahl im Überblick:

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