Annelie – Vom Rand in die Mitte

by on 07/29/2014

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Aus der Reihe „Filme, die wir gerne hätten sehen wollen, die aber aus unerfindlichen Gründen niemals im Kino liefen“ präsentiere ich heute Annelie von Antej Farac. Ein Freund machte mich neulich auf den Trailer aufmerksam und meine Neugier war umgehend geweckt. Ein Film über die Menschen am Rand unserer Gesellschaft, die sich gegen die Räumung ihres Wohnhauses wehren, in dem sie unter anderem die Band Kiss entführen?! Das klingt irgendwie nach einer Mischung aus deutschem Problemkino und Waynes World. Der Trailer hat dann auch tatsächlich so viel Energie, dass ich spontan eine Gänsehaut bekam. In der immens dramatischen Musikuntermalung liegt zwar ganz bestimmt ein Quäntchen Ironie, aber gerade wenn es um die bitteren Aspekte des Lebens geht, kann ein bisschen Galgenhumor nicht schaden.

Das Besondere an Annelie ist aber, dass neben Schauspieler Georg Friedrich – zuletzt gesehen als Gangsterboss in Stereo – hauptsächlich Laien vor der Kamera stehen. Und zwar nicht irgendwelche, sondern die Bewohner eben jenen Hauses, um das sich die Geschichte dreht. In Annelie verschwimmt also die Realität mit der Fiktion – ein gewagtes, aber auch sehr interessantes Konzept. Ich stelle mir vor, dass hiermit der Respekt vor den Charakteren in besonderem Maße gewährleistet wird. Während Junkies, Transsexuelle und Sexarbeiter_innen im Rahmen derartiger Filme gerne mal zu Lachnummern verkommen, können wir bei Annelie zumindest davon ausgehen, dass die hier portraitierten Figuren dabei ein Wörtchen mitzureden hatten. Laut Internetseite des Films spielen sie sich sowohl selbst als auch gegenseitig, sind also maßgeblich an der Entwicklung von Geschichte und Charakteren beteiligt.

Jetzt müsste man nur noch wissen, ob und wie man sich Annelie dieser Tage ansehen kann. Der letzte „News“-Eintrag auf der Webseite ist genau ein Jahr alt. Ich bereue bitterlich, diesen Film verpasst zu haben, aber vielleicht ist ja noch nicht aller Tage Abend und irgendein Verleih nimmt sich seiner doch noch an. Ich wäre auf jeden Fall dafür, schon allein, um der deutschen Kinofilmlandschaft wieder ein wenig mehr Abwechslung zu verleihen.

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