Arischer James Bond fällt wegen höherer Gewalt durch Reifeprüfung

by on 11/21/2014

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Angewandte Filmosophie zum Wochenende

Wir geben euch Tipps für die cineastische Wochenendgestaltung

am 22. und 23. November 2014

cutrin empfielt Höhere Gewalt von Ruben Östlund im Kino

© Alamode

© Alamode

Ach, das dauert aber auch, bis endlich mal die Cannes-Filme so langsam ins deutsche Kino einkleckern. Gestern startete zum Beispiel Höhere Gewalt von Ruben Östlund (neben Die Legende von Prinzessin Kaguya, im Übrigen auch ein guter Tipp). Hätten nicht schon vor Ort an der Croisette alle Kollegen zu spontanen Jubelstürmen angesetzt, wäre mir dieser auf den ersten Blick vielleicht eher unscheinbare Film gar nicht aufgefallen. Schade wär’s gewesen. Der Film ist nämlich ein spannendes soziales Experiment in der Schneekugel: in formal strengen Bildern erzählt Ruben Östlund von einem Vater (Johannes Bah Kuhnke), der seine Familie im entscheidenden Augenblick nicht beschützt. So stellen sich unzählige Fragen über Ehe und Familie, Männlichkeitsbilder, Genderverhältnisse und Beziehungsformen. Und wunderbarerweise erschlägt diese Theorie-Lawine den Film noch nicht einmal. Mehr dazu in meiner ausführlichen Kritik. Unbedingt anschauen!

dennis empfielt Skyfall von Sam Mendes auf DVD

© Sony Pictures

© Sony Pictures

Als ich jüngst hörte, dass Christoph Waltz mög­li­cher­wei­se der neue Bond-Bösewicht werden könnte, war ich offen gesagt verwirrt und kann mir das auch gar nicht vorstellen: Waltz als Gegner von Daniel Craig? Überhaupt bin ich gespannt, wie der nächste James Bond Film überhaupt Skyfall, den ich Euch hier empfehlen möchte, noch toppen kann. In meine Augen ist der Streifen unter der Regie von Sam Mendes einer der besten Filme des Bond-Franchises seit Jahren. Nicht nur, dass Craig der Figur Bond bereits mit Casino Royale wieder die menschliche Verletzlichkeit verliehen hat, die der Super-Agent in den Filmen davor hat vermissen lassen. Doch wahre Geniale an Skyfall sind nicht nur Craig oder der tolle Titelsong von Adele, sondern vielmehr die Tatsache, dass es der Film schafft mit eine sehr großen Portion von Selbsthumor und Verehrung gegenüber seiner eigenen Geschichte, das Bond-Universum wieder „auf Anfang“ zu setzten und damit die Möglichkeit geschaffen hat, neue Geschichten zu erschaffen, ohne dabei redundant zu werden.

 

die arier slider

© Alpha Medienkontor

filmosophie empfiehlt Die Arier von Mo Asumang:

Ich könnte es mir jetzt ganz einfach machen und die Die Tribute von Panem – Mockingjay Teil 1 empfehlen. Tu ich aber nicht, obwohl man sich den durchaus angucken kann. Stattdessen möchte ich zum wiederholten Male auf den Dokumentarfilm Die Arier von Mo Asumang hinweisen, den ich vergangenen April beim Achtung Berlin Festival entdeckt habe. Nach einer TV-Ausstrahlung auf den Öffentlich-Rechtlichen kommt der Film nun nämlich auch ins Kino. In Die Arier versucht sich Filmemacherin Mo Asumang an einer Begriffsklärung, die sie über verschiedene Kontinente führt und mit rechtsextremen Gesprächspartnern zusammenbringt. Besonders brisant an diesem Selbstversuch ist die Tatsache, dass Mo Asumang als „Mischlingskind“ selbst eine dunklere Hautfarbe hat als die selbsternannten Arier. Dass sie es nicht einsieht, deshalb in die Defensive zu gehen, sondern ihre Fragen nur umso mutiger und direkter formuliert, zeichnet ihre Arbeit aus. Mein Votum: Sehr empfehlenswert!

quadzar empfiehlt Die Reifeprüfung von Mike Nichols auf DVD

© Studiocanal

© Studiocanal

Das hier soll kein Nachruf sein. Aber als ich gerade erfahren habe, dass Mike Nichols, der Regisseur von Die Reifeprüfung (The Graduate), am Mittwoch im Alter von 83 Jahren gestorben ist, musste mein Tipp in seine Richtung gehen. Ich glaube nicht, dass ich auf die Handlung noch groß einzugehen brauche. Der unentschlossene College-Absolvent Benjamin (Dustin Hoffmann) wird inmitten seiner Zukunftszweifel von einer (verheirateten) Bekannten seiner Eltern (Anne Bancroft) verführt, nur um sich dann in dessen Tochter (Katherine Ross) zu verlieben. Dass dies in den immer noch spießigen 60er-Jahren Probleme gibt ist klar. Der Film hat viele klassische Momente, glänzt aber Meinung nach durch eines der besten Enden der Filmgeschichte: Formal Hollywood, aber dann in den letzten Sekunden der Ausdruck ungewisser Zukunft durch einen zweifelhaften Blick. Für Mike Nichols selbst ist die Zukunft nun nicht mehr ungewiss, aber sein künstlerisches Erbe wird noch weit in die Zukunft ausstrahlen und Orientierung bieten.

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