Auf der Suche nach einem Freund fürs Ende der Welt

by on 02/14/2013
© Universal Pictures

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So ein langer Titel. Genau so lang muss sich der Film für etwa die Hälfte der Kinogänger angefühlt haben. Ich kann gleich vorweg sagen, dass die Beurteilung von Auf der Suche nach einem Freund fürs Ende der Welt fast zu 100 Prozent davon abhängt, ob Schmalz als gut oder schlecht empfunden wird. Kitsch und Schmalz sind für mich zwar gewöhnlich ein Ausschlusskriterium bei Filmen, aber manche Exemplare der bewegten Bild-Kunst schaffen es trotzdem in mein Herz. Auf der Suche nach einem Freund fürs Ende der Welt ist ein solcher Film.

In Auf der Suche nach einem Freund fürs Ende der Welt, Originaltitel Seeking A Friend for the End of the World, ist der Name Programm. Die grundlegende Geschichte ist schnell erzählt: Aufgrund eines näherkommenden Meteoriten wird die Welt in kurzer Zeit untergehen. Für viele wäre so etwas ein Grund, das Leben noch einmal richtig zu genießen und so wird Spießer Dodge (Steve Carell) prompt von seiner Frau verlassen. Während seine Freunde (gespielt etwa von Patton Oswalt, Connie Briton und Melanie Lynskey) sich mit heroin- und sexschwangeren Orgien schon vor Weltuntergang ins Nirvana pusten, will er nichts weiter, als ein wenig zwischenmenschliche Wärme bis zum Ende. Also macht er sich mit seiner abenteuerlustigen, aber narkoleptischen Nachbarin Penny (Keira Knightley), die sich gerade von ihrem Freund (Adam Brody) getrennt hat, auf den Weg, eine alte Flamme aufzusuchen. Für Penny würde dabei ein letzter Trip nach England herausspringen, denn Dodges lang nicht gesehener Vater (Martin Sheen) ist Pilot. Ich brauche nicht zu sagen, dass der „Freund fürs Ende der Welt“ bei diesem Road Trip die ganze Zeit vor beiderlei Augen steht.

Die Prämisse ist schnell verstanden und das bevorstehende Ende kann nur aus zwei möglichen Szenarien bestehen: Sie kriegen sich oder sie kriegen sich nicht. Pardon, drei Szenarien: Natürlich könnte ein Wunder geschehen und die Welt geht nicht unter. Was tatsächlich passiert verrate ich nicht, denn Regisseurin Lorene Scafaria (Nick und Norah – Soundtrack einer Nacht) schafft es tatsächlich, den Ausgang dieses Road Trips bis zum Schluss im Nebel zu halten. Das Problem, das einige mit diesem Film haben dürften, ist seine zweite Hälfte.

Etwa so wie ein Zombiefilm hat die erste Hälfte von Auf der Suche nach einem Freund für das Ende der Welt eine Art soziale Abenteuerpark-Komponente. Die gewohnte Welt wird auf den Kopf gestellt und an jeder Ecke gibt es eine neue Wunderlichkeit zu sehen. Die Leute verteilen am Arbeitsplatz beliebig Machtpositionen, plündern, kopulieren wild durch die Gegend oder drehen panisch durch. Einige, zum Beispiel Dodges Putzfrau und Dodge selbst,  führen ihr altes Leben stoisch fort. Daraus entstehen viele komische Situationen, aber Auf der Suche nach einem Freund fürs Ende der Welt vergisst dabei glücklicherweise nie, die mit dem Weltuntergang einhergehende Bitternis auf einer tieferen Ebene mitschwingen zu lassen.

Der Film ist ernst und lustig zugleich, aber die Ernsthaftigkeit überwiegt. Alle Schauspieler bringen diese Mixtur über die Bühne, aber Steve Carell ragt hervor. Mir gefiel er auch in der Dramödie Dan – Mitten im Leben und in Auf der Suche nach einem Freund fürs Ende der Welt beweist er noch einmal, dass er für Drama-Rollen ebenso wie für Komödien geeignet ist. Die Schwäche von Auf der Suche nach einem Freund fürs Ende der Welt liegt also nicht in seinem Cast, sondern viel eher im Drehbuch. Und diese Schwäche zeigt sich am Besten in der zweiten Hälfte des Films.

Während der Road Trip an sich mit vielen verrückten und interessanten Figuren gepflastert ist (zum Beispiel etwas zu diensttreue Cops, hedonistisches Diner-Personal oder bunkernde Militaristen), wird der Film später zum vollständigen, kitschüberladenen Drama. Die Dialoge bestehen dann fast ausschließlich aus Gemeinplätzen über Vergänglichkeit und den Wert des Lebens, gepaart mit affirmativen Essens- und Genussszenen und einer teils arg aufgedrehten Wiedersehenssequenz mit Dodges Vater Frank. Immer öfter erwischte ich mich bei dem Gedanken, dass das Verhalten auf der Leinwand mehr als ein überflüssiges Quäntchen unauthentisch wirkt.

Aber so sehr mich die Dialoge später störten, so sehr funktionierte dieses ganze Mischmasch bei mir. Steve Carell und Keira Knightley als Dodge und Penny sind durchweg sympathisch und zwingen fast schon zu einer emotionalen Reaktion. Und während das Ende dann doch aus einer Art Regelbuch für die Romantik stammen könnte, überraschte es mich trotzdem. Denn irgendwie schwang dort etwas Differenzierteres mit, eine Botschaft, die zwar direkt ins Gesicht springt, aber auf einer subtilen Ebene spielt. Und so möchte ich Lorene Scafaria vor allem zur Auswahl der Besetzung gratulieren, auch zum Thema, aber weniger zum Drehbuch. Alles in allem hat sie es trotzdem geschafft, all die Fehler, Glücksgriffe und Geniestreiche zu einem harmonischen, wenn auch schmalzigen Ganzen zu formen. Wer also mit gelegentlichem (oder sogar regelmäßigem) Kitsch etwas anfangen kann, wird sich bei Auf der Suche nach einem Freund fürs Ende der Welt gut unterhalten und auch bewegt fühlen.

VERKAUFSSTART: bereits erschienen (24. Januar 2013)

Pressespiegel auf film-zeit.de

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