Auferstanden – Ein Filmabend auf der Sekten-Ranch

by on 03/07/2016

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© Sony

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Auferstanden endet mit einem ungläubigen Wirt, der unsere Protagonisten fragt: „Glaubst du das wirklich alles?“ Und er endet mit einer schwer ungläubigen Zuschauerin im Kinosessel, die sich fragt: „Habe ich mir das wirklich gerade bis zum Schluss angetan?“ Bibelfilme waren und sind nichts ungewöhnliches. Hollywood gehen die Superheldencomics und Märchen aus, deswegen werden dort gern auch in regelmäßigen Abständen religiöse Stoffe verfilmt – wie zum Beispiel im letzten Jahr Noah von Darren Aronofsky oder das aktuell geplante Biopic über Maria Magdalena. Dann gibt es aber auch die Produktionsfirmen, die sich auf Filme für ein christliches Publikum spezialisiert haben, die Jahr für Jahr an den Feiertagen die Kinos insbesondere der USA fluten.

Auferstanden von Kevin Reynolds ist so ein Produkt der Sony-Tochter Affirm Film und verrät schon im Titel, in welche Bibelfilm-Kategorie es sich einordnen lässt. Auferstanden – das suggeriert Tatsachen. Er ist auferstanden – andere Worte braucht es nicht, geschweige denn Widerspruch oder noch eine andere Perspektive. Vorgaukeln kann man sie aber ruhig. Erzählt wird die ikonische Karfreitags- und Ostergeschichte hier nicht als Jesus-Biografie, sondern gewissermaßen als filmischer Entwicklungsroman um den römischen Tribun Clavius (Joseph Fiennes). Der ist ein ziemlich harter Typ, schließlich hat er Augenfältchen wie Krepppapier und permanent einen blutigen Riss in der Lippe. Er betet täglich zum Kriegsgott Mars und sorgt gemeinsam mit seinem Gehilfen Lucius (Tom Felton – exakt, Draco Malfoy) dafür, dass es bei Kreuzigungen so richtig schön brutal zugeht. Erschüttert wird sein Weltbild erst, als der Körper des Yeshua von Nazareth (Cliff Curtis) aus seinem Grab verschwindet und er von Pontius Pilatus (Peter Firth) nachdrücklich mit der Suche beauftragt wird.

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Da sitzt man nun also und fühlt sich wie in einem Gottesdienst, in dem der uninspirierte Pfarrer mangels Ideen einfach noch einmal die Bibel nacherzählt. Die erzählerische Klammer vom sich erinnernden Clavius im Wirtshaus fügt sich dabei ganz ausgezeichnet der religiösen Propaganda: die Filmemacher können das künstlerische Freiheit nennen, und ein Mittel, um uns die Hauptfigur näherzubringen. Tatsächlich reibt uns die Inszenierung jedoch vor allem Eines unter die Nase: Clavius kann sämtliche Ereignisse bezeugen, es ist alles wahr. Kevin Reynolds und das Drehbuch lassen keine Zweifel daran aufkommen, dass sich das auf der Leinwand Gezeigte vor zweitausend Jahren tatsächlich genau so zugetragen haben muss.

Was genau passiert also zwischen dem Anfangs- und Endpunkt der Klammer? Da gibt es zum Beispiel die Römer, die sich aufteilen in machthungrig brutale Emporkömmlinge aus Militär und Politik – und die jüdischen Hohepriester, die so gerissen intrigieren, dass es nicht allzu weit hergeholt erscheint, dem Film eine antisemitisch angehauchte Tendenz zu unterstellen. Immer wenn dann eine_r der Anhänger(_Innen, wohlgemerkt, Maria Magdalena (María Botto) ist im Film schließlich eine der wenigen weiblichen Figuren, die auch zwei Sätze sagen dürfen) Jesu über seine Erlebnisse spricht, durchbrechen güldene Sonnenstrahlen die Düsternis der Innenräume. Und die zwölf Apostel kommen als permanent grenzdebil lächelnde Vorfahren der Blumenkinder daher. Was derweil in Auferstanden nicht mit christlichen Holzhammer-Allegorien aufgeladen erscheint, das wirkt schlicht unbeholfen. Als in einer kurzen Schlachtenszene zu Beginn die römischen Soldaten ihre Formationen bilden, kann ich einfach nicht umhin an die Asterix-Comics zu denken und jederzeit damit zu rechnen, dass zwei Söldner in der Phalanx beginnen Suppenrezepte auszutauschen. Und warum nicht irgendwann völlig unvermittelt die Nahaufnahme einer Echse in den Film montieren, schließlich sind wir doch in der Wüste? Auferstanden ist mit Sicherheit die richtige Wahl für einen gemütlichen Filmabend auf der Sekten-Ranch. Für alle Anderen ist er entweder mit Vorsicht zu genießen, oder mit ganz viel Humor.

Kinostart: 17. März 2016

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