Badi, der Trash-E.T. aus der Türkei

by on 04/22/2013

 

© Anadolu Film

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Badi: Turkish E.T. nur als an Steven Spielbergs 80er-Jahre-Klassiker angelehnt zu bezeichnen, wäre stark untertrieben. Eigentlich ist dieser Turksploitation-Knaller eine verramschte Kopie von E.T. – Der Außerirdische mit ein paar eigenen, trashigen Ideen. Ich versuche mal, die Story anhand einiger Highlights zu schildern (ja ja, fast jeder hat E.T.- Der Außerirdische gesehen, trotzdem erzähle ich die Handlung, da es um die feinen Unterschiede geht). Allerdings muss ich zuvor anmerken, dass ich so rein gar nichts von den Dialogen verstanden habe, denn mein Türkisch ist eher suboptimal… Aber was soll’s, ich denke, ich konnte trotzdem halbwegs folgen.

Es folgen SPOILER (na ja, irgendwie zumindest…)

Da wäre zunächst einmal Bülent – ich denke zumindest, dass der so heißt -, der mit seiner Mutter zusammenlebt (Vati ist keiner da, also: Bülent = Elliott aus E.T. – Der Außerirdische). Dann gibt es, so wie ich es verstanden habe, noch eine Nachbarsfamilie mit einigen Kindern unterschiedlichen Alters (das E.T.-Äquivalent wären wohl Elliotts Geschwister). Irgendwann landet ein Raumschiff auf der Erde und Badi, der wohl allerschlechteste E.T.-Verschnitt der gesamten Geschichte, steigt aus. Viele Bewohner haben die Landung mitbekommen und gucken nach, was denn so abgeht – natürlich hat den kleine Bülent ebenso die Neugier gepackt. Der Junge begegnet alsbald dem abgrundtief trashigen Alien .

Schwuppdiwupp geht’s weiter und irgendwann hängt Badi bei Bülent in der Wohnung rum – Bülent scheint öfters daheim zu sein, weil er offenbar immer krank ist – und die beiden füttern sich mit türkischem Honig und Badi streichelt Bülent über den Fuß – das soll wohl ’ne Wunde heilen, wirkt allerdings schwer pervers. Dabei brabbelt der Trash-E.T. immer, als ob jemand durch ein Megaphon spricht, was vermutlich sogar der Fall war. Irgendwann bekommen die Nachbarskinder Wind von dem Außerirdischen. Sie spielen mit ihm und verstecken ihn im Keller. Dann schläft Bülent und träumt davon, dass Badi in seiner Schulklasse ist und alle seine Kameraden + Lehrer gemeinsam mit dem Außerirdischen so etwas wie den Ententanz tanzen. Was das soll? Keine Ahnung…

Während Bülent so rumträumt, sitzt Badi im Keller und liest ein Erotikmagazin – bis er sich entschließt, ein bisschen zu schweißen. Dadurch entsteht eine Apparatur – vermutlich das ominöse Telefon, mit dem er „nach Hause telefonieren“ kann.

Ein paar Kindereien später sitzt Bülent mal in der Schule, anstatt daheim rumzulungern. Auf einmal kommt Badi tatsächlich in den Klassenraum reingeschlurft. Der Lehrer kriegt ’nen Schreck, doch dann ist Badi auch schon weg.

© Anadolu Film

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Wieder daheim bewegt sich der Außerirdische durch das Wohnhaus, wo er vom Vater der Nachbarskinder entdeckt wird. Daraufhin lässt Badi einen Rauchfurz – oder so ähnlich – auf den Papi ab und verschwindet mit den Kids. Die bringen ihn auf einen Jahrmarkt, wo erst einmal ordentlich Karussell gefahren wird, während Badi blöd rumsteht. Dann folgt eine Ansprache an eine Menge Kinder. Auf einmal macht es „tatü tata“ und die Polizei ist da. Cops kommen, Kids rennen weg. Blöderweise geht dabei Badi irgendwie verschütt, weshalb Bülent (schon wieder) krank wird. Aber alles halb so wild, denn Badi ist bald schon wieder da.

Doch halt! Es wird wieder dramatisch (wie schön, dass das Original so perfekte Tränendrüsenszenen hat): Badi ist krank und muss heim, bevor er den Löffel über die Wupper wirft. Just in diesem Moment kommen Polizei und Alien-Jäger (vielleicht war es auch nur ein Zirkusdirektor, der den Außerirdischen für seine Freakshow wollte, was weiß ich) und umstellen das Haus. Ein brunzorigineller Trick verhilft den Kindern und Badi zur Flucht.

Was folgt ist die wohl schönste Kopie einer klassischen Filmszene: Vor der malerischen Istanbuler (?) Kulisse fliegen sie alle in einem Obstkarren Badis Freiheit entgegen – wunderschön und absolut berührend…

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Das Ende ist wie erwartet (und auch schon bekannt… *ähem* E.T. *ähem*…): Bülent heult, Badi fummelt ihn noch mal an und dann geht’s ins Raumschiff und *abzisch*.

Und ich sitz da und weiß nicht, was ich davon halten soll. Doch, eines kann ich sagen: Filme mit dem Zusatz „Turkish“ und darauf folgendem bekannten Titel haben etwas Magisches. Okay, das ist etwas zuviel: Sie haben etwas Eigenes. Zwar keine eigenen Ideen oder irgendeine Form eigenen Anspruchs, aber in der Welt des Membranzwirbler-Trash spielen Turksploitation-Filme in einer eigenen Liga.

Damit dürfte allerdings auch klar sein, dass Badi: Turkish E.T. genauso wie andere türkische Billigkopien populärer Filme – beispielsweise Turkish Star Wars (Dünyayi kurtaran adam), Turkish Rocky (Kara simsek) und Turkish Exorcist (Seytan) – niemanden erfreuen wird, der an Megaschrott keine Freude hat. Die Empfehlung, sich dieses Werk reinzuziehen, gilt also nur für Fans von Hardcore-Trash, denn die bekommen ein echtes Highlight geliefert, das sie so schnell nicht mehr vergessen  werden

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