Batman vs. Predator – Fan-Filme machen’s möglich

by on 09/10/2012

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© Sandy Collora/DC Comics

Vor zwei Wochen habe ich über die großen Studioproduktionen gesprochen, die momentan verzweifelt versuchen, eine den Comics ähnelnde, zusammenhängende Kontinuität aufzubauen. Heute geht es ans andere Ende des Spektrums. Unabhängig produzierte Fan-Produktionen, die trotz widriger Umstände und meist sehr kurzer Laufzeit an die Erzeugnisse der Rechteinhaber herankommen. In meiner Kolumne Comicinema stelle ich einige der besten vor.

Welcher Batman soll es denn sein?

Viele Fan-Verfilmungen sind genau das, was von ihnen erwartet wird. Billig und oft schnell produzierte Hommagen an das Quellenmaterial, meist mit nur wenig bis gar keinem Plot und eilig zusammengeschusterten Kostümen. Einige Filme stechen aber aus der Masse heraus. Besonders seit den Christopher Nolan – Werken Batman Begins und The Dark Knight hat die Welt der Fanproduktionen im Bereich Comicverfilmung wieder einen neuen Schub erfahren. Während viele nach The Dark Knight nervös darauf warteten, dass das Grummeln in die Stimme von Christian Bale zurückkehrt, konnten andere ihren Durst im Internet stillen. Die neue Batman-Popularität sorgte dafür, dass dem Dunklen Ritter unzählige Fan-Projekte gewidmet wurden. Im Nachklang von The Dark Knight entstanden zum Beispiel Puppet Master und Born Laughing. Ersterer stellt die Frage nach der Zeit kurz nach dem „Mord“ an Harvey Dent, der Batman angehaftet wurde. Viele wollten für The Dark Knight Rises den Riddler als Hauptfeind sehen und genau das ist hier geschehen. Ein Batman, der in Kostüm und Stimme bemerkenswert an den Nolan-Batman erinnert, wird vom Riddler auf grausame Weise an der Nase herumgeführt. Dieser Film beweist, dass der grün gekleidete Gentleman sehr wohl für das dunkle Gotham City des Inception-Regisseurs geeignet wäre. Als Tie-In könnte auch der an einem Tag von Joseph Nasto gedrehte Born Laughing funktionieren. Dieser Joker (Josh Davidson) ist fast noch grausamer, als seine filmische Inspiration.

Nicht Heath Ledger (Josh Davidson aus Born Laughing) © Joseph Nasto/DC Comics

Fan-Filme, besonders Comicverfilmungen, sind aber im Idealfall nicht nur Weiterführungen beliebter Hollywoodproduktionen, sondern auch neue Blickwinkel. Schonmal Batman gegen einen Predator kämpfen gesehen? Der legendäre Comic wäre wohl nie verfilmt worden, wenn Sandy Collora das mit Batman – Dead End nicht selbst in die Hand genommen hätte. Mit atemberaubenden Bildern und einfachen Effekten schickt er einen an die ikonenhaften Helden des Alex Ross erinnernden Batman in den Kampf gegen einen sonst Genre-fremden Feind. Auf der San Diego Comic-Con 2003 erntete er dafür unter anderem von Kevin Smith Applaus und trat ebenfalls eine Welle neuer, kleiner Batman-Filme los. Dazu gehört auch Grayson. Der fünfminütige Trailer/Kurzfilm imaginiert den Tod des Dunklen Ritters und die seelischen Qualen von Dick Grayson, der gegen den Willen der Familie und der Superheldengemeinde den Kampf gegen das Verbrechen wieder aufnimmt. Der Rhythmus des Trailers beweist das Inszenierungstalent des Regisseurs, der genau dieses mit dem Trailer beweisen wollte. Noch ambitionierter ist aber der spanischsprachige Kurzfilm Arkham Asylum, der auf der Graphic Novel Arkham Asylum – A Serious House On Serious Earth von Grant Morrison und dem mit alptraumartigen Collagen und Verwischungen arbeitenden Künstler Dave McKean basiert. Derartig surreale Bilder passen aber wohl kaum in einen Superheldenfilm für die große Leinwand, weshalb Fanproduktionen ein schöner Spielplatz für Konzepte abseits des Mainstream sind. Und Charaktere abseits des Mainstream, wie Batgirl – Spoiled beweist. Die bald kommende Webserie beleuchtet die Mitglieder der Bat-Familie (und diverse andere Nebenfiguren), die sonst nur wenig Rampenlicht bekommen. Das ist auch gut so. Schließlich gibt es auch noch andere Helden als Batman oder Superman.

Die schöne neue Amateur-Filmwelt

Batman ist der beliebteste Kandidat für Fan-Filme. Er ist relativ günstig zu inszenieren (keine Superkräfte) und jeder kann etwas mit ihm anfangen. Aber dank immer günstiger und besser werdender Kameras und Computerprogramme für den Hausgebrauch, bekommen auch andere Superhelden ihren Auftritt im Bewegt-Bild. Die Schwelle zwischen Idee und Umsetzung sinkt immer weiter und so kann sich sogar der regelmäßig die Vierte Wand durchbrechende Marvel-Söldner Deadpool seines eigenen Fan-Projektes Deadpool: A Typical Tuesday erfreuen. Auch Power Girl, die wandelnde Parodie auf übertrieben bestückte Heldinnen, durfte sich für I’m Power Girl Dammit!!! auf humoristische Weise in ihr großzügig ausgeschnittenes Spandex zwängen. Neben unzähligen Trailern für vermutlich nie passierende Verfilmungen kleinerer Superheldenserien (darunter zum Beispiel Blue Beetle; übrigens wie Power Girl und viele andere Fan-Filme von Blinky Productions produziert), bringt die Macht des Internet für so manchen Superhelden den entscheidenden Push. Power Girl und Deadpool sind zwar Internet-Lieblinge, aber darüber hinaus kaum bekannt.

Genau so sieht es auch mit Static Shock aus. Der afroamerikanische Elektro-Superheld hat seinen eigenen kleinen Fan-Kreis und einige Mitglieder dieses Kreises haben mit dem Kurzfilm Static Shock – Blackout den urbanen Helden auf interessante Weise in Bewegung gebracht. Die großen Verlage und Verleihe haben nichts gegen diese unentgeldlichen Projekte und so könnte der zweite Teil mit auf Kickstarter gecrowdfundeter Unterstützung bald auf dem Weg sein. Sandy Corrella hat unter anderem durch Batman – Dead End seinen Weg in die Filmindustrie gefunden und stellte mit Space Prey – Der Kopfgeldjäger (Hunter Prey) seinen ersten (mitelmäßig aufgenommenen) abendfüllenden Spielfilm. Auf den großen Durchbruch kommt es aber gar nicht an. Denn dank neuer Technik, Crowdfunding und loyalen Fan-Gemeinden werden Comicleser und Superheldenfreunde auch abseits von Hollywood mit hervorragender, wenn auch manchmal effektetechnisch unterdurchschnittlicher Genre-Kost versorgt.

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