Bedevilled – Mehr als ein brutaler Rachefilm

by on 01/30/2013

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© WVG Medien GmbH

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Rachefilme gibt es einige auf dem Markt, oftmals folgen sie dem gleichen Schema: Das (in den meisten Fällen normale) Leben einer Person wird durch ungewöhnliche Umstände – eigene Vergewaltigung, Missbrauch eines geliebten Menschen, Entführung, Mord – auf den Kopf gestellt und keiner kann oder will helfen. Um doch noch Gerechtigkeit zu erfahren, wird Selbstjustiz geübt. So weit, so (in)diskutabel. Bedevilled – Zeit der Vergeltung geht ähnlich vor – und doch anders. Um euch, geschätzte Leser, nicht zu verprellen, gebe ich an dieser Stelle eine SPOILER-Warnung, denn ich schildere die Story durchaus detailliert.

Nun aber zurück zur Sache: Auch in Bedevilled – Zeit der Vergeltung gibt es ein einschneidendes Erlebnis, das zum Exzess führt, aber das bringt das Fass nur zum Überlaufen, denn schon zuvor ist Bok-nams (Yeong-hie Seo) Leben alles andere als normal oder gar schön. Seit ihrer Kindheit ist sie Opfer von Übergriffen, wird drangsaliert und sexuell reduziert.

Regisseur Chul-soo Jang lässt sich Zeit, dieses Drama zu entfalten und stellt Bok-nam nicht einmal in den Mittelpunkt seiner Geschichte, sondern Hae-won (Ji Sung-Won). Die wohnt in Seoul, macht aber nach ein paar Problemen – unter anderem beobachtet sie einen gewaltsamen Übergriff auf ein Mädchen, möchte in den Fall aber nicht hineingezogen werden – erst einmal Ferien auf ihrer Heimatinsel, auf der ihre Freundin Bok-nam noch immer lebt. Bok-nam wird von den wenigen Bewohnern, ihrem Ehemann und dessen Verwandtschaft gedemütigt wo es nur geht. Stoisch erträgt sie es, ist sie doch ihrer kleinen Tochter gegenüber verantwortlich. Als der Verdacht aufkommt, dass das Mädchen missbraucht wird, will Bok-nam flüchten, wird jedoch von ihrem Mann aufgehalten und verprügelt – unter den Augen der Verwandtschaft, die dafür auch noch Verständnis aufbringen. Als durch einen Unfall Bok-nams Tochter ums Leben kommt, bricht der letzte Grund, all das Unglück auf sich zu nehmen, für die misshandelte Frau weg. Während der Kartoffelernte unter der gleißenden Sonne erkaltet Bok-nam zusehends, bis der Punkt gekommen ist, an dem sich alles Unrecht in brutaler Gewalt kanalisiert.

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Das klingt zwar bekannt, ist aber von daher besonders, da hier kein typischer Rachefilm vorliegt, sondern zum Großteil ein Drama, das ganz schön aufwühlt – und erst nach und nach preisgibt, was alles hinter dem Ausbruch steckt. Dass die Verwandtschaft wegguckt und ihr nicht beisteht, ist für Bok-nam nicht neu. Aber auch Hae-won ist, das zeigt schon ihre Flucht aus Seoul, kein Stück besser. Dass sie schon als Kind zugesehen, aber nicht eingegriffen hat, als Bok-nam zum Opfer wurde, kommt erst mit der Zeit raus.

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Chul-soo Jang reduziert die Geschichte somit nicht auf schlichte Selbstjustiz, sondern stellt Fragen, die von immensem Wert sind: Wie viel Demütigung kann ein Mensch ertragen? Wie ist es um die Zivilcourage bestellt? Wie in Rachefilmen üblich, bringt man Verständnis für die Taten der misshandelten Person auf, hier sind sie jedoch nur Teil des gedanklichen Komplexes, der dahintersteht. Dass dem Gewaltausbruch, der in einer solchen Radikalität wohl nur in einem asiatischen Film vorkommen kann, nicht der größte Teil der Laufzeit eingeräumt wird, sondern er das Finale eines jahrzehntelangen Martyriums darstellt, bestätigt diese Annahme.

Der deutsche Titelzusatz suggeriert leider mal wieder etwas Falsches, nämlich einen typischen Rachethriller. Bedevilled – Zeit der Vergeltung ist jedoch in der Hauptsache eine schockierende Studie menschlicher Gleichgültigkeit und Grausamkeit, die nicht weniger beinhaltet als die Aufforderung, die Augen nicht zu verschließen und Courage zu zeigen. Dass die gewählte Form mit seiner zur Schau gestellten Härte nicht jedermanns Sache ist, sollte vorher aber stets bedacht werden. Bedevilled – Zeit der Vergeltung ist kein Film, der aus allen Richtungen Applaus erntet, dafür ist er letztlich doch zu kontrovers.

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