Berlinale Panorama 2016: Don’t Blink – Robert Frank

by on 02/14/2016

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Im Interview mit einer Koryphäe der Straßenfotografie. Das ist die Gelegenheit! Endlich alle Fragen stellen, die auf der Zunge brennen; zu Technik, Philosophie, Ethik. Also, Robert Frank, was ist bei der Fotografie das Wichtigste? „Sharp, number one. The eyes.“ Und dann: „I hate these fucking interviews.“ Robert Frank ist eine etwas komplizierte Persönlichkeit, daraus macht Laura Israel in ihrem Filmportrait Don’t Blink – Robert Frank keinen Hehl. So divenhaft er aber ist – mitten im Gespräch verlässt er schon mal den Frame („I hate to be pinned in front of a camera. I do that to people.“) – so faszinierend ist er aber auch.

Der gebürtige Zürcher hatte das erste Foto seines Lebens von der Kirche in seiner Nachbarschaft geschossen und ein Retuscheur aus seinem Haus erteilte ihm die grundlegenden Lektionen in Sachen Fotografie. Als junger Mann zog Frank schließlich Ende der 1940er Jahre nach New York, arbeitete für Harper’s Bazaar, später folgen die ersten Fotobücher, Reisen, eine Zusammenarbeit mit Walker Evans, die Beat-Poeten, eigene Filme. Heute ist es vor allem sein monumentaler Bildband Die Amerikaner, der Robert Franks ganz eigenen Stil begründete und ihn zu einem der wichtigsten Fotografen des 20. Jahrhunderts macht.

© Lisa Rinzler

© Lisa Rinzler

Don’t Blink – Robert Frank bildet aber keine Chronologie, eher eine lose Fragmentsammlung. Manchmal ist Frank in alten Video-Aufnahmen zu sehen, mal beugt er sich heute vor Israels Kamera über alte Negativbögen und erzählt, was ihm dazu in den Sinn kommt. Einmal ist eine Collage aus hochkant aufgenommenen Bildern eines Strandes zu sehen, die der Künstler so aneinandergereiht hat, dass sie gemeinsam das breite Panorama der Küste ergeben. Zu diesem Zeitpunkt wirkt das so entstehende Foto wie eine Allegorie auf das Gestaltungsprinzip des Films. Es mag unmöglich sein, alle Facetten eines Mannes wie Robert Frank zu zeigen. Eine möglichst dichte Montage von Fragmenten kann aber trotzdem eines rundes Bild ergeben. Oder zumindest die Anmutung davon.

So entsteht der Eindruck eines Mannes, der vor allem deswegen seine Umwelt so treffend abzubilden vermag, weil er selbst sich seines eigenen Tuns ganz und gar nicht sicher ist. Er liebt und lebt New York, zieht aber als Kontrastprogramm mit seiner Frau in ein abgelegenes Cottage an der Küste. Zitiert auf die Frage nach seiner Arbeitsmoral im einen seufzenden Atemzug Allen Ginsberg („It’s better to do something than to do nothing.“) und hebt im nächsten Moment wieder die Kamera zum Auslösen irgendwo rechts oben über den Kopf, weil er mit dem Arbeiten eben einfach nicht aufhören kann. Wirkt so zielsicher und schaut dabei fast nie durch den Sucher. Ist im kulturellen Gedächtnis eingeschrieben als Fotograf und bezeichnet seine Aufnahmen doch mit leicht verächtlichem Unterton als Erinnerungen zum Wegwerfen. Ein Film hingegen, der würde auch Jahre später noch leben, das sei das Schöne. Don’t Blink – Robert Frank setzt ihm ein lebendiges Denkmal.

Don’t Blink – Robert Frank auf der offiziellen Berlinale-Website

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