Brazzaville Teen-ager – Michael Cera als Regisseur

by on 04/25/2013

Bei dem Namen Michael Cera denke ich zu allererst an den trottelig aber liebenswert daherkommenden jungen Vater Paulie Bleeker, der in der herausragenden Coming-of-Age-Komödie Juno von Jason Reitman und Diablo Cody gemeinsam mit Ellen Paige auf einer Gartenmauer sitzt und mit wackeliger Stimme singt: „Anyone else but you…“ Aber Juno ist sechs Jahre her und Michael Cera hat seither in einer ganzen Reihe von Filmen den liebenswerten Trottel gegeben. Ihn allerdings auch im wahren Leben als Solchen abzuschreiben, wird dem gebürtigen Kanadier wohl nicht ganz gerecht.

Schon vor einiger Zeit kündigte der Youtube-Comedy-Channel JASH in einem Teaser-Trailer an, was vorgestern schließlich veröffentlicht wurde und sogleich durch die einschlägige Presse ging: Michael Cera debütiert als Regisseur. Für einen knapp zwanzigminütigen Kurzfilm adaptierte er die 1966er Kurzgeschichte Brazzaville Teen-ager des Schriftstellers Bruce Jay Friedman. Darin geht es um einen Jugendlichen, der die Kommunikation mit seinem schwer kranken Vater verbessern will. Täte er etwas ungeheuer Peinliches, so glaubt er, würde ihm die Kontaktaufnahme viel leichter fallen. Die hilflose Hauptrolle in Brazzaville Teen-ager übernahm, wer würde sonst auch besser passen, der Regisseur höchst selbst. Den alternden Vater gibt Charles Grodin, dazu gesellen sich Jack O’Connell und merkwürdigerweise die R’n’B-Sängerin Kelis.

© JASH

© JASH

Merkwürdig ist aber auch ein gutes Stichwort, denn als Regisseur wie als Darsteller scheint Michael Cera der King of Awkwardness zu sein. Und das meine ich gar nicht negativ, obwohl der Film in Sachen Figurenzeichnung wirklich alles andere als überrascht. Sein Protagonist scheint überfordert, ein wenig tapsig und fordert einen geradezu heraus, ihn in den Arm zu nehmen. Egal ob am Krankenbett seines Vaters, von Kopf bis Fuß im Businessoutfit im Großraumbüro, im Zwiegespräch mit seinem dominanten Chef oder inmitten wahnsinnig hipper Menschen im Tonstudio, er wirkt immer ein wenig fehl am Platz – nur um die sich ihm stellenden Herausforderungen letztlich doch irgendwie zu meistern.

Dazu passt auch die Inszenierung. Brazzaville Teen-ager ist die überschwängliche Verspieltheit eines Erstlingswerkes anzumerken. Michael Cera spielt mit Zeitlupen, mit Jump-Cuts und Soundeffekten, um Szenen kreativ ineinander übergehen zu lassen oder das Innenleben seiner Figuren zu zeigen. Und dann, wenn damit am allerwenigsten zu rechnen ist, bricht er mit sämtlichen Erwartungen.

Vor ein paar Jahren habe ich mich mit Freunden zusammengetan, um völlig aus dem Blauen heraus einen Kurzfilm zu drehen. Was waren wir stolz auf unser Werk – und was wollten wir alles am liebsten komplett neu drehen, als wir uns zwei, drei Jahre später weiterentwickelt hatten. Kaum etwas ist spannender, als einem jungen Künstler bei der Arbeit zuzusehen. Wie er sich in einem neuen Medium ausprobiert, Ideen gebiert und wieder verwirft, einen Schritt nach dem anderen geht. Ob Michael Cera Ambitionen hegt, weiter in Eigenregie Filme zu drehen, das weiß wohl niemand so genau, vielleicht nicht einmal er selbst. Sollte er es aber tun: ich bin auf jeden Fall dabei.

Und hier ist es nun, das Erstlingswerk von Michael Cera:

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