Breaking Dawn – Biss zum Ende der Nacht (Teil 2)

by on 11/17/2012

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© Concorde

Den Preis für den umständlichsten Filmtitel hat Breaking Dawn – Biss zum Ende der Nacht (Teil 2) in meinen Augen schon sicher. Ob es sich bei dem letzten Teil des Franchises um einen guten Film handelt, ist eine nicht ganz so einfach zu beantwortende Frage. Es bringt jedoch nichts, hier über die generelle Daseinsberechtigung von Twilight zu diskutieren. Wer Antipathien gegen glitzernde Vampire hegt, dem wird natürlich auch Breaking Dawn 2 (ich spare mir jetzt mal den Endlostitel) keinen großen Spaß machen. Ich bin jedoch überzeugt, Fans werden hierin – wie ich im Übrigen auch – das würdige Ende der liebgewonnenen Reihe finden.

Es soll ja Menschen geben, die die Romane von Stephenie Meyer nicht gelesen haben und demnach auch nicht wissen, was im letzten Teil passiert. Daher noch einmal in Kürze die Handlung von Breaking Dawn 2. Nachdem sich Bella (Kristen Stewart) vom schüchternen, menschlichen Underdog zur makellosen Vampirfrau gemausert hat, steht dem Familienglück mit Gatte Edward Cullen (Robert Pattinson) nichts mehr im Wege. Gut, es ist selbst für Bella etwas merkwürdig, dass sich ihr bester Freund und Werwolf Jacob (Taylor Lautner) ausgerechnet in ihre Tochter Renesmee verliebt hat, obwohl diese noch ein Baby ist. Aber gegen eine solche „Prägung“, wie sie die Werwölfe nennen, kann eben auch die nun bärenstarke Bella nichts ausrichten. Von den innerfamiliären Komplikationen abgesehen, geht es der frisch gebackenen Vampirin mit ihrem neuen Leben jedoch ausgezeichnet. Bis die Volturi, die italienische Vampirpolizei, von Renesmee Wind bekommen und sie für einen Kindervampir halten. Das Verwandeln von Kindern jedoch ist strengstens untersagt, weshalb der gesamten Cullen-Familie nun die Todesstrafe droht. Wie können sie die übermächtigen Volturi aufhalten?

Ok, ich gebe zu, wenn ich mir meine Inhaltsangabe durchlese, finde ich das Ganze auch ein bisschen lächerlich. Und so ging es auch einigen Journalisten im Publikum, die sich an manchen Stellen das Lachen einfach nicht verkneifen konnten. Ja, ich gebe zu, als sich Taylor Lautner bierernst nach nur 15 Minuten Laufzeit seiner Kleidung entledigte und sich uns an dieser Stelle eine nahezu homoerotische Szene mit Bellas Vater (Billy Burke) darbot, konnte auch ich mir ein Kichern nicht verkneifen. Leider schafft es auch der letzte und erneut von Bill Condon verfilmte Teil einfach nicht, eine gesunde Selbstironie zu entwickeln. Und so kann ich es durchaus nachvollziehen, dass Außenstehende – also Leute, die sich der Magie des Twilight-Franchises nicht öffnen können – nur mit Belustigung auf die teilweise doch sehr platt geratenen Figuren reagieren können. Familie Cullen versammelt ihre Vampirfreunde aus der ganzen Welt, um zu Gunsten Renesmees vor den Volturi auszusagen. Sie kommen aus dem Amazonasgebiet (natürlich halbnackt und mit Lendenschurz), sie kommen aus Indien (wo sie orientalische Paläste bewohnen) oder aus Russland. Die Russen, so ist das halt in Amerika, sind natürlich die Bösen, die nur auf Gewalt und Konfrontation aus sind. Ein Klischee reiht sich ans nächste und macht es dem Publikum zugegebener Maßen schwer, die Geschichte auf der Leinwand ernst zu nehmen. Auf der anderen Seite handelt es sich bei Twilight weder um die Verfilmung eines Klassikers aus dem vorletzten Jahrhundert noch um durchdachte Science Fiction. Twilight ist ein Märchen und auf Breaking Dawn 2 trifft dies ganz besonders zu. Und deshalb ist es im Rahmen des Konzepts auch mehr als legitim, dass wir in den Nebenrollen Typen statt Charakteren präsentiert bekommen.

Auch wenn ich die Entscheidung, Breaking Dawn in zwei Teilen zu verfilmen, zunächst für reine Geldmacherei hielt, hat mich der aktuelle Film von den Vorteilen dieser Vorgehensweise überzeugt. Breaking Dawn 2 verfügt über eine absolut unabhängige, sehr gut funktionierende Storyline, die ausreichend Spannung aufbaut, um das Publikum souverän durch den mal wieder überlangen Film zu geleiten. Das Highlight bildet natürlich die finale Konfrontation zwischen Familie Cullen und den Volturi, die solchen Fans, die die Romanvorlage nicht kennen, vorübergehend Tränen der Fassungslosigkeit in die Augen treiben wird. Selbst ich, die ich das Buch – wenn auch bereits vor einigen Jahren – gelesen habe, ließ mich an dieser Stelle emotional mitreißen.

Während in den ersten Teilen, Breaking Dawn 1 mitinbegriffen, die Liebe zwischen Bella und Edward im Mittelpunkt stand, wird das Franchise mit seinem Finale ein wenig erwachsen und betrachtet diesmal neben der romantischen auch die familiäre Liebe zwischen Mutter und Kind. Darüber hinaus sah ich einen pädagogischen Fokus auf der Emanzipation Bellas von ihrem Vater nach dem Motto: „Du musst nicht alles über mein Leben wissen.“ Ein Satz, wie wir ihn alle schon einmal zu  unseren Eltern gesagt haben. Bella entscheidet sich, selbst zu bestimmen, wie stark ihr Vater an ihrem neuen Leben teilhaben darf, ohne die Bindung zwischen ihnen jedoch jemals in Frage zu stellen.

Positiv zu erwähnen ist zudem der Soundtrack. Den Ärger der Green Day Fans darüber, dass die Band ausgerechnet Musik zur Teeny-Schmonzette des Jahrhunderts beitragen musste, konnte ich von Beginn an nicht so recht nachvollziehen. Die Twilight-Soundtracks waren schon immer mit überraschend guter Musik gespickt. Das fällt mir persönlich aber nicht während des Films auf, sondern erst wenn ich mir danach Song für Song aufmerksam anhöre. Diesmal war das jedoch ein wenig anders. Denn schon während des geradezu epischen Intros schaffte es der Score, mich sofort in den Bann des Films zu ziehen. Wie in einer Opern-Ouvertüre tauchten die verschiedenen musikalischen Motive der vorhergegangenen Filme wieder auf, gingen ineinander über, entwickelten neue Klänge und erschufen umgehend die notwendige Grundstimmung für den folgenden Film. Großartig! So muss Filmmusik sein.

Weniger großartig fand ich – wie immer – die CGI. Die Wölfe sahen noch nie besonders echt aus, wenn die Vampire durch den Wald rasen, wirkt das auch diesmal unfreiwillig komisch und das Glitzern Edwards in der Sonne… Nein, gute Special Effects sehen einfach anders aus. Aber wir haben uns daran gewöhnt und irgendwie ist diese halbgare CGI schon fast Teil der Twilight-Ästhetik geworden. Dass Bellas Baby Renesmee nun auch per CGI animiert wurde, störte mich dann doch erheblich. So niedlich sie auch aussieht, so sehr leidet die Authentizität der Mutter-Kind-Beziehung darunter, dass Kristen Stewart kein echtes Baby im Arm hält. Die Szene, in der Bella ihre Kleine zum ersten Mal hält, hat mich zwar berührt, dennoch meine ich, dass der Film hier einiges an emotionalem Potential eingebüßt hat. Schade.

Wie man es auch dreht und wendet, Breaking Dawn 2 bleibt ein Film für die Fans und wird keinen Twilight-Hasser hinter dem Ofen vorlocken. Für diejenigen aber, die die Figuren durch die Lektüre und/oder das wiederholte Anschauen der Filme liebgewonnen haben, stellt Breaking Dawn 2 einen wahrhaft gelungenen Abschluss und wehmütigen Abschied dar. Das Ende bietet einen kleinen, romantisch-rührseligen Rückblick auf die Lovestory zwischen Bella und Edward und rundet so die Geschichte ab. Der Abspann schließlich würdigt nicht nur die Schauspieler des letzten Films, sondern präsentiert noch einmal alle zentralen Charaktere und Darsteller und erinnert somit die Fans gleichzeitig an die zurückliegenden Abenteuer, die sie gemeinsam mit ihren Helden erlebt haben. Was manch einem unangenehm pathetisch erscheinen mag, ist der konsequente Abschluss eines in der Tat pathetischen, aber ach so romantischen Franchises.

KINOSTART: 22. November 2012

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