Bronzene Sieger – Die Filmosophen bei Fang den Film

by on 11/27/2013

Wir waren mal wieder als Team unterwegs in der Berlin Film-Szene, im weitesten Sinne zumindest. Diesmal haben wir nämlich weder ein Festival, noch eine andere Veranstaltungsreihe besucht, sondern ein Kneipen-Quiz. Das Filmcafé in Prenzlauer Berg veranstaltet alle zwei Monate das Fang den Film Filmquiz. Nach anfänglicher Skepsis, ob wir uns wirklich durch unseren Teamnamen als Filmosophen outen und somit im Falle einer Niederlage gänzlich blamieren sollten, konnten wir uns relativ schnell auf dem dritten Rang platzieren, den wir bis zur letzten Runde verteidigten. Gegen die Sieger, ein Team, das zum Teil aus Moviepiloten bestand, und die Zweitplatzierten, eine Gruppe von zumindest flüchtig bekannten Kritikerkollegen, hatten wir dann aber doch keine Chance. Macht aber nichts. Wir sind stolz auf unsere Leistung! Vor allem aber auf den Teamgeist, denn nur durch unser gesammeltes Filmwissen wurde die Bronze-Medaille möglich. Was jeder einzelne zu diesem großen Sieg beigetragen hat und wie wir das Filmquiz allgemein bewerten, folgt nun in altbewährter Weise!

© Paramount

© Paramount

filmosophie: Ich habe als Teamleiterin vollkommen versagt. Mit Sprüchen wie „Es kommt bestimmt eine Kategorie, mit der wir uns nicht auskennen“ konnte ich wahrlich niemanden motivieren. Vermutlich saß mir die letzte Niederlage noch in den Knochen. Vor etwa zwei Jahren habe ich das letzte mal bei Fang den Film mitgemacht und bin mit meinem damaligen Team kläglich gescheitert. Aber es liegt nicht nur an unserer tollen Truppe, dass es diesmal anders gelaufen ist. Auch das Quiz hat sich, so meine ich, verändert. Empfand ich die Fragen beim letzten Mal noch als sehr speziell, gelang dem Quiz-Team diesmal eine gute Mischung aus einfachen und anspruchsvollen Fragen. Für viele Teams war es trotzdem zu schwer. Eines gab sogar nach der zweiten Runde auf. Sehr verständlich, schließlich kann man als „normaler“ Filmfan kaum mit den Teams konkurrieren, die sich hauptberuflich mit dem Medium beschäftigen. So bleibt das Fang den Film Filmquiz in meinen Augen eine Veranstaltung für ein recht begrenztes Publikum. Das ist schade, aber von Seiten der Organisatoren schwer zu beeinflussen. Ein einfacheres Quiz würde schließlich wiederum die „Profis“ zu Tode langweilen.

Mein Highlight: Als ich das Schlaflied aus War of the Worlds erkannte. Ein Glück habe ich den Film für meine Magisterarbeit mehrfach angeschaut!

© Studiocanal

© Studiocanal

cutrin: Für mich war es die erste Teilnahme an Fang den Film und zugegebenermaßen war ich schon ziemlich skeptisch: auf das Interesse für den Film bin ich erst verhältnismäßig spät gestoßen und so habe ich besonders im Bereich der populären Streifen aus den Achtzigern und Neunzigern wahnsinnig viele schändliche Lücken aufzuweisen. Das rächte sich wie erwartet auch prompt bei Runde Zwei, in der es um Weihnachtsfilme ging – ohnehin nicht mein Ding. In dieser Runde hab ich wohl am allerschlimmsten versagt und war heilfroh, nicht als Einzelperson, sondern in einem perfekt ausgewogenen Team teilnehmen zu können. Wie filmosophie schon andeutete, sie in die Organisatoren hinter Fang den Film aber glücklicherweise ausgezeichnet darin, ihr Quiz sehr bunt zusammenzustellen und so musste ich mich dann doch nicht bei jeder Frage ganz blöd fühlen. Das war vielleicht mein erstes Filmquiz – dafür aber garantiert nicht mein Letztes.

Mein Highlight: Als ich den zweiten Filmstill aus Michel Gondrys Der Schaum der Tage erkannte. Wobei ich mich im Nachhinein schon fast wieder geschämt habe, dass mir nicht schon beim Ersten ein Licht aufgegangen ist. Bei so einem genialen Film!

© Disney

© Disney

dennis: Auch für mich war es die erste Teilnahme an einem Film-Quiz. Selbst wenn meine Familie und meine Freunde immer wieder überrascht sind, wenn ich mit meinem Filmwissen glänze und die Antworten wie aus der Pistole geschossen kommen, muss ich sagen, dass ein Quiz eine vollkommen andere Situation ist. Schon aus dem Grund, weil um einen herum ebenfalls filmverliebte Personen mit ihrem geballten Filmwissen sitzen und der Erfolgsdruck möglichst schnell und gut die Antwort zu finden dadurch einfach größer ist.
Das was mich jedoch am meisten verwundert hat, war die Tatsache, dass ich bei aktuellen Filmen nicht so auf dem Laufenden war wie ich gedacht hätte. Zwar befasse ich mich als Kritiker und eifriger Kinogänger irgendwie jeden Tag mit aktuellen Filmen, jedoch scheint da der ein oder andere doch noch unterzugehen.
Was in dieser Folge von Fang den Film meiner Meinung nach leider zu kurz kam, waren die richtigen Filmklassiker wie z.B. Casablanca. Zwar wurden auch passend zur Saison Fragen zum Weihnachtsklassiker It’s a Wonderful Life gestellt, jedoch wäre es interessant gewesen mehr Klassiker in den Quizfragen zu haben. Es wäre dahingehend spannend zu beobachten, wie wir als Kritiker mit der Filmgeschichte bewandert sind, gerade weil wir uns immer wieder nur mit aktuellen Filmen befassen und die Klassiker oft nur als Verweis zitieren.

Mein Highlight: Neben der Weihnachtsfilm-Raterunde, war mein Highlight wohl der Film A Christmas Carol von Robert Zemeckis. Auch wenn ich ihn eigentlich nie gesehen habe, habe ich die Auszüge aus der Textkritik zum Film sofort erkannt.

© Twentieth Century Fox

© Twentieth Century Fox

ben: Im Vorfeld rechnete ich meinem bzw. unserem Filmwissen wenig Chancen und Freude ein, weil mir erzählt wurde, dass das Fang den Film Filmquiz sehr spezielles und unpopuläres Wissen erfordert. Ich glaube zum Beispiel, dass ich keinen einzigen Film mit Jean-Paul Belmondo gesehen habe und definitiv nicht in der Lage wäre, Filmmusik und Komponisten zu erraten. Ich schätze, jeder hat seine Steckenpferden und seine blinden Flecken. Umso erfreulicher fand ich, dass die Auswahl des erfragten Wissens eine bunte Mischung aus teils bekannten und teils weniger bekannten Filmen beinhaltete und somit – zumindest bei mir – nicht das Gefühl völliger Deplatzierung auftrat. Vielmehr war das gemeinsame Erraten im Team eine große Freude, denn zum einen waren wir in der Lage, blinde Flecken zu verkleinern und zum anderen konnten wir uns mit bruchstückhaftem Wissen gemeinsam richtige Antworten erschließen. Am besten fand ich die wechselnden Kategorien, die kaum Platz für Langeweile boten. Audio-Kommentare zuordnen, Filme in Filmzusammenschnitten erkennen oder anhand vorgetragener Drehbuchszenen erraten versuche ich in meiner Freizeit eher selten. Sicher ist es schwierig, ein Film-Quiz zu konzipieren, das sowohl die absoluten Nerds als auch den Laien gleichermaßen anspricht und fordert. Im Prinzip ist das wohl unmöglich. Die Mischung an diesem Abend war meiner Meinung nach sehr gut. Demzufolge kann ich dieses Event auch bedenkenlos jedem empfehlen, der gerne Filme schaut und Spaß am Raten hat, ganz gleich ob Nerd oder Laie. Im Vordergrund sollte dann natürlich der Spaß und das gemeinsame Quizzen sein und nicht der Wille, Moviepiloten und Kritiker zu übertrumpfen.

Mein Highlight: Bei der Schätzfrage, wie viele Langfilme Woody Allen bisher insgesamt gemacht hat, mich nach intensiver Beratung mit dem Team mit der Antwort 42 um nur einen Film verschätzt zu haben.

© Fox Deutschland

© Fox Deutschland

patrick: Als Veranstalter und „Quizmaster“ habe ich natürlich einen ganz anderen Blick auf die Veranstaltung als meine Kollegen. Zu erst muss gesagt werden, dass ich mich unheimlich gefreut habe, dass es dieses mal so schön voll war im Filmcafé. Das war nicht immer so und ist ein gutes Zeichen, dass die Arbeit doch belohnt wird. Und natürlich freute es mich besonders, dass die Filmosophen ein Team gestellt und dann auch noch so gut abgeschnitten haben. Ich bin noch nicht lange beim Quiz-Team dabei und sauge alle Kritik auf, um das Quiz stetig zu verbessern. Ich versuche unsere Überlegungen hier mal ein wenig transparent zu gestalten.

Die Frage nach der Schwierigkeit von Fang den Film ist immer die erste, die man beantworten muss. Natürlich ist das Quiz für manche zu schwer, aber wenn man es einfacher machen würde, für viele andere nicht mehr reizvoll. In meinen Augen ist das ein sehr schwerer Spagat, den wir hier versuchen zu meistern. Wie filmosophie schon angesprochen hatte, hat das letztplatzierte Team am Ende nicht mehr mitgemacht. Von anderen Quizzern hatten wir aber gehört, dass dieses Team öfters kommt. Einfach, weil sie bei uns teilweise Filme entdecken (in den Clips etc.), die sie kurze Zeit später gucken. Das ist natürlich ein guter Punkt. Das Quiz soll nicht nur Spaß machen, sondern soll auch Anregen, sich noch weiter mit Film zu beschäftigen. Wir haben daher meistens immer Filme dabei, die relativ unbekannt sind oder die wir als Geheimtipp ansehen. Dieses mal zum Beispiel Waking Life von Richard Linklater.

Auch Klassiker versuchen wir immer unterzubringen, auch wenn dennis wohl gerne noch ein paar mehr gehabt hätte. Das aber ist wieder eine Frage der Schwierigkeit. Nach unserer Erfahrung sind die Klassiker bei den meisten Teams nicht so bekannt, leider. Ohne Klassiker wird es das Filmquiz nie geben, das verspreche ich, doch übertreiben können wir es auch nicht. Außerdem hängt das auch immer von den Kategorien ab. Die Fragen zu It’s a wonderful Life wurden leider nicht sehr positiv beantwortet. Der Name Mr. Potter (Wir fragten nach dem Bösewicht des Films) war fast keinem Team ein Begriff. Ich für meinen Teil habe enormen Spaß an der Konzipierung des Quiz und könnte schon wieder für die nächste Runde anfangen.

Solange wir so tolles und (ich glaube auch) ehrliches Feedback bekommen wie hier, sind wir glücklich und sehen uns in unserer Arbeit bestätigt. Ich kann nur jedem empfehlen unser Quiz mal auszuprobieren, egal wie viel Filmwissen man hat. Entweder man entdeckt Filme oder sein ungeahntes Wissen über diese. Hauptsache man hat Spaß, denn ganz am Ende steht das immer im Vordergrund.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Kommentare werden moderiert. Es kann etwas dauern, bis dein Kommentar angezeigt wird.