Burning Bright – Tödlicher Tiger-Terror

by on 12/18/2012

© Sony Pictures Home Entertainment

Beim Wort „Tierhorror“ fallen manche Menschen vor lauter Schreck aus dem Sulky. Nicht, weil sie sich schon bei der Vorstellung an fiese Viecher übermäßig gruseln, sondern weil dieses Genre durch zahlreiche miese Vertreter in Verruf gebracht wurde und bei einigen Leuten Qualitätsmangelübelkeit auslöst. Es gibt Fernsehsender – hust… Syfy… hust –, die bestreiten einen erheblichen Teil ihres Programms mit eigenproduzierten Tier- und Monsterheulern, die so dermaßen schlecht sind, dass es schon an schwerer Körperverletzung grenzt. Die kaum zu überschauende Masse an peinlichen Produktionen hat jedoch auch einen Vorteil: Die ordentlichen Filme dieses Genre wirken gleich noch einmal viel besser. Burning Bright – Tödliche Gefahr hätte eine solche künstliche Aufwertung jedoch gar nicht nötig, denn mit geringen Mitteln wurde hier ein spannender Tierhorror gedreht, der zum besten gehört, was in den letzten Jahren in diesem Bereich rausgekommen ist.

In Burning Bright – Tödliche Gefahr steht kein Pferd auf dem Flur, sondern ein Tiger. Nicht erst seit dem tragischen Vorfall vor ein paar Monaten im Kölner Zoo ist klar, dass die Großkatze alles andere als ein Kuscheltier ist. Und dass dieses Tier für einen Film taugt, beweist derzeit Life of Pi – Schiffbruch mit Tiger. Die Basis für einen spannenden Tierhorror ist also da, denn neben dem gefährlichen Räuber gibt es noch zwei ganz und gar unschuldige bedrohte Menschen und einen begrenzten Raum, in dem sich alles abspielt. Genauer gesagt befinden sich die junge, attraktive Kelly (Briana Evigan) und ihr kleiner autistischer Bruder Tom (Charlie Tahan) in einem Haus in der Einöde in Gefahr, denn draußen tobt ein Hurrikan und drinnen der bereits erwähnte hungrige Tiger, der von Stiefvater Johnny (Garret Dillahunt) für seine geplante Safari-Ranch angeschafft wurde. Zusammengefasst lässt sich also folgende Ausgangsbasis festhalten: Süße Maus, behinderter Junge, mörderische Raubkatze. Klingt lahm, verbraucht und überhaupt nicht spannend? Von wegen! Burning Bright – Tödliche Gefahr gelingt es auf überraschend gute Weise, die bedrohliche Situation zu transportieren und den Zuschauer zu fesseln.

© Sony Pictures Home Entertainment

Burning Bright – Tödliche Gefahr hat dennoch einige Probleme:

Erstens: Es ist Tierhorror, und jeder Tierhorror muss sich automatisch mit Der Weiße Hai messen, auch wenn es sich bei den Angreifern um Tiger, Affen oder extrem fiese Erdmännchen handelt. Spielbergs Klassiker ist in diesem Subgenre so etwas wie der Stein der Weisen. Natürlich ist es blödsinnig, Tierhorror zu pauschalisieren, weshalb ich damit auch gar nicht anfange. Nur eines wird deutlich: Tierhorror lebt nicht von seiner Storytiefe. Das tat allerdings auch Der Weiße Hai nicht, weshalb dieser Kritikpunkt ob des Präzedenzstatus des Kultfilms aus den 70ern auch bei nachfolgenden Werken kaum Anwendung finden dürfte.

Zweitens: Logik. Daran hapert es ab und zu. Nur darf man nicht vergessen, dass Menschen zwar die Fähigkeit des logischen Denkens besitzen, diese aber nur in sehr begrenztem Maße einsetzen. Wenn Filmcharaktere mal nicht logisch handeln, ist das also nicht unrealistisch, sondern vielmehr wirklichkeitsnah. Die einzige Frage ist, wie weit die Unlogik getrieben werden darf…

Drittens: Gegen amerikanische Türen muss gar kein Tiger geworfen werden, um sie aufzubrechen, es würde wahrscheinlich schon eine Hauskatze genügen. Und scheinbar springt kein US-Fahrzeug an, wenn der Zündschlüssel umgedreht wird. Das sind abgeranzte Klischees, die zu vermeiden gewesen werden.

© Sony Pictures Home Entertainment

Trotzdem ist Burning Bright – Tödliche Gefahr ein gelungener Genrefilm, der zeitweise richtig schön unheimlich ist. Ich hätte ja nicht geglaubt, dass ein Tiger für ein solches Kribbeln sorgen kann, denn normalerweise assoziiere ich mit diesem Tier Schönheit und Geschmeidigkeit, keineswegs jedoch Angst, schließlich kenne ich Tiger nur aus dem Fernsehen und aus Zoos. Es ist den Machern des Films unter Leitung des Regisseurs Carlos Brooks zu verdanken, dass trotz einer eigentlich entspannten Ausgangslage eine gruselige Atmosphäre entsteht. Und wie viel mehr will man von einem Tierhorror schon bekommen?

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