Casa de mi Padre – Western, Komödie, was nun?

by on 03/22/2014

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© Ascot Elite

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Ich finde, eine der besten Comedyformen ist die „straight face“-Comedy. Das, was Leslie Nielsen so beherrscht hat. Das hat etwas Surreales und Witziges, wenn die merkwürdigsten und dümmsten Dinge passieren und dennoch die Figuren reagieren, als wäre alles ganz normal. Ein bisschen wie bei Luis Buñuel. Will Ferrell macht so etwas auch in dem Punkt, dass seine Figuren meistens Idioten irgendeiner Prägung sind, demgegenüber aber vollkommene Ignoranz zeigen. Sehr schön wieder exemplifiziert in Anchorman 2, geht Casa de mi Padre von Matt Piedmont einen leicht anderen Weg. Und es ist gar nicht so leicht, den zu beschreiben.

In Casa de mi Padre geht es um Armando Álvarez (Will Ferrell), den einfältigen Sohn eines mexikanischen Farmbesitzers. Als sein lange fort gewesener Bruder und Mustersohn Raúl (Diego Luna) und dessen hübsche Verlobte Sonia (Génesis Rodríguez) auftauchen, wird sein Leben aufgewirbelt. Nicht nur will Sonia eine Beziehung zu ihm anfangen. Auch Raúls Drogendealerhintergrund bringt Probleme mit sich, als der Drogenboss Onza (Gael García Bernal) sein Territorium markieren will. Armando muss sich entscheiden, ob er ein einfacher Ranchero bleiben möchte, fern jeder Gewalt und Politik, oder zu einem Helden wird.

Vermutlich könnte das die Grundlage für einen Action-Western der alten Schule sein. Wenn aber Will Ferrell die Hauptrolle als ur-mexikanischer Ranchero ausfüllt, ist das natürlich etwas ganz anderes. Der Film soll eine Persiflage der überdramatischen, mexikanischen Seifenopern und Western sein. Und genau das ist er auch, wenn Will Ferrell und seine Ranchero-Kumpels in der nächtlichen Wüste ein Lied über ihre Dummheit singen und schockierende Enthüllungen nur mit einer abrupten Körperdrehung zur Kamera stattfinden können.

Was sich in der Beschreibung hier aber nach Übertreibung anhört, ist im eigentlichen Film gar nicht so offensichtlich. Einige Punkte sind offensichtlich komödiantisch gedacht, aber vieles andere könnte in den richtigen Augen genauso gut ernst wirken. Eben, weil der Film sein Quellenmaterial so gut persifliert.

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Und das mit viel Liebe zum Detail. Der Witz kommt in Casa de mi Padre fast ausschließlich von der Situation. Will Ferrell spricht überernst spanisch. Das ist witzig. Raul kann nicht mal in einer Schießerei oder beim Treueschwur von Drink und Zigaretten lassen. Auch das ist witzig, denn all das ist so gut in die Filmwelt integriert, dass es gleichzeitig auffällt und nicht auffällt. Nicht einmal der Armando eine Offenbarung bringende, weiße Puppentiger wirkt fehl am Platze, obwohl er es auf einer anderen Ebene ganz offensichtlich doch ist. Und auch der in meinen Ohren immer noch nachklingende Ranchero-Song „Yo No Se“ ist genauso lächerlich, wie er ernst genommen werden kann.

Casa de mi Padre überspitzt das manchmal, wenn ganze Wüstensets offensichtlich Studiosets sind oder Schnittfehler passieren. Gerade in solchen Momenten habe ich mich gefragt, wie das gemeint ist. Während der Witz bei allem anderen durch die Situation hergestellt wird, in der der Film konsumiert wird, sind die Schnittfehler weniger Witz als simple Anspielung auf ein Genre.

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Aber wahrscheinlich sollte ich auch mehr Ranchero sein und nicht soviel darüber nachdenken. Während es mich beeindruckt hat, wie tief der Humor in Casa de mi Padre vergraben ist, halte ich genau das aber auch für einen Stolperstein. Der Film spielt mit seiner eigenen Doppelcodierung so stark, dass er manchmal gar nicht mehr Komödie ist. Dann ist er nur noch ein alt wirkender, überdramatisierter Western und an diesen Stellen habe ich mich durchaus gelangweilt. Nichts ist perfekt. Mehr als viele andere Komödien wird Casa de mi Padre die Gemüter spalten. Der Witz ist hier fast zu 100% vom Blickwinkel des Zuschauers abhängig und nicht jeder wird den Humor so verstehen, wie er vermutlich gedacht ist. Für mich war Casa de mi Padre aber genau richtig und schlug in eine Kerbe, in die bei mir ruhig öfter geschlagen werden könnte.

P.S.: Ich kann nicht verstehen, wieso es eine deutsche Synchronfassung gibt. Nicht einmal die U.S.-Amerikaner, die sonst nichts mit Untertiteln anfangen können, brauchten das. In jedem Fall sollte der Film in der Originalfassung mit Untertiteln angeschaut werden.

Verkaufsstart: bereits erschienen

Noch ein bisschen mehr Will Ferrell:

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