Christian Petzolds Barbara geht ins Oscar-Rennen

by on 08/31/2012

© Piffl Medien

Es ist mal wieder so weit. Die Oscars werden zwar erst am 24. Februar verliehen, aber schon jetzt steht der begehrte Filmpreis im Zentrum der Aufmerksamkeit. Wie unter anderem /Film berichtete wurden beispielsweise die Regeln für die Kategorie „Best Original Song“ geändert, nachdem in diesem Jahr nur zwei Lieder um die Auszeichnung konkurriert hatten. Viel interessanter für uns ist aber die Entscheidung bezüglich des deutschen Kandidaten für die Kategorie „Bester fremdsprachiger Film“. Christian Petzold, der auf der diesjährigen Berlinale den Silbernen Bären für seine Regiearbeit mitnehmen durfte, geht mit seinem dort prämierten Werk Barbara ins Oscar-Rennen.

Nina Hoss spielt die Ärztin Barbara, die in der DDR wegen eines Ausreiseantrages strafversetzt wird. Sie ist hin- und hergerissen zwischen dem Bedürfnis, dem verhassten Regime zu entfliehen, und der wachsenden Verantwortung, den vom System Benachteiligten vor Ort zu helfen. Zu ihrer wachsenden Verwirrung kommt die Bekanntschaft mit ihrem Kollegen André (Ronald Zehrfeld). Zunächst ist Barbara skeptisch, wittert sie doch in jedem Menschen einen potentiellen Stasi-Spitzel. Mit der Zeit aber beginnt sie nicht nur, André zu vertrauen, sondern auch Gefühle für ihn zu entwickeln.

Der Jury Vorsitzende der deutschen Dachorganisation German Films begründete die Entscheidung für Barbara folgendermaßen: „Der Film ‚Barbara‘ überzeugt durch seine große formale Klarheit und eine starke Frauenfigur, die im Widerspruch zwischen individueller Freiheit und sozialer Verantwortung ihre persönliche Entscheidung trifft.“ (SpiegelOnline) Ich vermute ja, dass auch die Wahl des Themas etwas mit der Entscheidung zu tun hatte. Mit der filmischen Bewältigung der jüngeren deutschen Geschichte hat ja schon Florian Henckel von Donnersmarck mit seinem Film Das Leben der Anderen einen Oscar abstauben können. Aber DDR hin oder her – Barbara hat mir ebenfalls sehr gut gefallen und gehörte zu meinen absoluten Favoriten bei der Berlinale 2012. Eine ausführliche Kritik könnt Ihr auf meinem BerlinaleBlog nachlesen.

Übrigens hat sich Barbara in der Vorauswahl unter anderem gegen This Ain’t California durchgesetzt, den Dokumentarfilm, dessen Wahrheitsgehalt ich letzte Woche hier in meiner Kritik problematisiert habe. Ein weiterer Favorit war das Neonazidrama Kriegerin von David Wnendt, ein in meinen Augen deutlich stärkerer Konkurrent als die Skateboarder-Doku. Ein Interview, das ich mit der Hauptdarstellerin Alina Levshin geführt habe, könnt Ihr übrigens in der nächsten Ausgabe der AGM lesen.

Bei aller Freude über die Entscheidung der deutschen Jury müssen wir uns klar machen, dass hier noch nichts gewonnen wurde. Ob die Academy Barbara in die engere Auswahl nimmt, werden wir erst Anfang Januar erfahren. In jedem Fall können wir aber zufrieden sein, dass wir mit Christian Petzolds Werk einen wirklich konkurrenzfähigen Film vorgelegt haben.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Kommentare werden moderiert. Es kann etwas dauern, bis dein Kommentar angezeigt wird.