Cronenberg Jr. tut’s mit Antiviral Daddy gleich

by on 08/13/2012

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© TF 1 International

Wer sich den Trailer zu Antiviral ansieht, dem fällt ein gewisser Stil auf, der stark an David Cronenberg erinnert: Innereien werden in steriler Umgebung präsentiert, die ganze Szenerie wirkt dermaßen unterkühlt, dass einem die Augäpfel gefrieren, Menschen wirken künstlich, beinahe gänzlich entfernt von jedweder Form der echten Emotion. Da fühlt der Cronenberg-Jünger sich glatt an Die Unzertrennlichen erinnert, unter Umständen auch ein wenig an eXistenZ oder Videodrome. Diese Parallelen zu ziehen ist keineswegs falsch, aber auch nicht 100%ig richtig, denn nicht David Cronenberg zeigt sich für Antiviral verantwortlich, sondern sein Sohn Brandon Cronenberg, der ganz offensichtlich seine Abdrücke neben Papas riesigen Fußspuren hinterlassen möchte.

Dass die Story in einer Klinik ihren Lauf nimmt, ist ob der Neigung zum Unterkühlten nicht verwunderlich. In dieser besagten Klinik werden Stars Viren entnommen, um diese dann für teuer Geld Hardcore-Fans zu injizieren. Nicht verstanden? Okay, dann erkläre ich es anhand eines Beispiels: Nehmen wir an, George Clooney hat die Grippe. Er begibt sich in die Klinik, in der sein Grippevirus entnommen wird. Dieser „Clooney-Virus“ wird anschließend an einen ganz besonders großen Fan des Mimen verkauft, damit der den selben Virus wie sein Idol in sich trägt. Klingt reichlich absurd, aber schließlich handelt es sich hierbei ja um einen Cronenberg-Film (wenn auch nur vom „kleinen“ Cronenberg inszeniert). Syd March (Caleb Landry Jones) ist Angestellter in der Klinik und schmuggelt hin und wieder Star-Viren in seinem Körper raus, um damit ein bisschen Kohle zu machen. Eines Tages infiziert er sich jedoch mit einem Virus, der die Prominente Hannah Geist (Sarah Gadon) dahingerafft hat. Um nicht selber das Zeitliche zu segnen, muss Syd nun hinter das Geheimnis des Virus kommen und sich zudem noch gegen die Inhaber der Rechte an dem wertvollen Krankheitserreger erwehren.

Der Trailer verspricht Cronenberg’schen Body Horror par excellence. Es ist zwar noch viel zu früh, um sich aus dem Fenster zu hängen und zu behaupten, dass ein weiterer Genius mit dem Namen Cronenberg die Filmwelt erobert, aber in Zeiten, in denen die x-te Adaption oder das tausendste Remake die Kinosäle heimsucht, ist eine solche abseitig-faszinierende Vision geradezu erfrischend. Mag das Endergebnis die durch den Trailer hervorgerufenen Erwartungen vielleicht nicht erfüllen, bleibt trotzdem die Tatsache bestehen, dass hier versucht wird, nicht auf einer Welle mitzuschwimmen, sondern einen Stil zu nutzen, der eher in den Untiefen des Filmbusiness anzutreffen ist.

Wir alle können Brandon Cronenberg nur wünschen, dass er nicht zur bloßen Kopie seines kultisch verehrten Vaters wird, sondern sich einen eigenen, markanten Body-Horror-Stil zulegt.

One Response to “Cronenberg Jr. tut’s mit Antiviral Daddy gleich”

  • filmosophie
    filmosophie says:

    Ich bin gefangen zwischen Neugier und Abscheu. Irgendwie visuell ästhetisch und doch so… na, eklig halt. Aber die Neugier wird wohl letzten Endes doch überwiegen.

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