Danielle Henderson im Interview über Feminist Ryan Gosling

by on 12/05/2012

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@ Tobis

Für meine Moviepilot Kolumne filmoSophie’s Welt habe ich mich jüngst in die Recherche zu dem Meme Feminist Ryan Gosling gestürzt. Falls euch dieses Phänomen bislang entgangen ist: Es handelt sich um Fotografien von Ryan Gosling, auf denen feministische Theorien postuliert werden. Manche sind hierin sehr direkt, wie das Bild unten links, das auf Judith Butler anspielt, aber auch ohne Kenntnis ihrer Texte verständlich ist. Schwieriger ist da dieses hier, das sich auf eine Kurzgeschichte aus dem 19. Jahrhundert bezieht, die wirklich nur Amerikanisten und Studenten der Genderstudies bekannt sein dürfte.

Hinter all dem steckt Danielle Henderson, die niemals vorhatte ein die Welt umspannendes Internetphänomen ins Leben zu rufen. Nach einem Abend mit Kommilitoninnen, bei dem über die Fülle an zu lernenden feministischen Theorien ebenso gesprochen wurde wie über den neusten Film mit Ryan Gosling, entwarf Danielle die ersten fünf Feminist Ryan Gosling Bilder. Sinn der Aktion? Spaß. Außerdem war es eine gute Idee, die trockenen Theorien auf diese unterhaltsame Weise festzuhalten und somit besser im Gedächtnis zu behalten. Inzwischen ist aus dem Spaß Ernst geworden und Danielle hat sogar ein Buch mit ihren „feministischen Lernkarten“ herausgebracht.

In meiner aktuellen Moviepilot Kolumne könnt ihr noch einmal ausführlicher nachlesen, worum es bei Feminist Ryan Gosling eigentlich geht. Aber das Interview, das ich für meinen Artikel mit Danielle geführt habe, gibt es hier in voller Länge:

http://feministryangosling.tumblr.com

filmosophie: In klaren, nicht akademischen Worten gesprochen: Was bedeutet Feminismus (für Dich)?

Danielle: Feminismus bedeutet die Freiheit von sexistischer Unterdrückung. Sexistische Unterdrückung kann unterschiedliche Formen haben, abhängig davon, wo auf der Welt Du Dich befindest. Aber diese Definition lässt sich für die meisten Kulturen übernehmen.

filmosophie: Wer kann – in welcher Weise auch immer –  von Feminist Ryan Gosling profitieren? Glaubst Du, das Meme kann Menschen helfen, sich für die Idee des Feminismus zu öffnen?

Danielle: Ich denke, Feminist Ryan Gosling ist hilfreich für Leute, die entweder noch gar keine oder aber eine sehr strenge Vorstellung davon haben, was Feminismus ist. Es kann dabei helfen, die akademische Sicht auf den Feminismus mit der realen Erfahrung zusammenzubringen.

filmosophie: Ich habe gelesen, dass Ryan Gosling einfach nur Gesprächsthema an dem Abend war, an dem Du das Meme erfunden hast. Eigentlich hat das also gar nicht unbedingt etwas mit ihm als Person zu tun. Tatsächlich hat Ryan Gosling aber einen feministischen Standpunkt eingenommen als er über die Altersfreigabe seines Films Blue Valentine gesprochen hat. Hattest Du das zumindest im Hinterkopf als Du mit Feminist Ryan Gosling angefangen hast?

Danielle: In gewisser Weise schon. Er hat zwar feministische Aussagen getroffen, aber Ryan Gosling hat sich niemals explizit als Feminist bezeichnet und daher wollte ich ihn auch nicht in diese Schublade stecken. Aber natürlich hätte ich dieses Meme nicht um jemanden konstruiert, der offensichtlich frauenfeindlich ist

filmosophie: Hattest Du jemals Gelegenheit, mit ihm persönlich zu sprechen oder hat er jemals Kontakt zu Dir aufgenommen und dazu Stellung bezogen, dass er das Gesicht eines feministischen Memes ist? Wenn nicht: Würdest Du gerne mal mit ihm sprechen?

Danielle: Er hat mich niemals kontaktiert und das ist ok. Das war nie das Ziel dieses Projekts. Es ist merkwürdig, dass ich die Person bin, die ihn auf diese spezielle Weise zum Zentrum der Aufmerksamkeit macht, weil ich mir nicht sicher bin, wie er das findet. Aber es ist alles harmlos und nur zum Spaß.

filmosophie: Jetzt wo Du weißt, dass die ganze Sache ein großer Erfolg ist: Wenn Du das noch einmal machen würdest und vielleicht mehr Zeit hättest, darüber nachzudenken (weil es dieses Mal eben nicht nur zum Spaß wäre, sondern mit einem konkreten Ziel), wen würdest Du als Gesicht für die feministischen Lernkarten wählen?

Danielle: Wenn ich nur danach gehen würde, wen ich attraktiv finde, würde ich wahrscheinlich den Comedian Dylan Moran oder den Schauspieler Idris Elba wählen. Mir fällt gerade kein berühmter Schauspieler ein, der sich als Feminist bezeichnet (was wirklich traurig ist), also würde das wohl das einzige Kriterium für diese Entscheidung sein.

filmosophie: Wer könnte das weibliche Gesicht für ein vergleichbares Projekt, z.B. zum Thema Männlichkeit, sein? Wer würde das sein und warum?

Danielle: Tilda Swinton wäre perfekt – sie vereint das Maskuline und Feminine auf wunderschöne Weise.

http://feministryangosling.tumblr.com

filmosophie: Wird das Feminist Ryan Gosling Meme in irgendeiner Weise Teil Deiner akademischen Arbeit sein? Wirst Du den Einfluss, den es auf Fans und Studenten hat, auf wissenschaftlicher Ebene evaluieren?

Danielle: Es ist absolut kein Fokus meiner akademischen Arbeit. Ich habe einen akademischen Artikel darüber geschrieben (der nächstes Jahr erscheint), aber ich denke ich bin zu nah dran, um eine objektive Analyse des Projekts durchzuführen. Wenn jemand anderes das Thema angehen will, helfe ich gerne, aber meine Arbeit und Interessen fokussieren sich auf die Themen Rasse und Klasse.

filmosophie: Man sagt, Feministen hätten keinen Humor. Warum glaubst Du ist es so schwer, Feminismus und Humor zusammenzubringen? Warum nehmen sich viele feministische Bloggerinnen selbst so ernst?

Danielle: Feminismus ist eine ernste Sache, weil man ständig auf taube Ohren stößt. Menschen, die mit ihrer feministischen Identität nach Bestätigung suchen, müssen sich oft sehr anstrengen, um dies zu erreichen. Außerdem ist es einfach scheiße machtlos zu sein – Bürger zweiter Klasse zu sein ist einfach nicht sonderlich witzig. Das ist erst mal so. Gleichzeitig glaube ich, dass Humor ein zentraler Bestandteil der feministischen Gleichung ist. Die meisten Feministen, die ich kenne, sind sehr lustige und unterhaltsame Leute.

filmosophie: Kennst Du einen feministischen Witz?

Danielle: Mir fällt gerade keiner ein, der nicht auf Kosten der Feministen ginge. Also nein.

filmosophie: Welche Bedeutung hat feministische Filmkritik Deiner Meinung nach?

Danielle: Feministische Filmkritik ist extrem wichtig, wie jede Kritik der Filmindustrie. Frauen sind in allen Bereichen der Filmindustrie noch immer stark unterrepräsentiert. Weibliche Rollen, Drehbücher von oder über Frauen, Regisseurinnen, Kamerafrauen und auch im Filmjournalismus – Frauen sind immer noch unterrepräsentiert, weil niemand einschreitet, solange die Industrie mit dieser Strategie Geld macht. Die visuelle Kultur zeigt, wer wir sind und was wir wertschätzen. Feministische Filmkritik beleuchtet diese Bereiche, indem sie sagt: ‚Hey, uns gibt es auch noch!‘

 

 

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