Dark Shadows

by on 05/24/2012

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© Warner Brothers

Für ihre achte Zusammenarbeit haben sich Regisseur Tim Burton und Schauspieler Johnny Depp etwas Besonderes vorgenommen und die 70er Jahre Kultserie Dark Shadows in einen Kinofilm verwandelt. Die Rolle des Vampirs Barnabas scheint hierbei Johnny Depp auf den Leib geschrieben zu sein.

Nachdem er im 18. Jahrhundert von einer eifersüchtigen Hexe in einen Vampir verwandelt und lebendig begraben wurde, befreit ihn in den wilden 70ern endlich jemand aus seinem Gefängnis. Sofort kehrt Barnabas in das Herrenhaus seiner Familie zurück, in dem jedoch auf Grund finanzieller Engpässe vom einstigen Glanz kaum mehr etwas übrig geblieben ist. Auch der Collins-Clan ist zusammengesschrumpft. Im Haus leben die Matriarchin Elizabeth (Michelle Pfeiffer), ihre pubertierende Tochter Carolyn (Chloe Grace Moretz), ihr Bruder Roger (Jonny Lee Miller) und dessen Sohn David (Gully McGrath). Und dann gibt es noch die nicht weniger prominent besetzten Angestellten Dr. Julia Hoffman (Helena Bonham Carter) und Willie (Jackie Earle Haley). Das jüngste Mitglied der Familie ist Victoria Winters (Bella Heathcote), eine Gouvernante, die frappierende Ähnlichkeit zu Barnabas’ erster großer Liebe aufweist. Und so ist es kein Wunder, dass sich der Vampir schnell heimisch fühlt und sich vornimmt, das einstige Fischereiimperium der Familie wieder aufzubauen. Dabei kommt ihm jedoch genau die Frau in die Quere, der er seine Vorliebe für Blut zu verdanken hat: Angelique (Eva Green) ist inzwischen eine erfolgreiche Geschäftsfrau und nicht weniger teuflisch als noch vor 200 Jahren.
Johnny Depp, der Dark Shadows auch produziert hat, konnte einen wunderbaren Cast für seinen Film gewinnen, der durch Kurzauftritte von Christopher Lee, Alice Cooper und einigen original Darstellern der 70er Jahre Serie komplettiert wird. Auch Tim Burton war eigentlich eine gute Wahl, denn die Arbeit mit der quietschbunten Ausstattung des Films und der grotesken Atmosphäre ist für den Regisseur im Grunde ein Heimspiel. So gehören die Kulisse und die Kostüme auch zu den Elementen, die durchgängig begeistern können, was man leider nicht von allem in Dark Shadows behaupten kann.
Das Hauptproblem ist der starke Fokus auf die Figur des Barnabas. Vielleicht wäre es besser gewesen, sich stärker an der Originalserie zu orientieren. Hier nämlich tauchte der Vampir erst nach einem Jahr überhaupt in der Handlung auf. Während die Geschichte mit Victorias Ankunft in der Familie beginnt und beim Zuschauer den Verdacht weckt, dass die junge Frau irgendein dunkles Geheimnis hütet, verkommt die Gouvernante mit dem Auftritt Johnny Depps zur Randfigur. Und das obwohl sich der Vampir umgehend in das Mädchen verliebt! So wird der Handlungsstrang von Victorias Geschichte radikal unterbrochen. Aber nicht nur das: Da sie vornehmlich durch Abwesenheit glänzt, ist auch die Entwicklung der Liebesgeschichte zwischen Barnabas und Victoria leider nicht besonders überzeugend.
Dass keine Romantik aufkommen mag, liegt auch an der mangelhaften Konstruktion der Figur des Barnabas. Burton und Drehbuchautor Seth Grahame-Smith schaffen es nicht, ihn zu einer sympathischen Figur zu machen, mit der die Zuschauer mitfiebern. Seine Handlungen, insbesondere seine Morde, sind nicht immer nachvollziehbar und es fehlt ihm der unschuldige Charme eines Edward mit den Scherenhänden. Im Gegensatz zu dieser Figur ist Barnabas auch stark sexualisiert: Trotz seiner angeblich tiefen Liebe zu Victoria erliegt er immer wieder dem Charme anderer Frauen. Selbst die bösartige Angelique kann ihn durch ihre weiblichen Reize aus dem Konzept bringen. All dies trägt dazu bei, dass es uns im Grunde wenig interessiert, ob er sein Herzblatt erobern kann oder nicht.
Die fehlende Sympathie für die Hauptfigur, die so übermäßig stark im Zentrum dieses Films steht und bedauerlicher Weise die anderen interessanten Charaktere stark verdrängt, lässt auch die Handlung zunehmend zäh werden. So richtig mitfiebern können wir nicht. Auch das Ende enttäuscht, in dem es mit einem „deus ex machina“- Effekt die Rettung in letzter Sekunde auf höchst unbefriedigende Weise präsentiert. Spätestens hier entwickelt sich der Humor, der anfänglich durch das Aufeinandertreffen des altertümlichen Vampirs mit der modernen Welt entsteht, zu unfreiwilliger Komik.
Dark Shadows legt einen guten Start hin, indem ein bekannter und farbenprächtig inszenierter Cast vorgestellt wird (allen voran Helena Bonham Carter mit der  – meiner Meinung nach – schönsten Frisur ihrer Karriere). Die erste halbe Stunde ist noch durch regelmäßige Lacher geprägt. Doch der Film schafft es weder, diesen Humor über den gesamten Film zu transportieren, noch seine Zuschauer durch Figuren und Handlung bei der Stange zu halten. Dieser sukzessive Qualitätsverlust des Films erzeugt eine Menge Frust und lässt uns die Andeutung einer Fortsetzung vor allem als Drohung empfinden. Sehr bedauerlich.
KINOSTART: 10. Mai 2012

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