Das fette Chaoten-Team aus einer verdrängten Zeit

by on 08/30/2012

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© Warner Home Video

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Eine ganze Generation Jugendlicher ist mit dem Wort „phat“ aufgewachsen, das in Deutschland schnell zum phonetisch abgeschliffenen „fett“ wurde. Und wenn es einen Film gibt, der „fett“ ist, dann Das Chaoten-Team. Zum Start der Kolumne Flimmerkiste, in der unbekannte Independent- und B-Movies vorgestellt werden, habe ich diesen beinahe vergessenen Klamauk aus den 1980ern ausgegraben, denn trotz aller Unzulänglichkeiten, trotz der mangelnden Qualität und trotz der immensen Zeitgeistigkeit hat Das Chaoten-Team jede Menge Charme, ein paar gute Lacher und entführt uns in ein längst vergessenes – besser: verdrängtes – Jahrzehnt.

Dass dieses Werk als „fett“ betitelt werden kann, liegt nicht an der Story, denn die passt auf einen Slim-Fast-Deckel. Und wie schon erwähnt ist auch die Qualität nullkommanull ausschlaggebend für diese Bezeichnung. Einzig die drei Hauptdarsteller Mark Morales, Damon Wimbley und Darren Robinson, besser bekannt als The Fat Boys, liefern den Grund, dass Das Chaoten-Team „fett“ ist.

Fat wer? Ich kann mir vorstellen, dass einige Leser, vor allem diejenigen, denen nicht die Gnade der frühen Geburt  zuteil wurde, sich jetzt an der Fontanelle kratzen und fragen, wer zum Teufel die Fat Boys sind. Um es kurz zu machen: Es handelte sich hierbei um eine Hip-Hop-Crew aus New York, die in den 80er Jahren einige Erfolge hatte. In Deutschland konnte sich allerdings nur die Single The Twist, vorgetragen mit dem Interpreten des Originals, Chubby Checker, platzieren. Dieser Song schaffte es aber auch prompt an die Spitze und dröhnte eine ganze Weile aus den bundesrepublikanischen Boxen. Aber zurück zu den Fat Boys. Der Bandname verrät eigentlich schon, wodurch sich die Mitglieder vom Hip-Hop-Allerlei abhoben: durch mal mehr und mal noch mehr Körperfülle. Anders ausgedrückt: Die US-Jungs waren mordsmäßig fett. Im physischen Sinne. Aber durchaus auch in übertragener Bedeutung.

Um diese lustige Formation wurde dann dieser typisch mit Klamauk durchzogene 80er-Streifen gebastelt. Wer feinsinnigen Humor mag, der wird hier nicht fündig. Wer ausgefeilte Geschichten mag, der sollte es lassen. Und wer mit dumm-dämlichen Slapstickeinlagen nicht viel anfangen kann, der braucht den Film nicht sehen. Die Story ist dementsprechend schnell erzählt: Um an die Kohle seines reichen alten Onkel Albert (Ralph Bellamy) zu gelangen, engagiert Winslow Lowry (Anthony Geary) die Fat Boys als Pfleger. Der Erbbegünstigte, der mit dem erwarteten Geldsegen seine Schulden bei einem Kredithai begleichen will, geht davon aus, dass die schusseligen Chaoten mit ihrer Unfähigkeit schon dafür sorgen werden, dass der Onkel schnell den Löffel abgibt. Aber weit gefehlt! Die massiven Männer wecken mit ihren unorthodoxen Methoden die Lebensgeister des greisen Wohlhabenden.

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Genial geht zugegebenermaßen anders, aber die dicken Dussel sind ausgesprochen sympathisch und die Story wird flott vorangetrieben. Dass auf altbekannte und in den 80ern bis zum Erbrechen verwendete Zutaten gesetzt wird, lässt sich allerdings nur dann verschmerzen, wenn die Toleranzgrenze recht hoch ist. Originalität ist nicht die Stärke von Das Chaoten-Team. Vielmehr wird der Humor durch allzu oft gesehene Slapstick- und Klamauksituationen generiert, verstärkt durch die Plumpheit der Hauptdarsteller.

Es ist offensichtlich, dass mit diesem Film aus dem Erfolg der Fat Boys noch ein bisschen mehr fette Kohle gepresst werden sollte. Der große Vorteil liegt darin, dass dieser kapitalistische Plan in den 1980ern gefasst und umgesetzt wurde. Heutzutage würde ein solcher Film den Machern wohl um die Ohren geklatscht werden, doch einem Jahrzehnt, in dem Schulterpolster, bunte Jogginghosen und Synthesizer voll im Trend lagen, verzeiht man so einiges. Das Chaoten-Team ist so betrachtet eine Retroveranstaltung.

Eine andere Sichtweise empfiehlt sich auch nicht, sonst wird der Spaß an diesem Film schwer gemindert. Dass Das Chaoten-Team mittlerweile aber in der Versenkung verschwunden und nur noch wenigen Menschen bekannt ist, hat allerdings Gründe, denn die Fat Boys haben die Zeit nicht überdauert und somit auch nicht dieses Werk des fetten Geschmacks.

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