Deepwater Horizon – Emotionale Achterbahn auf hoher See

by on 11/08/2016

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© STUDIOCANAL

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2010 steht die Ölbohranlage Deepwater Horizon kurz vor einem bahnbrechenden Rekord. Über 100 Millionen Barrel Öl sollen 70 Kilometer von der US-Küste entfernt aus dem Golf von Mexiko gefördert werden. Das Team um die beiden Chef-Techniker Mike Williams (Mark Wahlberg) und Jimmy Harrell (Kurt Russell) ist beauftragt, die Förderung vorzubereiten, doch ein Test zeigt, dass der Druck auf das Bohrloch viel zu hoch ist. Trotz energischer Warnungen seitens der Crew geschieht, was man im BP-Konzern bis dahin für unmöglich hielt. Es kommt zu einen „Blowout“: Gas und Öl schießen unter enormem Druck unkontrolliert an die Oberfläche, mehrere gewaltige Explosionen sind die Folge. Über 120 Menschen sind plötzlich auf der Plattform eingeschlossen. Millionen Tonnen Öl strömen unkontrolliert ins Meer. Williams und sein Team setzen ihr eigenes Leben aufs Spiel, um die Verletzten zu evakuieren und Überlebende zu retten. Ein brandgefährlicher Wettlauf gegen die Zeit beginnt …

Deepwater Horizon von Regisseur Peter Berg beginnt mit einer Frage. Einer Frage, die eigentlich nie beantwortet wird. Eine Frage, die eigentlich klären sollte, wer hat Schuld an der Katastrophe?

Bergs Film ist einer dieser Fälle, bei denen man eigentlich schon weiß was passieren wird. Und das, weil jeder der vor mittlerweile sechs Jahren die Nachrichten gesehen hat, weiß, welches ökologische Ausmaß diese Katastrophe im Golf von Mexiko hatte. Doch eigentlich wissen nur wenige, was genau dort oben, auf der engen schwimmenden Plattform, wirklich passiert ist oder besser gesagt, was genau zu der Katastrophe geführt hat und wie sich die Menschen während dieser gefühlt haben müssen. Und genau hier setzt der Film an.

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So beginnt der Film schon mit dieser Vorahnung, die einen so schnell nicht mehr loslässt. Und all die kleinen Missgeschicke, technischen Probleme und Kommunikationsprobleme, die sich zu Beginn des Films zu häufen scheinen und die man im Normalfall als belangslos und unwichtig abtun würde, verstärken nur dieses beklemmende Gefühl. Und so schaffen es Regisseur Berg und Kameramann Enrique Chediak beim Zuschauer das Gefühl zu schaffen, man sei zusammen mit den Arbeitern auf der beengten Plattform, auf der sich doch alls in familiärer Atmosphäre abspielt. Ein Gefühl, dass die ohnehin sich schon nahende Katastrophe noch bedrohlicher macht.
Dabei nimmt eben dieses emotionale Crescendo den größten Teil des Film sogar ein, bis es in eine bildgewaltiges Finale mündet und die Katastrophe schließlich ihren Verlauf nimmt. Und auch hier, durch die sehr bedrückenden Stimmung in die Berg die Zuschauer zu Beginn genommen hat und verstärkt durch die nahe aber doch nicht aufdringliche Kamera, kann sich der Zuschauer nur schwer entziehen.

Doch nicht nur aufgrund seiner Fähigkeit den Zuschauer emotional zu fesseln, ist dieser Film sehenswert.
Es ist glaube ich nicht von der Hand zu weisen, dass wenn sich Hollywood daran macht solche Themen zu verfilmen, die heroische Pathoskeule nicht weit entfernt schwingt und sich schnell aufmacht den Zuschauer mit voller Wucht erwischen. Im Gegensatz dazu ist Deepwater Horizon wieder erfrischend unpatriotisch oder fast schon nüchtern geraten. So wirkt selbst der Moment, in dem einer der Arbeiter seine Kollegen rettet, in dem er den Kran, der an der Plattfrom befestigt ist, stoppt bevor er den Bohrturm niederreißt und selbst dabei ums Leben kommt, zwar tragisch, aber denoch nicht heroisierend.

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Am prägnantesten ist aber wohl der Moment geworden, in dem Jimmy Harrell (Kurt Russell), der Chef der Deepwater Horizon, auf dem Rettungsschiff die Namen der Arbeiter aufruft um zu prüfen, ob es alle geschafft haben. Als er schließlich die ersten Namen derer verliest, die unmittelbar am Bohrloch waren und sofort umgekommen sind, zeigt die Kamera keine Nahaufnahme betroffener Gesichter und auf der Tonspur ist keine heroische Musik zu hören. Im Gegenteil, die Kamera widmet sich einem anderem Geschehen und verstärkt damit das zentrale Gefühl dieser Szene: die vermissten Arbeiter mögen zwar vielleicht Helden sein, doch das wichtigste ist aber, dass sie nicht mehr da sind – und das ist wohl das erdrückenste Gefühl.

Am Ende ist die Frage die zum Beginn des Films im Raum stand, immer noch unbeantwortet. Der bildgewaltige Film Deepwater Horizon von Peter Berg bietet bei genauerem Hinsehen mehrere Ansätze für Antworten: war es die Gier der BP-Verantwortlichen oder doch der im Angesicht der Katastrophe nicht erfolgte Alarm durch die Mitarbeiter, der die Katastrophe in diesem Ausmaße bewirkt hat. Und so sehr viele auch – sicherlich zu Recht – den Schuldigen schon ausgemacht habe, zeigt diese offene Frage, dass sicherlich der Konzern BP die größte Schuld an dieser menschlichen und schlussendlichen ökologischen Katastrophe hat, jedoch haben auch eine Reihe von anderer Fehler zumindest zur Wucht dieser Katastrophe beigesteuert.

Kinostart: 24. November 2016

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