Der große und absurde Inception-Betrug des Christopher Nolan

by on 10/02/2012

© Warner/filmosophie.com

Hier bei ComiCinema, meiner mehr oder weniger regelmäßigen Kolumne über Comicverfilmungen und Zeichentrickfilme, geht es um eben solche. Was hat das verschachtelte Traum-Heist-Movie Inception also hier verloren? Ganz einfach: Christopher Nolan hat die Geschichte von Don Rosa, einem der größten Disney-Comiczeichner geklaut. Inception ist die Adaption eines Dagobert Duck Comics.

In der amerikanischen Blogosphäre ist diese Tatsache bereits seit dem Kinostart von Inception bekannt, aber in Deutschland hat sich dieser erschütternde Skandal noch nicht besonders weit herumgesprochen. Natürlich ist dieser „Skandal“ nicht wirklich erschütternd – ich habe schlicht Lust auf ein wenig Sensationalismus. Es ist die Geschichte des nach Carl Barks wohl größten Comiczeichners und Duck-Biografen, dessen Idee von einem inzwischen vergleichsweise noch größeren Filmregisseur geklaut wurde.

Lebensträume (Dream of a Lifetime) von Don Rosa (Onkel Dagobert – Sein Leben, seine Milliarden) erschien im Jahr 2002 und enthält einen Plot, der dem von Inception mehr als nur ähnelt. Die Panzerknacker wollen wie immer in den gigantischen Geldspeicher des Dagobert Duck gelangen, brauchen dafür aber die Kombination. Diese ist nirgendwo notiert, sondern befindet sich im Kopf der reichsten Ente der Welt. Also steigen die Jungs mithilfe einer von Daniel Düsentrieb erfundenen Maschine in dessen Träume ein. Donald folgt kurz darauf, um seinen von den guten alten Zeiten am Klondyke träumenden Onkel zu warnen. Eine Jagd durch verschiedene Traumebenen beginnt.

Das kommt uns natürlich aus dem hochgelobten Christopher Nolan – Film bekannt vor, erinnert in der Form aber auch an vielerlei andere Filme mit Traum- und Fantasiethemen. Matrix, Existenz oder Dark City dürften dem Science Fiction-Fan Don Rosa bekannt gewesen sein und auch Christopher Nolan ließ sich sicher teilweise von diesen Filmen inspirieren. Der Teufel steckt im Detail, denn die Ähnlichkeiten von Lebensträume und Inception fangen mit der Rahmengeschichte überhaupt erst an. Es sind die vielen kleinen Ideen in Inception, die die Faszination des Films größtenteils ausmachen: Ein Träumer kann nur durch einen Fall wieder aufgeweckt werden, eine mysteriöse Maschine schickt Menschen in die Träume, die Möglichkeit die Traumwelt durch einen starken Willen zu manipulieren und der Limbo.

Das alles sind Kernelemente von Inception und Don Rosa baute sie acht Jahre vor Kinostart in seinen Comic ein. Donald und die Panzerknacker laufen Gefahr, für immer im Traum gefangen zu sein, wenn Dagobert unerwartet aufwacht. Donald manipuliert die Traumwelt und zaubert größere Kanonen herbei. Und sogar die Dynamik von Mal (Marion Cotillard) und Dom (Leonardo DiCaprio) findet sich in Lebensträume wieder. Das schlechte Gewissen Dominics findet seinen Spiegel im schlechten Gewissen Dagoberts, der seine Klondyke-Jugendliebe Goldie schlecht behandelte und schließlich für seine Karriere verließ. Wie Mal taucht sie immer wieder in seinen Träumen auf und er kann nichts dagegen tun. Eine Liste aller Ähnlichkeiten findet sich zum Beispiel auf Comicbookmovie.

Zwar sind die Ähnlichkeiten zwischen Inception und Lebensträume fast schon auf Guttenberg-Niveau, aber dennoch kann ich Christopher Nolan das nicht vorwerfen. Seine mich glücklich machenden Adaptionen Batman Begins und The Dark Knight zeigen, dass er seine Comicvorlagen kennt und zumindest ein Interesse am klassischen Comic-Kanon besitzt (zu dem auch Don Rosa gehört). Sicher ist es möglich, dass er über Don Rosas Comic gestolpert ist und dieser seine Ideen so in Nolans Kopf eingepflanzt hat. Möglich ist wie immer aber auch der bloße Zufall. Träume sind ein wiederkehrendes Motiv bei Christopher Nolan, der sich selbst schon Ewigkeiten mit luziden Träumen beschäftigt. Bewegung kann den Träumer tatsächlich aus seiner Traumerfahrung reißen und dass sich Träume manipulieren lassen, ist ebenso klar. Klar ist auch, dass Hollywood immer und überall eine Liebesgeschichte braucht.

Unmöglich ist der reine Zufall also nicht (obwohl Christopher Nolan bisher kaum eigene Plots verfilmte). Und Don Rosa musste selbst entsetzt feststellen, dass sein Comic Ähnlichkeiten mit einem im Jahr 2000 erschienenen Film hat: Ein Fan schrieb ihm damals die Idee für den Ideenklau in Dagoberts Kopf und er nahm sie begeistert auf. Als er Jahre später aber die DVD zu The Cell von Tarsem Singh (Regisseur vom ebenfalls traumartigen The Fall) in seinen DVD-Player legte, den Film ansah und das Erscheinungsdatum kontrollierte und sich an den nur ein paar Wochen nach diesem erhaltenen Fan-Brief erinnerte, machte sich ein unangenehmes Gefühl in der Magengegend breit. Sein Comic hatte leider nicht wegzudiskutierende Ähnlichkeiten mit The Cell (kurioserweise aber noch mehr mit Inception). Ähnliches passierte auch mit Matrix und dem älteren (und sehr viel besseren) Comic The Invisibles von Grant Morrison, der die Wachowski-Geschwister zumindest eines athmosphärischen und thematischen Plagiats beschuldigt. Manchmal sind Ideen eben so reif, dass sie von verschiedenen Geistern gleichzeitig geboren werden.

Vielleicht wollte der Don Rosa – Fan auch einfach nur eine Entenvariante von The Cell lesen. Oder Christopher Nolan wollte eine Menschenvariante von Lebensträume inszenieren. Oder alles ist reiner Zufall. Jeder kann sich die Variante auswählen, die ihm am Besten gefällt.

 

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