Devil’s Pass – Potenzial auf wackeligen Beinen

by on 01/24/2014

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© Ascot Elite

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Ich habe keine allzu hohe Meinung von Found-Footage-Formaten. Mir gefielen in diese Richtung bisher nur Chronicle und End of Watch, da das wackelige Handkameraformat dort teilweise mit dem Inhalt harmonierte. Bei Devil’s Pass ist das leider nicht der Fall. Und das ist schade. Denn aus dem Plot dieses auf den ersten Blick stereotypischen Slasher-Horrors ließe sich so viel machen.

Der Film dreht sich um das real existierende Unglück am Dyatlov-Pass in Russland. Dort verschwanden 1959 neun Bergsteiger unter mysteriösen Umständen. Sie zogen sich die Kleider aus, rannten vollkommen irrational durcheinander und verendeten dann einfach im Schnee. Da das kein normales menschliches Verhalten ist, setzt sich die amerikanische Psychologiestudentin Holly (Holly Goss) zum Ziel, genau dieses aufzuklären. Mit ihrem von Verschwörungen und Aliens besessenen Kollegen Jensen (Matt Stokoe), den erfahrenen Bergsteigern J.P. (Luke Albright) und Andy (Andy Thatcher) sowie der Tontechnikerin Denise (Gemma Atkinson) will sie nun vor Ort eine Dokumentation über dieses bis heute nicht gelöste Rätsel drehen. Wie es im Psychologiestudium eben so ist. Aber selbst Psychology 101 konnte sie nicht auf das vorbereiten, was am Dyatlov-Pass lauert.

Das hört sich erst einmal ganz simpel an: Regisseur Renny Harlin wollte wohl das altbekannte „beruht auf wahren Begebenheiten“ ausschlachten. So einfach ist es dann aber doch nicht. Der gute Mann hat nämlich auch Stirb Langsam 2 und Tödliche Weihnachten gedreht. Kein Auteur-Kino, aber immerhin. Seine jüngeren Filme gehen in eine andere Richtung, wie auch der jüngst im amerikanischen Kino gefloppte, uninspirierte The Legend of Hercules beweist. Nichtsdestotrotz kann er auch anders und der von Vikram Weet gelieferte Plot gibt ihm einige Möglichkeiten zum Austoben. Auf der Oberfläche platt wie ein Pfannkuchen, öffnet sich Devil’s Pass später zu einer faszinierenden Mischung aus bekannten Regierungs-Verschwörungstheorien, Science Fiction, Aliens und Zeitreisen und einem interessanten Twist am Ende. Das Entdecken ist bei diesem Horrorfilm eher ein Reiz, als das Überwinden der Bedrohung.

In meinen Augen lässt sich das problemlos mit den typischen Horrorfilmtropen kombinieren. Und vorhanden sind sie auf jeden Fall: Die herzensgute Holly gehört natürlich mit dem ebenfalls tief drinnen herzensguten Verschwörungsnerd zusammen. Was es für die Figur des Glamourmodels Gemma Atkinson zu bedeuten hat, wenn sie in der ersten Nacht auf dem Berg Sex mit dem notgeilen Andy hat, wissen wir aus Erfahrung. Das stört auch nicht. Je mehr Standard in Devil’s Pass vorhanden war, desto mehr haben mich die kreativen Entscheidungen in Bezug auf die Auflösung überrascht.

Was stört, ist die Umsetzung. Devil’s Pass ist das erste Drehbuch von Vikram Weet. Seine Erfahrungen mit der Branche sammelte er unter anderem bei Reality-Formaten wie Keeping Up With The Kardashians, The Real World und The Challenge. Dort bekam er es sicher nicht mit ausgefeilter Kameraarbeit zu tun. Vielleicht entschied er sich deswegen für Found-Footage. Für Devil’s Pass hätte ich mir aber ein traditionelleres Vorgehen gewünscht. Gerade Szenen, in denen es die Truppe mit scheinbaren, physikalischen Anomalien zu tun bekommt und sich nur vorsichtig fortbewegen kann, erinnerten mich an den ambitionierten Stalker von Andrei Tartakovsky (und auch hier befinden wir uns wieder in Russland). Stalker lebt von seinen Bildern, die fast unabhängig von den Dialogen eine Geschichte erzählen. The Devil’s Pass hingegen kann uns so etwas nicht bieten, denn die Kamera hat sich den Händen der Figuren anzupassen. Das kann funktionieren, aber hier ist es einfach uninteressant. Überlegungen zur Kameraführung beschränken sich auf die langweilige Frage, wie die Kamera notdürftig von Position A nach Position B kommt, ohne dass es unlogisch wirkt (was leider nicht durchgängig klappte).

Ich war auf ein niederschmetterndes Urteil meinerseits vorbereitet und jetzt kann ich ein solches gar nicht bieten. Zusammenfassend muss ich sagen, dass The Devil’s Pass mich durchaus unterhalten konnte. Es ist keiner dieser Filme, die so schlecht sind, dass sie wieder gut sind. Es ist auch kein einfach nur schlechter Film. Und auch kein einfach guter. Devil’s Pass fällt für mich in ein schwer zu kategorisierendes Tal von „Was hätte sein können?“. Schauspielerische Meisterleistungen erwartet niemand von einem Horrorfilm dieser Art und die werden auch nicht geboten. Es sind die doch kreativen Plotfragmente, über die ich noch Stunden nach Sichtung nachdachte. Und darüber, wie diese in anderen Händen vielleicht ausgesehen hätten.

VERKAUFSSTART: 28. Januar 2013

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