Die doppelte Dröhnung: Häppchenweise SEXarbeiterin

by on 08/26/2014

ClipTipp der Woche

Wir präsentieren unser Lieblingsvideo der Woche

Beim ClipTipp gibt es heute eine Premiere: Weil ich mich einfach nicht entscheiden konnte, welches nun mein Lieblingsvideo dieser Woche ist, habe ich auf Grund der thematischen Verwandtschaft zweier Clips entschieden, sie beide vorzustellen. Es geht um Sexarbeit – einmal in Form von Prostitution und einmal in Form von Pornographie. Während Häppchenweise schon abgedreht und online zu erwerben ist, sucht SEXarbeiterin noch Crowdfunder:

Zunächst hat mich die Idee ja ein wenig befremdet, weil sie so unglaublich sexistisch daherkommt: Vier Männer machen einen Dokumentarfilm über eine Nutte. Ne, is klar. Der Blick ist also wieder der männliche, das Angeblickte, also das Objekt, die Frau. Doch ganz so ist es nicht, denn Regisseur Sobo Swobodnik und seine Mitstreiter nehmen ihre Sache wirklich ernst. Es geht ihnen nicht nur darum, dem Zuschauer einen Einblick in das Leben einer glücklichen SEXarbeiterin – jenseits des Klischees von Zwangs- und Drogenprostitution – zu verleihen. Sie wollen das Thema auch selbst durchdringen. Mit diesem Hintergedanken haben sie eine der wahrscheinlich ungewöhnlichsten Crowdfunding-Kampagnen überhaupt gestartet. Denn als Gegenwert zu den Investitionen der Unterstützer locken sexuelle Dienstleistungen der Macher! Damit wird das Ungleichgewicht zwischen männlichem Filmteam und weiblichem Filmobjekt zumindest zum Teil aufgehoben.

Mal abgesehen davon, dass dieses Crowdfunding-Video – wie fast alle seiner Art – auf eine ganz spezielle Weise unangenehm gestellt wirkt, ist SEXarbeiterin in meinen Augen ein sehr unterstützenswertes Projekt, um Sexarbeit zu entkriminalisieren und Verständnis und Interesse für diesen Beruf zu wecken. Indem sie sich selbst anbieten, sind Swobodnik und Co in ihrem Aufruf, Sexarbeit nicht zu verurteilen, deutlich glaubwürdiger als jeder ausschließlich beobachtende Filmemacher!

Auch wenn sie sich nicht selbst mit ins Getümmel geworfen hat, gehört Maike Brochhaus für ihr Pornoprojekt Häppchenweise meine ganze Bewunderung. Die Kulturwissenschaftlerin wagt hier ein postpornographisches Experiment, in dem sich sechs fremde Menschen unterschiedlicher sexueller Orientierung zum Flaschendrehen treffen und dabei einander näher kommen.

Seit etwas über einem Jahr beschäftige ich mich vermehrt mit feministischer und alternativer Pornographie (siehe auch meine Buch-Vorstellung zu Explizit!). Mir gefällt die Natürlichkeit und die Offenheit vieler Inszenierungen, die sich von den Standardkonstellationen und Choreographien des Mainstreampornos abgrenzen und Szenarien entwerfen, in denen die Darsteller oft ihren ganz eigenen sexuellen Gelüsten folgen können. Häppchenweise, übrigens einst auch durch Crowdfunding finanziert, wirkt dazu noch sympathisch verspielt. In dem Experiment liegt außerdem die transparente Auseinandersetzung mit dem Genre selbst und somit eine erfrischende Ehrlichkeit. Mich hat der Trailer auf jeden Fall sehr neugierig gemacht.

Übrigens sucht Maike Brochhaus gerade eine Darstellerin für ihren nächsten Film. Vielleicht hat ja eine von euch Lust?

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