Die süße Gier

by on 01/07/2015

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© Movienet

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Vor dem Hintergrund der Finanzkrise Italiens verknüpft Regisseur Paolo Virzì die Schicksale zweier Familien zu einer unheilvollen Geschichte über Gier und Egoismus. Wie derzeit viele italienische Filme verbreitet auch Human Capital Krisenstimmung. In einer Zeit der Not gehen die Menschen für ihre Profitgier über Leichen, denn was ist schon ein Menschenleben gegenüber Luxus und finanzieller Sorglosigkeit?

So ähnlich sieht es auch Dino (Fabrizio Bentivoglio), der sich unüberlegt in einen vermeintlich rentablen Fond einkauft und damit das gesamte Familienvermögen verspielt. Seine Ehefrau (Valeria Golino) ist mit Zwillingen schwanger und als wäre die Lage noch nicht verzwickt genug, wird auch noch seine jugendliche Tochter Serena (Matilde Gioli) verdächtigt, den Tod eines Fahrradfahrers durch einen Autounfall verschuldet zu haben. Serena bildet das Bindeglied, mit dem Paolo Virzì die Schicksale zweier Familien unterschiedlicher Schichtzugehört miteinander verknüpft, denn Giovanni (Fabrizio Gifuni), der wohlhabende Vater von Serenas Jugendliebe Massimiliano (Guglielmo Pinelli), ist eben jener Geschäftsmann, in dessen Fond Dino sein Vermögen investiert hat.

Paolo Virzì erzählt diese Geschichte in drei Kapiteln, die jeweils aus der Sicht einer der Hauptfiguren dieselbe Zeitspanne zwischen dem Kennenlernen der Väter und dem schicksalshaften Autounfall beleuchten. In einem Epilog fließen schließlich die drei Einzelschicksale zu einem dramatischen Finale zusammen. Die Dramaturgie des Films spielt mit den Lücken des subjektiven Erlebens. Jedes Kapitel füllt Leerstellen und beantwortet Fragen des vorgehenden Teils. So setzt sich die Unfallnacht mit ihren Vor- und Nachwehen für den Zuschauer Stück für Stück wie ein Mosaik zusammen. Dabei geht es Paolo Virzì jedoch weniger um nervenaufreibende Thrillerspannung, als um drei sehr unterschiedliche und doch unmittelbar miteinander verknüpfte Lebensdramen. Dino sehnt sich danach, dem Mittelstand zu entsteigen und erreicht genau das Gegenteil. Giovannis Frau Carla kämpft mit den Luxusproblemen einer reichen Ehefrau und füllt die gähnende Leeres ihres High Society Lebens mit der Restauration eines baufälligen Theaters und Serena quält sich mit klassischen Selbstfindungsproblemen der Pubertät.

Die episodische Struktur und der Perspektivwechsel erzeugen durch das Aufwerfen immer neuer Fragen beim Zuschauer große Sehnsucht nach dem Gesamtbild. Doch der Fokus auf einzelne Figuren hat mit Sympathieproblemen zu kämpfen. So ist Dinos Naivität, mit der er Giovannis Reichtum nacheifert, nicht nur schwer zu glauben, sondern schlicht unsympathisch. Carla wiederum legt eine übertriebene Unsicherheit an den Tag, die es erschwert, mit ihrer Figur mitzufühlen. Insgesamt kommen die Männer in dieser Geschichte äußerst schlecht weg, stehen für Besitzstreben und Rücksichtslosigkeit. Insbesondere Giovanni wird dabei wenig Tiefe zugestanden und auch Dinos Motivation für die überstürzte Investition bleibt rätselhaft. So sind es weniger die Charaktere und ihre persönliche Geschichte, die den Reiz des Films ausmachen, als vor allem die geschickte Plotstruktur. Das reicht leider nicht ganz, um den Zuschauer souverän durch den Film zu leiten. Human Capital hat deutliche Längen. Das spürbare italienische Temperament der Inszenierung, das sich in den übertrieben ausagierten Emotionen der Figuren ebenso wie in den zuweilen hektischen Schnitten ausdrückt, bildet hierzu einen unbequemen Kontrast.

Paolo Virzìs Film ist ein deprimierendes Drama über menschliche Amoral und fehlende Solidarität. Doch es fällt schwer, sich die Schicksale der einzelnen Charaktere zu Eigen zu machen. Zu komplex ist das Netz aus Beziehungen, zu sperrig die Figuren. Erst mit der finalen und stark moralisierenden Titelsequenz geht Human Capital so richtig unter die Haut. Das ist bedauerlich spät, aber besser spät als nie.

Kinostart: 08. Januar 2015

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