Dragon Eyes

by on 11/26/2012

Flattr this!

© Universal

Einen Film auf DVD in Händen zu halten, der mit Jean-Claude Van Damme beworben wird, ist ein zweifelhaftes Vergnügen. Nicht grundsätzlich, denn der biegsame Belgier hat in seiner langen Karriere dann und wann durchaus Brauchbares abgeliefert. Aber wie das oftmals so ist mit alternden Actionstars: Mit jedem Lebensjahr sinken Qualität und Unterhaltungswert der Filme. Wer’s nicht wahrhaben will, der sollte nebst JCVD’s Werdegang auch mal einen Blick auf den von … na, wen nehmen wird denn als Beispiel … von Steven Seagal und Chuck Norris werfen.

Der Genrekenner bringt jetzt sicherlich das Argument, dass keiner von den angesprochenen Actionheroen jemals Qualität abgeliefert hat. Energisch widersprechen hilft da gar nichts, denn irgendwie ist der Einwand korrekt. Aber wir reden hier ja schließlich nicht von hochklassigem Autorenkino, sondern von leichtem Stoff mit harten Kerlen. Unterhaltungsfilme eben. Und da sind wir auch schon wieder am Anfang: Actionstars aus den „guten“ alten Zeiten haben es mittlerweile ganz schön schwer (die Expendables-Filme klammere ich mal als die Regel bestätigende Ausnahme aus). Dementsprechend dürftig sind die Filme, in denen die einstigen Halbstarken-Idole ihr mehr oder minder vorhandenes Können demonstrieren dürfen.

Da wird einem schon ganz schwummrig, wenn der Name Jean-Claude Van Damme auf der Hülle von Dragon Eyes prangt. Wird mal wieder ein ordentlicher Rotz sein. Moment, Peter Weller spielt auch mit? DER Peter Weller? Der In-Fetzen-zerballerte-und-dann-zu-RoboCop-umfunktionierte Peter Weller? Hm, vielleicht ist’s ja doch nicht so übel. Die Hauptrolle spielt aber weder JCVD noch Peter Weller, sondern Cung Le? Wer ist Cung Le? Der war in Pandorum und Tekken dabei? Naja…

Klingt durchwachsen. Und dann noch eine Story, die verdächtig bekannt vorkommt: Der mysteriöse Ryan Hong (Cung Le) kommt nach St. Judes. In der Gemeinde regieren Banden, Kriminalität ist in an der Tagesordnung, niemand ist sicher. Hong setzt sich jedoch furchtlos zur Wehr und kickt ein paar Gangster aus den Latschen. Seine außerordentlichen Kampffähigkeiten hat Hong seinem früheren Zellengenossen Tiano (Jean-Claude Van Damme) zu verdanken, der ihm nicht nur beigebracht hat, wie effektives Zuschlagen funktioniert, sondern auch, wie man es zielgerichtet einsetzt. Hong benötigt genau diese Lehren, um in St. Judes zu bestehen, denn nicht die gewalttätigen Banden sind das allergrößte Problem, sondern der korrupte und skrupellose Polizeichef Mr. V (Peter Weller)…

© Universal

Alles wie gehabt also. Aber das Endergebnis ist dennoch überraschenderweise sehenswert. Zumindest reiht sich dieser Film nicht in die lange Reihe auf Zelluloid gebannter Katastrophen ein, die Jean-Claude Van Damme vorzuweisen hat. Allerdings hat der Spagatmeister auch nicht allzu viel mit Dragon Eyes zu tun, denn insgesamt ist seine Screentime auf vielleicht fünf Minuten begrenzt. Wer einen JCVD-Film will, bekommt hier nicht das, was er möchte. Im Mittelpunkt stehen Cung Le und Peter Weller. Und es ist offensichtlich, dass letztgenannter für den Film von größerer Bedeutung ist. Eigentlich sogar von allergrößter Bedeutung, denn Wellers Performance ist herrlich over the top. Beabsichtigt oder nicht, aber die Figur des Mr. V kommt der Karikatur eines machtmissbrauchenden, hochrangigen Beamten schon verdammt nahe. Auch wenn es nur auf ein eventuelles Versagen von Regisseur John Hyams (bisher durch die Umsetzung diverser Teile der unendlichen Universal-Soldier-Reihe auffällig geworden) zurückzuführen ist, dass Mr. V so ist wie er ist, macht Weller in dieser Rolle mächtig Spaß.

© Universal

Von Cung Le kann das leider nicht behauptet werden. Zwar kann er eindrucksvoll Fressen polieren, aber als Hauptdarsteller reicht es einfach nicht aus, nur ordentlich zu kloppen – es sei denn, man heißt Bud Spencer oder Terence Hill. Aber die beiden hatten zumindest etwas, was Cung Le abgeht: Ausstrahlung. Der Vietnamese bleibt bleich. So bleich, dass jeder der kurzen Auftritte von Jean-Claude Van Damme ein herbeigesehnter Farbtupfer ist. Und die Momente, in denen Peter Weller einen auf harten Hund macht, sind eh echte Highlights. Einen Hauptdarsteller mit Profil hätte Dragon Eyes gut gebrauchen können. Womöglich wäre die unrunde Story mit richtig armseligem Ende dann nicht so aufgefallen.

Was sich jetzt anhört wie ein übler Streifen unterster Schublade, ist aber eigentlich ein unterhaltsamer Actionkrimi mit stylischen Kampfeinlagen. John Hyams hat vielleicht das Drehbuch nicht richtig gelesen, was Optik und Choreographien angeht, war er aber hellwach. Es stellt sich die alte Frage, was einem wichtig ist bzw. ob ein Verzicht schwer wiegt. Sind Fights und Farbfilter gerade angesagt, dann ist Dragon Eyes eine gute Wahl. Wenn durchgehend starke Mimen und eine ausgefeilte Geschichte hoch im Kurs stehen, sollten Alternativen in Betracht gezogen werden. So oder so bleibt jedoch festzuhalten, dass Dragon Eyes eines ganz bestimmt nicht ist: schlecht.

Verkaufsstart: 29. November 2012

One Response to “Dragon Eyes”

  • Daniel says:

    Jean-Claude van Damme spielt in diesem Film leider nur eine Nebenrolle als Mentor. Ich fand den Film trotzdem ziemlich gut, weil die Kampfszenen sehr gelungen waren, sie wirkten sehr realistisch und haben großen Spaß gemacht. Natürlich waren die Szenen mit Jean-Claude van Damme am besten, allerdings wie erwähnt, zu kurz. Zum Anfang des Filmes gab es aber eine tolle Szene, dazu habe ich mal ein Making of gesehen. Dort war zu sehen, dass der Darsteller der sich einen Kick von Jean-Claude van Damme abholen, sollte einen Fehler gemacht hat und seinen Kopf zu weit vorne hatte. Das Resultat war eine gebrochene Nase, also ist diese Szene sogar sehr realistisch. Jean-Claude van Damme hatte sich entschuldigt und der Darsteller hat sich gefreut, so hatte er eine Geschichte für seine Kinder. Aber zurück zum Film, der wie gesagt okay ist.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* 9+1=?

Kommentare werden moderiert. Es kann etwas dauern, bis dein Kommentar angezeigt wird.