Drei Enden einer Ära und ein Wochenende

by on 11/13/2014

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Angewandte Filmosophie zum Wochenende

Wir geben euch Tipps für die cineastische Wochenendgestaltung

am 15. und 16. November 2014

cutrin empfiehlt Get – Der Prozess der Viviane Amsalem von Ronit & Shlomi Elkabetz im Kino

© Salzgeber

© Salzgeber

Eigentlich wollte ich heute Mommy empfehlen, weil das neue Werk von Xavier Dolan zweifelsohne zu meinen Favoriten des Jahres gehört. Allerdings bekommt der wahrscheinlich ohnehin genug Aufmerksamkeit – und deswegen schwenke ich um zu Get – Der Prozess der Viviane Amsalem (der übrigens ebenfalls in Cannes lief). Das Kammerspiel erzählt von der israelischen Jüdin Viviane, die vor einem Gericht um ihre Scheidung kämpft. Denn ihr Mann will ihr einfach nicht den dafür notwendigen Scheidungsbrief überreichen und gezwungen werden kann er nicht. Der Film besticht nicht nur durch seine stolze und intensive Hauptdarstellerin Ronit Elkabetz, sondern auch, weil er uns ein Thema vor Augen führt, dass sich hierzulande kaum jemand vergegenwärtigt. Das Scheidungsrecht in Israel kommt aus längst vergangenen Jahrhunderten. Hier gibt es übrigens meine Kritik in voller Länge.

quadzar empfiehlt Melancholia von Lars von Trier am Sonntag, den 20. November um 20:15 Uhr auf arte

© Concorde Video

© Concorde Video

Ich persönlich bin bisher nicht besonders oft mit Lars von Trier in Berührung gekommen. Melancholia war der erste Film von ihm, den ich sah. Was ich gemäß seines Rufs erwartet habe, war bitterböse, nihilistische Endzeitstimmung. Was ich bekommen habe, war bitterböse, nihilistische Endzeitstimmung mit Wohlfühlfaktor. Der Film um die depressive Justine (Kirsten Dunst), ihre Familie und den Meteor, der metaphorisch wie auch real die Erde bedroht, ist wohl dank des schwarzen Humors von Lars von Trier und der gemälde-artigen, melancholischen Bildsprache kein düsterer Selbstzweck, sondern eine eigene, interessante Welt. Figuren wie Justines Schwester Claire (Charlotte Gainsbourg) deren Mann John (Kiefer Sutherland) und Justine selbst sind Aussagen über verschiedene Einstellungen zum Ende und gleichzeitig ausgeformte Charaktere. Melancholia ist ein Film darüber, das Ende nicht nur zu akzeptieren, sondern es sogar herbeizusehnen. Und die Übertragung dieses Gefühls schafft Lars von Trier mehr als effektiv. Viel Spaß!

dennis empfiehlt The Dark Knight Rises von Christopher Nolan am Sonntag, den 20. November um 20:15 Uhr auf RTL

© Warner Brothers

© Warner Brothers

Wer jetzt keine Lust auf das Ende der Welt hat, der kann sich alternativ das Ende einer sehr gelungenen „Trilogie“ anschauen und zwar den letzten Teil von Batman, unter der Regie von Christopher Nolan. Eigentlich müsste man sich vorher nochmal die ersten beiden Teile Batman Begins und The Dark Knight einverleiben, um die Tiefe und vor allem den düsteren Ton zu fühlen, den Christian Bale und Nolan der Figur zusammen verliehen haben – und der  in meinen Augen bitter nötig war. Das Beste am dritten Teil ist aber, dass er auch der einen Seite die Figur wieder zu dem macht, was sie eigentlich ist: einen zwiegespaltenen Helden und das ohne falschen Pathos (was „Abschlussfilme“ leider oft an sich haben). Und zum anderen, weil er viel Stoff für Spekulationen gibt, wie z.B. „Wird Nolan jetzt einen Film über Batmans Helfer Robin mit Joseph Gordon-Levitt in der Hauptrolle machen?“. Spannend wäre es zumindest.

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