Durch die Wolken von Sils Maria in die Apokalypse

by on 12/19/2014

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Angewandte Filmosophie zum Wochenende

Wir geben euch Tipps für die cineastische Wochenendgestaltung

am 20. und 21. Dezember 2014

cutrin empfiehlt Die Wolken von Sils Maria von Olivier Assayas im Kino

© NFP

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Diese Woche gibt es noch einmal die volle Dröhnung Cannes – und Die Wolken von Sils Maria war in diesem Jahr einer meiner absoluten Lieblinge auf dem Festival an der Croisette. Das lag an einem ausgewogenen Maß von Überraschung und Verlässlichkeit: Juliette Binoche war wie immer großartig, Kristen Stewart hingegen hat mich wider Erwarten tatsächlich begeistert. Für das Jahr war das Drama über eine alternde Schauspielerin und ihre jüngere Konkurrenz (Chloe Moretz) nur typisch: zahlreiche Festivalbeiträge dieses Jahrgangs haben das eigene Business reflektiert – und Olivier Assayas ist das ganz besonders gut gelungen. Zum Beispiel via die Musik: der barocke Pachelbel-Kanon und das Largo Xerxes von Händel erzählen auf ihre ganz eigene Weise vom Fortgang der Zeit. Meine Kritik aus Cannes könnt ihr hier noch einmal nachlesen.

© Universum

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filmosophie empfiehlt Ronja, die Räubertochter am Samstag, den 20.12.2014 um 12:40 Uhr auf ZDF Neo:

Die Adventszeit ist auch die Zeit für Märchen- und Kinderfilme. Dazu gehören glücklicher Weise auch die Verfilmungen der Bücher von Astrid Lindgren. Mein absoluter Liebling der Lindgren-Adaptionen ist Ronja, die Räubertochter. Die mutige Räuberstochter beeindruckt mich jedes Mal aufs Neue. Nicht nur weil sie sich traut über den Höllenschlund zu springen, sondern weil sie – quasi auf den Spuren von Martin Luther King wandelnd – trotz eigener Entbehrungen für den Frieden zwischen den verfeindeten Räuber-Clans eintritt. Der geheimnisvolle Wald mit seinen Fantasiewesen ist zugleich faszinierend wie auch unheimlich, die Räuber lustig und die das sich entspinnende Familiendrama trifft mich noch heute zuverlässig mitten ins Herz. Ronja ist eine dieser Mädchenfiguren in Literatur und Film, von denen ich mir viel mehr wünsche. Jedes Kind sollte Ronja, die Räubertochter gesehen haben. Und wer den Film als Kind verpasst hat, kann ihn jetzt am Wochenende nachholen!

 

dennis empfiehlt Apocalypse Now Redux von Francis Ford Coppola auf DVD:

©  Zoetrope Studios

© Zoetrope Studios

Als vor ein paar Tagen auf ARTE eine Dokumentation über Marlon Brando lief, durfte natürlich Apocalypse Now Redux und seine Rolle als Colonel Kurtz nicht fehlen. Ein Film, der seit Jahren zu meinen Lieblingsfilmen gehört und der jedes Mal wenn ich ihn sehe, mich wie eine Sog in seinen Bann zieht und mich nicht mehr loslässt, sodass ich ihn bis zum Ende sehen muss – sei es auch noch so spät. Ja, Francis Ford Coppola hat mit seinem Film in meinen Augen ein Meisterwerk geschaffen, das fast 40 Jahre nach seiner Premiere in Cannes seine Faszination nicht verloren hat. Es ist eine Mischung aus betörenden Bildern, rauschartiger Musik und einem fantastischen Cast von bekannten und bis dahin noch unbekannten Schauspielern, die den Zuschauer einnimmt und ihn wirklich in die Dunkelheit der menschlichen Seele und ins Herz der Finsternis zieht. Und ja, in meinen Augen ist die längere Redux Version sehenswerter, weil sie noch mehr und eindeutiger die Absurdität der Reise und des Krieges darstellt.
Apropos, der Trailer zu diesem Film ist schon wegen seiner ungewöhnlichen Länge sehenswert!

quadzar empfiehlt Der verbotene Schlüssel von Iain Softley am Freitag, den 19. Dezember um 23:50 Uhr auf ZDFneo

© Universal Pictures

© Universal Pictures

Es ist schon etwas her, dass ich Der verbotene Schlüssel zuletzt gesehen habe. Aber ich kann mich noch daran erinnern, dass dieser Film eine der beängstigenden Darstellungen von Voodoo überhaupt bietet: Wenn du daran glaubst, wird es wahr. Das mag so als Satz nicht besonders viel hermachen, aber der Film weiß ihn als perfides Psychospiel umzusetzen. Die Krankenschwester Caroline (Kate Hudson) übernimmt die Pflege eines scheinbar neurotischen, dementen alten Mannes Ben (John Hurt) in einer sumpfigen Villa in Louisiana und unterstützt damit dessen ebenfalls alternde Frau Violet (Gena Rowlands). Schon bald wird ihr klar, dass Ben vielleicht guten Grund zum Fürchten hat und dass ihr Umfeld nicht das ist, was es vorgibt zu sein. Wie bei einer Lovecraft-Geschichte bekommen wir es mit einer Protagonistin zu tun, der nach und nach Stücke von seinem rationalen Weltbild abwerfen muss, um es schlußendlich ganz durch ein furchtbares und inakzeptables zu ersetzen. Und das macht Gänsehaut.

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