Ein Stöckchen, das Musik macht

by on 01/24/2014

Flattr this!

Dieses Mal wurde uns ein singendes und klingendes Stöckchen von l’âge d’or zugeworfen und zwar mit dem Thema „15 Songs, die ich in irgendeiner Weise mit meinem Leben verbinde„. Nun ja, da wir ein Filmblog sind und ich Film mit meinem Leben verbinde, kommen ich nicht darum herum 15 Filmsongs aufzulisten. Um dem Stöckchen-Thema aber ganz gerecht zu werden, werde ich es wirklich bei Songs belassen und nicht auf Filmmusik ausweiten. Die Songs sind wild durcheinander gewürfelt und entsprechen keiner Reihenfolge, gerade weil jeder Song seine eigene Magie hat. Auf die Ohren, fertig, los!

SAMSUNG

1. „May It Be“ von Enya

Der Song von Enya spiegelt in meinen Augen viel vom mystischen Geist der Herr der Ringe-Trilogie wider. Vielleicht nicht ohne Grund ist das Lied im ersten Teil der Trilogie, Der Herr der Ringe: Die Gefährten, zu hören. Der Text erzählt von Unsicherheit, vom Aufbruch ins Ungewisse und beschreibt damit treffend die Ungewissheit und das unbekannte Abenteuer, die vor Frodo und seinen Gefährten liegen. Zugleich hat dieses Lied etwas unendlich Trauriges an sich, man spürt das Gefühl des Abschieds und es lässt schon erahnen, dass das Schicksal des Ringträgers Frodo ein Schwieriges und vor allem Unsicheres sein wird. Wer den dritten Teil kennt, weiß was ich meine.

2. „Streets of Philadelphia“ von Bruce Springsteen

Wie ich schon in meiner Kritik zu Dallas Buyers Club geschrieben habe, war der Film Philadelphia mit Tom Hanks, in dem dieser Song vorkommt, wohl der erste den ich zum Thema AIDS gesehen habe. Genau wie der Song von Enya, trägt der Song von Springsteen die ganze Dramatik und Trauer des Films in sich. Graswurzel-Philosoph Springsteen schafft es auch in diesem Song, die stillen, einfachen, leidenden Helden der Gesellschaft zu besingen, die ganz unten sind. Die Textzeilen des Lieds sind wie eine Chronologie der Krankheit des Hauptfigur in Philadelphia und erzählen von der Angst davor, dass nach dem Tod, der unweigerlich kommt, nichts ist als Einsamkeit.

3. „As Time Goes By“ von Herman Hupfeld

Dieser Song ist vermutlich durch Casablanca von Michael Curtiz, für mich der coolste Liebesfilm aller Zeiten, zum Klassiker geworden und geübte Ohren erkennen das Lied schon nach den ersten Tönen. Der Song kam nach Casablanca auch zum Beispiel in Schlaflos in Seattle vor, doch er wird auf ewig mit der Liebesgeschichte von Rick und Ilsa verbunden sein und ist auch das musikalische Grundthema des Films. Abgesehen davon, dass das Lied ein Ohrwurm ist, erzählt es, denke ich, treffend von dem „Kampf“, dem Hin und Her und zugleich von den Illusionen und Wünschen in der Liebe. Play it, Sam. Play „As Time Goes By“.

4. „I Will Always Love You“ von Whitney Houston

OK, this one is cheesy! Der ganze Film Bodyguard ist offen gesagt cheesy. Aber was solls, wer hat gesagt, dass man im Internet nicht auch ein Mal über seine geheimen Film-Leidenschaft sprechen kann. Vielleicht gehört dieser Song in die Kategorie Songs, die man als Jugendlicher nur gemocht hat, weil der Film in dem sie vorkamen, eine Liebesgeschichte gezeigt hat, an der man auch mal teilhaben wollte und sich an die Seite von Whitney Houston gewünscht hat. Auch Jahre später bleibt der Song noch cheesy, aber Houstons Stimme ist und bleibt gerade in diesem Lied einfach grandios.

5. „Wonderful World“ von Sam Cooke

Dieses Lied zählt wohl zu den Gute-Laune-Songs. Zum ersten Mal gehört habe ich ihn im Film Der einzige Zeuge mit Harrison Ford aus dem Jahr 1985 und ich muss sagen, dass ich mich an den Song mehr erinnere als den Film dazu. Der Song beschreibt mit seinem Text nicht nur die unterschiedlichen Welten, die in einer Beziehung aufeinander prallen können, sondern im konkreten Fall auch die wirklich unvereinbaren Lebenswelten der Amish Rachel Lapp (Kelly McGillis) und des Cops John Book.

6. „Fare Thee Well (Dink’s Song)“ von Marcus Mumford und Oscar Isaac

Auf diesen Song oder genauer gesagt den Film dazu, Inside Llewyn Davis, hat mich meine Kollegin cutrin gebracht, die als Folk-Fan vom Film sehr angetan war. Ich habe den Film relativ spät gesehen und war ebenfalls vom ihm begeistert. Zur gleichen Zeit hat er in mir auch meine Leidenschaft für die Folk-Music wieder geweckt. Darüber hinaus war ich positiv von den musikalischen Fähigkeiten von Oscar Isaac überrascht. Ich denke, dass die Songs bei mir den gleichen Effekt ausgelöst haben wie die aus Walk the Line und ich am Ende die Songs aus dem Film lieber hatte als die Originale. Abgesehen davon trifft das Lied, das ursprünglich eine alte englische Ballade aus dem 18. Jahrhundert ist, sehr treffend das Thema des Reisens, des Abschieds oder genauer gesagt des ungewollten hin und her getrieben Seins, fern von daheim, das die Hauptfigur im Film durchleiden muss.

7. „Where My Heart Will Take Me“ von Russell Watson

Ich möchte an dieser nicht nur das Medium wechseln, sondern auch kurz die Erde verlassen und mich in die unendlichen Weiten des Weltalls aufmachen. Das Lied, das ursprünglich von Rod Stewart gesungen wurde, ist der Titelsong der letzten Star Trek-Serie Enterprise, die aus dramaturgischer Sicht sogar vor Kirk & Co. spielt. Die Tatsache, dass ein gesungenes Lied das Opening Theme einer Serie aus dem Star Trek-Universum ist, war definitiv ungewöhnlich, zumal die Themes zu den vorherigen Serien alle musikalisch waren. Die Wahl des Songs sorgte daher auch bei vielen Fans zu Protesten. Ich zähle mich auch zu den eingefleischten Fans, jedoch muss ich sagen, dass das Lied wie die sprichwörtliche Faust auf’s Auge passt. Der Song passt sehr gut, weil er genau das Gefühl des Aufbruchs ins Unbekannte beschreibt, den Mut, den die ersten Raumfahrtpioniere aufgebracht haben, den Drang des Menschen, weiter zu gehen, das Unbekannte zu erforschen und damit eigentlich dem menschlichen Instinkt zu folgen.

8. „I’m Shipping Up To Boston“ von Dropkick Murphys

Jetzt wird es mal rockiger. In meinen Augen wohl der beste Song für den Film Departed – Unter Feinden von Martin Scorsese. Es ist gerade die Härte des Songs, die auch die Brutalität und Intrigen widerspiegelt, die Scorseses Film ausmachen und so schon wieder das Genre des Gangstermovies und das Element der „Straße“ darstellen, das Scorsese so gut beherrscht. Für mich ist der Song dauerhaft mit dem Film verbunden und jedes Mal wenn ich ihn hören, muss ich an die Verfolgungsjagden im Film denken. Umso passender ist es wohl, dass dieser Song über die irische Mafia von einer irisch-amerikanische Folk-Punk-Band gesunden wird.

9. „Suicide is Painless“ von Johnny Mandel

Inhaltlich gesehen ein eher ungewöhnlicher Song. Das Lied ist der Titelsong zu M*A*S*H von Robert Altman, den ich sehr schätze, aber sehr spät für mich entdeckt habe. Viel früher kannte ich die gleichnamige Fernsehserie mit Alan Alda, die mir sehr ans Herz gewachsen ist über die Jahre. Vielleicht nicht ohne Grund habe ich beim Serienfinale Goodbye, Farewell and Amen geheult wie ein Schlosshund. Doch zurück zum Song. Der Text des Liedes beschreibt sehr treffend die abstruse Situation, in der sich „Hawkeye“ Pierce und seine Kollegen während des Koreakrieges befinden und die eigentlich nur dafür das sind, um die Soldaten wieder zusammenzuflicken, um sie dann wieder auf den Feind loszulassen. Sowohl der Film als auch die Serie sind eigentlich eine bittere Komödie über die in der Absurdität des Krieges gefangenen Menschen. Manchmal ein bisschen wie das Leben. Vielleicht gefällt mir deswegen der Song so gut.

10. „The End“ von The Doors

Ein hypnotischer Song, den ich vermutlich immer wieder hören kann. Er ist so hypnotisch wie der Film in dem er vorkommt. Jedes Mal, wenn Apocalypse Now im Fernsehen läuft und ich zufällig einschalte, lässt mich der Film nicht mehr los und ich muss ihn bis zum Ende schauen. Einem kleinen Drogentrip gleich kommt schon die Anfangssequenz, wenn der Song über den berauschenden orangen und roten Farbtönen des brennenden Dschungels zu hören ist, das Geräusch der Hubschrauberrotoren hinzukommt, um dann akustisch in das Flappen des Ventilators eines Hotelzimmers in Saigon zu wechseln. Ein Song wie ein Drogentrip, ein Film wie ein Drogentrip, auf dem Weg in das Herz der Finsternis.

11. „Always Look on the Bright Side of Life“ von Monty Python

Dieses Lied der britischen Komikergruppe ist wohl eine Kreuzung zwischen Gute-Laune-Song und absurdem Song wie eben „Suicide is Painless“. Das Lied ist ein fester Bestandteil des Films Das Leben des Brian, passt aber eigentlich zu jeder Lebenslage. Zugegeben, früher habe ich den Textinhalt nicht so sehr gemocht, weil ich mich nicht mit dem Thema Tod befassen wollte. Doch das ist gerade das Absurde daran. Man beschäftigt sich zu sehr mit dem Thema und mit der Angst davor und vergisst dabei zu leben. In seiner Absurdität erinnert das Lied daran, dass das Leben eigentlich zum leben da ist und man nicht alles dabei super ernst nehmen sollte. „Just purse your lips and whistle – that’s the thing“. Und dann am Ende mit einem Lachen abtreten. Wahre Lebensweisheit!

12. „In the Waiting Line“ von Zero 7

Eigentlich würde ich an dieser Stelle jeden Song aus dem Soundtrack von Garden State empfehlen und auf die Liste setzten. Ich kann mich noch genau an die Umstände erinnern, in denen ich den Film gesehen habe: Es war an einem Sommernachmittag im Cinestar am Potsdamer Platz hier in Berlin. Es war die Nachmittagsvorstellung und nur eine Handvoll von Zuschauern war im Saal. Am Ende kam ich wie beschwingt aus dem Kino. Ich liebe diesen Film über alles, denn – wie es filmosophie auch schon treffend beschrieben hat – spiegelt er genau dieses Gefühl der Verlorenheit, der Entfremdung und der Orientierungslosigkeit wider, das viele in unserer Generation haben. So fühlt man sich ständig in eben der sprichwörtlichen Warteschlage, während andere sich nehmen was sie wollen und einen überholen.

13. „Kal Ho Naa Ho“ von Sonu Nigam

Als bekennender Bollywood-Fan darf in dieser Liste natürlich nicht ein Song aus diesem Genre fehlen. Mit dem Film Lebe und denke nicht an morgen (Kal Ho Naa Ho) verbinde ich viel. Es war der Film, mit dem meine Leidenschaft für das Bollywood Kino begann. Das Lied ist aber, glaube ich, auch beispielhaft für den Geist des Bollywood-Kinos. Er versprüht diese Lust nach Leben, das dieses Genre in vielen der Filme propagiert und zeigt. Vielleicht ein bisschen wie das Lied von Monty Python, zeigt dieser Song – trotz oder gerade wegen des traurigen Hintergrunds des Films -, dass das Leben jetzt gelebt werden muss und nicht auf morgen verschoben werden darf.

14. „Skyfall“ von Adele

Ich bin James Bond-Fan und die Bond-Songs haben schon eine lange Tradition. Ich persönlich finde, dass Daniel Craig der beste James Bond seit Sean Connery ist. OK, darüber lässt sich diskutieren. Er bringt als Figur jedoch genau dieses Virilität zurück, die Bond eigentlich ausmacht und in den Filmen vor Craig abhanden gekommen war. Zur gleichen Zeit ist er menschlicher geworden. Craig, aber vor allem Sam Mendes, haben es nicht nur geschafft die Figur neu zu erfinden, sondern haben sie damit gleichzeitig auch entmystifiziert. Der Inhalt des Songs von Adele ist, glaube ich, beispielhaft für diese Wandlung. Um als neuer oder auch als ursprünglicher Bond aufzuerstehen, muss er erst einmal vom Himmel, von seinem Gottesthron fallen und zurück zu seinen Ursprüngen gehen. Vielleicht ist der Song ein bisschen wie manche Situationen im Leben: um sich selber wiederzufinden, muss man wirklich zum Anfang, zu den eigenen Anfängen zurück und sich auf sich selbst besinnen.

15. „Space Oddity“ von David Bowie

Eigentlich kannte ich diesen Song schon vorher, habe ihn jedoch durch den Film Das erstaunliche Leben des Walter Mitty neu entdeckt. Und es stimmt, was Cheryl Melhoff (Kristen Wiig) im Film über diesen Song sagt: it’s a cool song. Das ist er in der Tat. Es ist ein Lied über einen unerschrockenen Menschen. Ein Lied über den Mut, aus der sicheren Kapsel zu steigen und sich auf ins Unbekannte zu machen. Genau wie der Film von Ben Stiller erinnert der Song von Bowie an das Abenteuer das dort draußen liegt und nur darauf wartet, von einem mutigen Menschen in Angriff genommen zu werden.

Puh, das war’s und hiermit werfe ich das Stöckchen und ein paar Noten hinterher an SchönerDenken, AGM, Medienjournal, Kinderfilmblog und Real Virtuality.
Viel Spaß!

One Response to “Ein Stöckchen, das Musik macht”

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* 6+4=?

Kommentare werden moderiert. Es kann etwas dauern, bis dein Kommentar angezeigt wird.