Filmfestival in Venedig – die Preisverleihung naht

by on 09/08/2012

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© The Weinstein Company

Das Filmfestival in Venedig neigt sich dem Ende zu, was liegt also näher, als zurückzublicken und sich ein paar Gedanken über die Favoriten bei der Preisvergabe zu machen? The Master von P.T. Anderson wurde überwiegend sehr positiv aufgenommen, obgleich der Vergleich mit seinem Vorgänger There Will Be Blood eher zu seinen Ungunsten ausfiel, der dramaturgische ‚Punch’ fehle ihm, hieß es; dennoch wurden die herausragende Inszenierung und schauspielerische Leistungen durchweg hervorgehoben.

Malick-Filme spalten traditionell die Zuschauer, The Tree of Life etwa wurde in Cannes 2011 ausgebuht, konnte aber die Goldene Palme einheimsen. Ähnliches dürfte To the Wonder kaum gelingen, man dürfte sich allerdings schon fragen, wieso man erneut von verwirrten Reaktionen hört. Inzwischen ist die eigenwillige Herangehensweise Malicks doch längst bekannt. Bewunderer des Regisseurs können sich jedenfalls auf eine Art ‚Fortsetzung’ der in Tree of Life begonnenen quasi-autobiographischen Reise freuen.

Im Grunde war es zu erwarten: Brian de Palmas Passion ist nicht das ersehnte Comeback, sondern anscheinend ein fades ‚Best of Brian de Palma zitiert seine Hitchcock-Zitate’. Amüsant ist dies ja stets, aber originell freilich nicht. Daher wird de Palma in den Rezensionen freilich kreative Stagnation vorgeworfen, wie sollte es auch anders sein. Hinzu kommt, dass der Zeitgeist den Thriller-Virtuosen ohnehin überholt hat, bis auf einige zitathungrige Cineasten dürfte sich kaum jemand für sein neuestes Werk interessieren.

Kim Ki-dukPieta über einen brutalen Geldeintrieber wird nun ebenfalls zu den Favoriten gezählt, während für den Preis für die beste weibliche weibliche Hauptrolle Franziska Petri hoch gehandelt wird. Sie spielt im russischen Beitrag Betrayal. eine betrogene Ehefrau, die die Initiative ergreift. Eigentlich müsste Joaquin Phoenix (The Master) bei den Männern als haushoher Favorit gelten, doch zum einen gelten hier ja andere inoffizielle Regeln als bei den Academy Awards – gerne werden auch unbekannte Filme oder Künstler prämiert, die ansonsten unterzugehen drohen –, zum anderen hat die Vergabe in Venedig ihre Tücken. Wenn ein Film den Hauptpreis, den Goldnen Löwen also, gewinnt, sind ihm alle anderen zentralen Auszeichnungen versagt! Das macht das Tippen natürlich nicht einfach, ich versuche dennoch mein Glück:

Goldener Löwe: The Master (P.T. Anderson)
Silberner Löwe – Großer Preis der Jury: Pieta (Kim Ki-duk)
Silberner Löwe – Beste Regie: Marco Bellocchio (Bella Addormentata)
Silberner Löwe – Größte Entdeckung des Festivals: Lovi Poe (The Womb – Sinapupunan)
Beste Darstellerin: Franziska Petri (Betrayal)
Bester Darsteller Lee Jung-jin (Pieta)
Marcello-Mastroianni-Preis – Bester Nachwuchsdarsteller: Clement Metayer (Something in the Air)
Osella – Beste technische Leistung: Kon-Tiki (Joachim Rønning, Espen Sandberg)
Osella – Bestes Drehbuch: Fill the Void (Rama Burshtein)

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jonas reinartz hat in Köln Germanistik, Mittlere/Neuere Geschichte und Anglistik studiert. Generell ist er ein bisschen vernarrt in Kino und Literatur, in Naturwissenschaften eher weniger. Rezensionen für filmstarts.de und literaturkritik.de.

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