Füttere das blutgierige Low-Budget-Auto!

by on 09/11/2012

Flattr this!

© Ascot Elite

© Ascot Elite

Es ist stets beeindruckend, wenn es Menschen gelingt, aus wenig viel zu machen. Das gilt selbstredend auch für das Filmbusiness. Immer wieder erscheinen Low-Budget-Werke die beweisen, dass es keine Geldmittel in der Höhe des Bruttoinlandprodukts eines afrikanischen Staats braucht, um einen ordentlichen Film abzuliefern. Was als Low-Budget-Produktion angesehen wird, ist allerdings trotzdem äußerst relativ. Orientieren kann man sich an den fünf von der Screen Actors Guild festgelegten Kategorien, nach denen die Schauspielerbezahlung erfolgt. Das Budget in der niedrigsten Kategorie beträgt laut dieser Einteilung 75.000 Dollar oder weniger, das in der höchsten irgendwo bei 2 bis 2,5 Millionen Dollar (die Angaben weichen hier etwas ab). Die letztgenannte Summe würde für einige Filmfreunde den Schluss nahe legen, dass es sich kaum um eine Low-Budget-Produktion handelt. So ganz stimmt das natürlich nicht, denn es müssen immer das Genre und damit verbundene finanzielle Aufwendungen im zum Beispiel tricktechnischen Bereich beachtet werden.

Die erstgenannte Kategorie hingegen ist ohne jeden Zweifel Low Budget. Und wer weit unter den maximal veranschlagten 75.000 Dollar liegt, der bewegt sich im lowsten Low-Budget-Sektor –  so wie Alex Orr und sein Film Blood Car. Der war ganz klar niedrig budgetiert, denn die Produktionskosten beliefen sich auf mickerige 14.000 Dollar. Ich habe schon Filme gesehen, die das Zehntausendfache gekostet haben und wesentlich schlechter waren. Mit geringen Mitteln so etwas auf die Beine zu stellen, nötigt mir, wie bereits erwähnt, Respekt ab. Dass Blood Car mit überschaubaren Finanzen gedreht wurde, ist zwar zu jedem Zeitpunkt deutlich sichtbar, doch Regisseur Alex Orr scheint genügend Talent mitzubringen, um doch noch einiges rauszuholen. Da könnten sich andere Low-Budget-Filmer wie Jochen Taubert und Konsorten mal eine Scheibe von abschneiden.

© Ascot Elite

© Ascot Elite

Die Idee eines Autos, das mit Blut fährt, gab es zwar schon bei Der Autovampir von Juraj Herz, aber damit haben sich die Parallelen auch schon erledigt. Blood Car hat somit eine exklusive Geschichte, die auf skurrile, schwarzhumorige, leicht perverse Weise erzählt wird und wirklich prächtig zu unterhalten weiß. Im Mittelpunkt steht der vegan lebende Grundschullehrer Archie (Mike Brune), der an einem Motor arbeitet, der mit Weizengrassaft läuft. Eine solche Erfindung tut Not, denn die Ölkrise hat zu diesem Zeitpunkt ihren Höhepunkt erreicht. Durch Zufall entdeckt Archie jedoch, dass nicht Weizengrassaft sondern Blut den Motor anspringen lässt. Ein Ventilatorhäcksler im Kofferraum leitet den Lebenssaft direkt in den Tank, wodurch Archie cruisen kann und damit die Aufmerksamkeit seiner Angebeteten (Katie Rowlett) erhält. Anfangs nutzt er Tierblut als Treibstoff, doch eines Tages findet Archie heraus, dass das von Menschen wesentlich effektiver ist. Was in der Folge passiert, kann sich wohl jeder ausmalen…

© Ascot Elite

© Ascot Elite

Dass eine gute Storyidee nicht ausreicht, ist hinlänglich bekannt. Selbst ein Low-Budget-Film benötigt Schauspieler, die dazu in der Lage sind, den Stoff zu transportieren. Und tatsächlich agieren alle Schauspieler passabel, weit über dem gängigen Niveau preisgünstiger Filme. Selbst auf ein bekanntes Gesicht muss der Zuschauer nicht verzichten: die naturniedliche Anna Chlumsky, die ihre Popularität dem anrührenden Film My Girl – Meine erste Liebe und dem netten Nachfolger My Girl 2 – Meine große Liebe verdankt, stellt die unschuldige Verkäuferin Lorraine dar.

Es lässt sich festhalten, dass Blood Car eine überraschend gelungene, sympathisch angetrashte, kostengünstige Horrorkomödie ist, die sich nicht zu verstecken braucht. Ich lasse mich sogar dazu hinreißen, von einer kleinen Genreperle zu reden. Wer sich von einem niedrigen Budget nicht abschrecken lässt oder gar ein Faible für solche Filme hat, der sollte Blood Car eine Chance geben.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* 8+1=?

Kommentare werden moderiert. Es kann etwas dauern, bis dein Kommentar angezeigt wird.