Game of Werewolves – Die Jagd beginnt!

by on 11/23/2012

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© Senator Home Entertainment

Werwölfe gehen immer. Seit ziemlich genau 100 Jahren treibt das unheimliche Wesen in Filmen und Serien sein Unwesen. Der Stummfilm The Werewolf von Henry McRae aus dem Jahr 1913 war wahrscheinlich das erste Werk, das den Wolfsmenschen auf der Leinwand zeigte. Über die Jahrzehnte folgten Dutzende weiterer Filme, die sich des Werwolf-Themas annahmen. Modernere Exemplare sind unter anderem Das Tier von Joe Dante, American Werewolf von John Landis, die Ginger-Snaps-Reihe, Underworld und natürlich – zumindest teilweise – die Twilight-Filme. Aber nicht nur in den USA war der Werwolf stets sehr beliebt. Auch die Spanier haben recht früh den Werwolf als attraktiven Aufhänger für einen Film entdeckt, die Waldemar-Daninsky-Reihe beweist dies eindrucksvoll. Warum also mit einer solchen Tradition brechen? Mit Game of Werevolves – Die Jagd beginnt! gibt es mal wieder einen Genrevertreter von der iberischen Halbinsel.

Die Geschichte handelt von dem erfolglosen Romanautor Tomás Mariño (Gorka Otxoa), der auf Einladung in sein früheres Heimatdorf zurückkehrt, das er in jungen Jahren verlassen hat. Es scheint, als ob ihm hier Anerkennung für seine Arbeit als Schreiber zuteil werden soll, denn ihm wurde die Verleihung der Ehrenbürgerschaft versprochen. Zugleich will Tomás die Gelegenheit nutzen, um an seinem neuen Buch mit dem Titel „Zurück zu den Wurzeln“ zu arbeiten. Doch daraus wird nichts, denn wie sich schnell herausstellt, sind die Dorfbewohner keineswegs darauf aus, Tomás zu ehren. Vielmehr wollen sie ihn opfern, um einen 100 Jahre alten Fluch zu brechen, der auf dem verfallenen Dorf liegt und an dem eine Verwandte Tomás‘ Schuld ist. Dabei handelt es sich nicht um irgendeinen harmlosen Fluch, sondern um einen äußerst gefährlichen: Ein Werwolf bedroht die Dorfbewohner! Tomás, Calisto (Carlos Areces), ein Kumpel aus Kindheitstagen, Mario (Secun de la Rosa), Tomás’ betrügerischer Verleger, und der Hund Vito, der eigentlich Tomás’ Ex-Freundin gehört, befinden sich gemeinsam in einem tiefen Schlamassel, aus dem sie sich nun befreien müssen. Und wenn der Fluch nicht zum 100sten Jahrestag gebrochen wird, beginnt ein zweiter, noch schlimmerer…

Die Story lässt den Verdacht bereits keimen, dass es sich bei Game of Werevolves – Die Jagd beginnt! um keinen reinen Horrorfilm handelt und die Aufmachung der DVD verstärkt diesen Eindruck noch. Und es stimmt, Game of Werevolves – Die Jagd beginnt! ist kein purer Horrorfilm, sondern eine Horrorkomödie. Und ich schicke es vorweg: Eine sehr ordentliche Horrorkomödie. Auszeichnungen, die auf Festivals verliehen wurden, sind oft kein besonders zuverlässiger Maßstab dafür, ob ein Film tatsächlich etwas taugt. Sei’s drum: Game of Werevolves – Die Jagd beginnt! hat zum Beispiel beim San Sebastian Horror & Fantasy Film Festival den Publikumspreis abgeräumt. Und auch beim diesjährigen Fantasy Filmfest zeigten sich die Besucher begeistert. Bestimmt nicht zu Unrecht. Writer/Director Juan Martínez Moreno hat das Rad zwar nicht neu erfunden, aber eine über die volle Laufzeit unterhaltsame Werwolf-Komödie mit einer insgesamt originellen Geschichte, einigen guten Gags, ein paar annähernd legendären Szenen und einer Prise Grusel vermengt mit einem Schuss Splatter geschaffen. Wer also etwas in der Art von Teenwolf erwartet, liegt komplett daneben.

© Senator Home Entertainment

Dass liegt zu einem Großteil daran, dass das bestimmt nicht allzu hohe Budget nicht im Unverstand verballert, sondern sinnvoll und mit Augemaß eingesetzt wurde. Es fängt damit an, dass Computereffekte keine bedeutende Rolle spielen. Die Werwölfe bestehen nicht aus Pixeln, sondern aus Material, das ein Maskenbildner verwendet. Einen gewissen trashigen Gehalt kann dieser so herrlich unmodernen Machart nicht abgesprochen werden. Aber sicherlich nicht nur dem Genre-Kenner wird auffallen, dass die Werwolf-Optik sich nicht an heutigen Varianten der legendären Bestie orientiert, sondern an früheren. Das Aussehen dieser Werwolf-Generation wurde nachhaltig von dem Klassiker Der Wolfsmensch aus dem Jahr 1941 geprägt und fand unter anderem auch in spanischen Werwolf-Filmen Verbreitung (zumindest sind die Ähnlichkeiten auffällig). Und eben da setzt Game of Werewolves – Die Jagd beginnt! an. Nicht nur das Werwolf-Design hat Charme, sondern auch die Umgebung, in der der Film gedreht wurde. Das Dörfchen in Galizien liegt atmosphärisch auf einer Ebene mit den kleinen Gemeinden, in denen frühere Werwolf-Filme häufig spielten.

Dass Game of Werewolves – Die Jagd beginnt! so gut funktioniert, ist zu einem erheblichen Teil den Schauspielern zu verdanken. Oft kam es schon vor, dass gute Ideen an den mangelhaften Fähigkeiten der Darsteller scheiterten. Hier ist das nicht der Fall, ganz im Gegenteil. Sie tragen den Film mit ihren überzeugenden Darbietungen. Aber um keine falschen Erwartungen zu wecken: Ein neuer Robert De Niro ist keiner von ihnen. Allerdings bewegen sie sich deutlich über dem Niveau, das dann und wann in vergleichbaren Genre-Produktionen geboten wird. Oder um es kurz auszudrücken: Die Schauspieler sind gut.

Nicht nur ausgewiesene Fans von Werwolf-Filmen und Horrorkomödien sollten Game of Werewolves – Die Jagd beginnt! eine Chance geben. Auch diejenigen, die eher genrefremd sind, könnten an diesem Film durchaus Gefallen finden. Und wenn man sich mit ein paar Trailern und Filmtipps anstatt eines umfangreichen Bonusmaterials abfinden kann, dann ist die deutsche DVD von Senator Home Entertainment dafür genau richtig.

Verkaufsstart: 14. Dezember 2012

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