Grabbers

by on 12/14/2012

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© Ascot Elite

Woran denkt ihr, wenn es um Monsterfilme geht? An Das Ding aus einer anderen Welt? Frankenstein? King Kong und die weiße Frau? Allesamt großartige Genrevertreter, echte Klassiker. In diese Riege aufzusteigen haben schon viele Filmemacher versucht – und sind meistens gnadenlos gescheitert. Es bedarf keiner ausführlichen Recherche, um zig Monsterfilme zu finden, die vollkommen in die Grütze gingen, sei es unter künstlerischen und/oder finanziellen Aspekten. Hin und wieder kommt es jedoch vor, dass ein Film veröffentlicht wird, der nicht das ganze Genre der Lächerlichkeit preisgibt. Eines dieser Werke ist Grabbers.

Nicht falsch verstehen, Grabbers ist durchaus zum Lachen, aber eben keineswegs lächerlich. Vor allen Dingen beeindrucken Herkunft und Handlungsort dieser Horrorkomödie: Irland. Der Inselstaat ist nicht wirklich für seine Filmindustrie bekannt, und noch weniger für Monster Movies. Was in Deutschland jedoch beinahe ein Ding der Unmöglichkeit ist, sprich einen ordentlichen, über Low-Budget-Niveau gehenden Genrefilm zu produzieren, scheint in Irland zu funktionieren (wenn auch mit britischer Unterstützung). Dass Grabbers nicht zu den vergessenswerten Vertretern gehört, hat gute Gründe. Zum einen  spielt Regisseur Jon Wright die Monsterfilmklaviatur wie es sich gehört. Zum anderen hat Drehbuchautor Kevin Lehane zumindest eine geniale Idee gehabt, die zu Irland passt wie die Faust aufs Auge. Ich möchte das Pferd aber nicht von hinten aufzäumen. Also auf Anfang:

Auf Erin Island geht es ruhig zu – sehr ruhig. Für Polizist O’Shea bleibt da genügend Zeit, sich immer wieder ordentlich einen reinzuschütten. Selbst als die attraktive und ehrgeizige Lisa Nolan als kurzzeitige Vertretung eintrifft, ändert er seine Trinkgewohnheiten nicht. Doch dann geschehen seltsame Dinge: Fischer verschwinden spurlos und tote Wale liegen am Strand herum. Und dann fängt der dauerblaue alte Paddy Barrett mit seiner Reuse auch noch ein seltsames Wesen. Logisch, dass zwischen den Ereignissen ein Zusammenhang besteht. Tintenfischähnliche Aliens haben die Insel in Beschlag genommen! Die Brut braucht zum Überleben dringend Wasser und Blut. Da es in Irland beinahe ständig regnet, ist das erste Problem schnell gelöst. Und auch an den Lebenssaft scheinen die Viecher leicht zu kommen, denn es gibt ja ein paar Inselbewohner. Was also tun? Durch Zufall und Paddy finden O’Shea, Lisa und der Meeresökologe Smith heraus, wie sie sich gegen die Monster verteidigen können: durch reichlich Alkohol! Die Insulaner müssen also wortwörtlich um ihr Leben saufen. Aber selbst ein Ire muss sich ranhalten, um so schnell Alkohol in den Blutkreislauf zu leeren, dass die sich rasant vermehrenden Außerirdischen keine Chance mehr haben…

© Ascot Elite

Sich den Kanal vollballern, um blutsaufende Tentakelaliens ihr Lieblingsgetränk madig zu machen? Das ist eine wahnsinnig geile Idee! Zudem wird auf sympathische Art und Weise mit dem Klischee des daueralkoholisierten, ungehobelten Iren gespielt. Nur leider, leider gelingt es nicht so ganz, den spitzenmäßigen Gedanken ebenso spitzenmäßig umzusetzen. Am Ende des Films kommt man zu der Erkenntnis, dass irgendwie ein bisschen mehr aus der Saufen-gegen-die-Alieninvasoren-Idee hätte gemacht werden können. Wo manche Filme das Problem haben, dass der Grundgedanke keine ganze Story trägt, ist hier genau das Gegenteil der Fall: Das Trinkmotiv hätte ruhig stärker ausgedehnt werden dürfen, das Potenzial wäre dagewesen. Jon Wright und Kevin Lehane verlassen sich aber stattdessen auf althergebrachte Genrevorgaben (SPOILER): Loser wird zu Held inklusive Love Story und finaler Explosion.

Dass außerdem nicht jeder Dialog fein ausgearbeitet wurde und manche Gags eher Rohrkrepierer sind, trübt den Gesamteindruck allerdings nur leicht. Zu schick ist die Optik, zu stark die CGI-Effekte und zu witzig sind manche Figuren, allen voran der kauzige und bärbeißige Paddy (Lalor Roddy). Richard Coyle als Hauptcharakter Ciarán O’Shea bleibt leider etwas blass im Vergleich mit anderen Darstellern. Ruth Bradley, die Lisa Nolan verkörpert, macht es da schon besser. Im Monsterfilmgenre sind solche Kritikpunkte aber Marginalien, weshalb ich mit ruhigem Gewissen eine Empfehlung für Grabbers aussprechen kann.

Verkaufsstart: 04. Dezember 2012

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