Hangover Part III

by on 05/27/2013

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© Warner Bros.

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Ich bin erschüttert und fühle mich regelrecht misshandelt. Das ist ein sehr unschönes Gefühl, wenn man bedenkt, dass ich aus dem Kino komme, einem Ort, den ich so sehr mag, den ich liebe und schätze. Ich mag so ein Gefühl nicht und schon gar nicht nach einem Film. Leider aber kann ich es nicht verdrängen. Gerade wegen meiner Einstellung zum Film und zum Kino (Ich liebe beides) bin ich kein Fan davon, Verrisse zu schreiben. Oftmals habe ich dabei ein schlechtes Gewissen, so schlecht über das zu schreiben, was ich eigentlich so gern mag. Leider aber fühle ich mich moralisch dazu verpflichtet über diese Frechheit von Film, die Hangover Part III einfach ist, zu schreiben. Vielleicht nur dafür, dass vielen Leute dieses schreckliche Gefühl erspart bleibt, das ich gerade empfinde.

Das Gute ist, dass es dieses Mal keinen Hangover gibt. Warum dieser Film trotzdem so heißt? Naja, es sei dem Franchise geschuldet. Das Schlechte aber ist, dass man sich am Ende wünscht, es hätte einen gegeben. Alan (Zach Galiflianakis) muss den Verlust seines Vaters verkraften. Aufgrund seiner sowieso schon sehr instabilen Psyche ist das nicht allzu leicht. Seine Freunde Stu (Ed Helms), Phil (Bradley Cooper) und Doug (Justin Bartha) wollen ihn zur Hilfe in eine psychiatrische Klinik bringen. Doch natürlich geht auf dem Weg dorthin alles Drunter und Drüber. Sie werden von einem Drogendealer namens Marshall (John Goodman) überfallen, der Doug als Geisel nimmt. Dieser kommt erst wieder frei, wenn das Wolfpack Mr. Chow (Ken Jeung) gefunden und zu Marshall gebracht hat. Der soll nämlich Goldbarren im Wert von 21 Mio. Dollar von Marshall geklaut haben.

Der Film ist einfach nicht lustig. Eigentlich müsste das schon reichen, aber vielleicht sollte ich doch noch ein wenig ausführen. Zugegeben, Zach Galiflianakis hat ein paar gute Momente im Film, auch wenn sich der ganze Film wie eine One-Man-Show von ihm anfühlt. Die paar Momente reichen aber natürlich nicht aus. Insgesamt wirkt der Film nicht mehr wie eine Komödie, sondern eher wie ein Heist-Movie. Diesmal führt er sie durch mehrere Städte und es gibt einige Verfolgungsjagden. Es wurde wohl versucht Humor in diese Szenarien zu bringen, nur wirken die noch gezwungener und aufgesetzter als in den anderen Teilen vorher. Den ersten Teil fand ich übrigens gar nicht so schlecht, vor allem wegen seiner doch vorhandenen Originalität. Hier allerdings ist davon nichts mehr zu spüren. Es verkommt alles viel zu sehr zu einem Actionfilm, der dann einfach nur noch langweilig ist, denn für einen solchen ist das alles natürlich sehr lahm inszeniert. Die Darsteller scheinen übrigens alle keine richtige Lust mehr auf das Franchise zu haben, dem sie so viel zu verdanken haben. Gerade Bradley Cooper steht die Unlust ins Gesicht geschrieben. So fokussiert sich der Film viel zu sehr auf Mr. Chow, denn Ken Jeung hat wohl an Popularität gewonnen und mit seiner Rolle in Community auch weiterhin Erfolg, aber er scheint noch am meisten Bock auf diesen Film gehabt zu haben. Das zerstört aber total die Chemie des Wolfpacks und die Freundschaftsthematik, die vor allem im ersten Teil noch ganz gut war.

© Warner Bros.

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Vielleicht ziehen wir hier ein kurzes Fazit: Der Film ist nicht lustig. Die Darsteller haben keinen Bock auf den Film und das ist spürbar. Die Action ist ziemlich lahm. Alles fühlt sich ziemlich gezwungen und unnatürlich an. Das ist wohl das beste Rezept für einen schlechten Film. Den könnte ich ja auch ohne so sehr zu fluchen hinnehmen, aber kommen wir nun dazu, was mich so abgestoßen hat.

Der moralische Aspekt des Humors, den ich eigentlich fast nie kritisiere, weil mein Humor eine große Spannweite hat, ist hier das, was das Fass zum Überlaufen gebracht hat. Ich kann morbiden und schwarzen, sehr stumpfen und auch Slapstick-Humor akzeptieren. Hier allerdings möchte ich nicht von Humor sprechen. Es ist einfach nur sinnlos, was hier passiert. Schon in der ersten Szene (die auch, wenn auch nicht vollstädnig, im Trailer zu sehen ist) hat mich der Film verloren. Einer Giraffe wird der Kopf abgerissen, der danach ein Verkehrschaos verursacht. Die Szene wird in ihrer Gänze gezeigt, der Giraffenkopf fliegt durch die Gegend und landet in der Windschutzscheibe eines anderen Autos. Andeutungen oder Dinge die unausgesprochen witziger sind, werden hier nicht berücksichtigt; kein Feingefühl, sondern voll auf die Fresse. Eigentlich ja nicht zwingend etwas Schlimmes, aber hier einfach so dumm, so unintelligent, dass es abstoßend ist. Die Unnötigkeit solcher Szenen wird aber noch gesteigert. Mr. Chow erstickt einmal einen Hahn, den er für Hahnenkämpfe ausgebildet hat. Die Szene geht fast eine Minute und Chow lässt pseudo-komische Sprüche dabei ab. Dem Zuschauer muss aber spätestens hier der Lacher im Halse stecken bleiben. Das Wolfpack und Chow brechen auch einmal in eine Villa ein, um Goldbarren zu stehlen. Die Villa wird von Hunden bewacht, die von Chow betäubt werden. Chow trickst das Wolfpack aus, sperrt sie in der Villa ein und flüchtet. Später erfährt man (ohne, dass die Szene gezeigt wird), dass Chow den Hunden bei seiner Flucht das Genick gebrochen hat. Warum? Warum muss das unbedingt erwähnt werden? Das ist nicht lustig, das hilft der Story nicht (der kann sowieso nicht mehr geholfen werden) und es ist schlichtweg sinnlos, das zu erwähnen. Irgendjemand, ich weiß nicht ob Drehbuchautor oder Regisseur, muss einen gewaltigen Hass auf Tiere habne, nein einen Hass auf alles Lebendige, denn Menschen werden ebenfalls teilweise sinnlos erschossen, um Lacher zu provozieren. Das ist einfach ekelhaft, das braucht kein Mensch. Und Filmemacher, die meinen, sich nur auf diese Weise Lacher erhaschen zu können, sollten aufhören Filme zu machen.

Das Erschreckendste an der ganzen Geschichte und auch ein Grund warum ich so schockiert im Kino saß, ist, dass sich einige Zuschauer sehr amüsiert haben bei diesen Szenen. Ich weiß nicht, ob es daran lag, dass es die gleichen Personen sind wie aus den anderen Teilen und sie einfach deswegen lachen mussten, aber ich brauche dafür eine Erklärung, die ich vielleicht irgendwann bekommen werde (Ich hoffe es auf jeden Fall). Wenn so eine Art perverser und perfider Humor bei vielen Menschen funktioniert, muss ich wohl meinen Glauben an das Gute im Menschen endgültig aufgeben. Das ist fernab von jedem guten Geschmack. Ich wundere mich selbst über meine so hart und extrem formulierten Worte, aber so kann man mal sehen, wie sehr mich dieser Film geärgert hat.

Dann aber, ganz am Ende, mitten im Abspann, den ich so sehnsüchtigst erwartet habe, gibt es doch noch den im Titel des Films versprochenen Hangover. Nur ist diese Szene lustiger als der ganze Film vorher und man fragt sich, ob Hangover Part III nicht doch wieder bei seinen Stärken hätte bleiben sollen. Stu hat nach dem Aufstehen Brustimplantate, jetzt auch nicht so extrem lustig, aber auf jeden Fall besser, als Giraffen den Kopf abzureißen. So hätte der ganze Film sein können und auch wenn dieser wahrscheinlich nicht sonderlich gut gewesen wäre, hätte ich den lieber gesehen, als dass was sich Hangover Part III schimpft und höchstens den minimalen Anforderungen entspricht, überhaupt ein Film zu sein. Das Poster und die Trailer versprachen „It all ends here“. Ich sage einfach mal: Zum Glück!

KINOSTART: 30. Mai 2013

Pressespiegel bei film-zeit.de

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