Hans Kloss – Der rote James Bond

by on 07/21/2014

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© 2014 Pandastorm Pictures GmbH

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Königsberg im Jahr 1945. Getarnt als Doppelagent der deutschen Abwehr ist Hans Kloss (Tomasz Kot), Codename J-23, einem der größten Geheimnisse des Dritten Reiches auf der Spur: Dem von den Nazis gestohlenen berühmten Bernsteinzimmer, das aus der von den Russen umzingelten Stadt verschifft werden soll. Doch im Chaos und den Irrungen im Kampf um die zur Festung Königsberg deklarierten Stadt, interessieren sich viele für wertvolle Fracht, unter ihnen auch Hans Kloss‘ alter Gegenspieler, SS-Sturmbannführer Hermann Brunner (Piotr Adamczyk).
Es beginnt ein Rennen und ein Duell zwischen den beiden, das sich über das Kriegsende hinaus erstrecken wird und erst im sozialistischen Polen der 1970er zu einem vermeindlichen Ende kommt.

Wie ich schon bei dem russischen Katastrophenfilm Metro festgestellt hatte, der vor einigen Monaten bei der Russischen Filmwoche hier in Berlin lief, sind wir auf fast schon tragische Art und Weise von den Inszenierungen aus  Hollywood geprägt. Und sobald uns eine andere Interpretation oder Inszenierung eines uns bekannten Genres vor die Augen kommt, schauen wir ein wenig verdutzt.

Was für uns im Westen James Bond war und ist, war für den Ostblock der Doppelagent J-23 und die in den 1960er Jahren erfolgreiche TV-Serie Sekunden entscheiden. Als Kind das im Westen Anfang der 1980er geboren und aufgewachsen ist, kannte ich dieser Serie gar nicht. Erst als ich mich im Studium mehr mit der Film- und Fernsehlandschaft der DDR und auch der des Ostblocks befasst habe, bemerkte ich, wie unterschiedlich geprägt doch die Geschmäcker zwischen Ost und West waren und stellenweise auch noch sind. Genau so war es auch der Fall beim polnischen Kinofilm Hans Kloss – Spion zwischen den Fronten unter der Regie von Patryk Vega, einem Remake der oben genannten polnischen Serie. Und dabei merkte ich auch wieder, wie sehr diese Figur des Spions doch mit Ideologie behaftet ist und sich dafür auch fast schon anbietet: während der Brite James Bond neben größenwahnsinnigen Superschurken auch die Agenten des Ostblocks bekämpfte, war der Feind des osteuropäischen Agent Kloss aber nicht der kapitalistische Westen, sondern in der Logik des Sozialismus richtiger Weise der Faschismus. Und so ist es nur eine logische Konsequenz, dass Kloss Nazis bekämpfen muss.

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Gerade aus den genannten Gründen sollte man als Zuschauer, und als Filmkritiker sowieso, offen für Neues sein – zumal es auch nicht nur James Bond auf der Welt gibt. Auch die Geschichte des Films, also die Suche nach dem berühmten Bernsteinzimmer, das immer wieder in den Gedanken der Menschen herum geistert, hat durchaus seinen Reiz im Rahmen eines Agententhrillers. Es ist aber wohl die Art der Inszenierung die mir ein bisschen Kopfzerbrechen bereitet hat.

Aus der Sicht des production values kann sich dieses Remake durchaus mit großen Hollywood Kinofilmen messen und braucht sich definitiv nicht zu verstecken. Selbst wenn man stellenweise merkt, wie der Film zwischen TV Film und Kinofilm schwankt und sich oft scheinbar nicht entscheiden kann. Was aber wie gesagt nicht zwangsläufig an der gestalterischen oder gar technischen Umsetzung liegt. Einen großen Anteil an diesem Gefühl hat wohl die Schauspielerführung.
Der Film von Vega teilt sich in zwei Teile: ein Strang spielt wie erwähnt während der Kriegswirren der letzten Tage von Königsberg und der andere Strang, der im Verlauf des Films mehr und mehr Vorrang hat, spielt im Ostblock der 70er Jahre. Es liegt auf der Hand, dass die Geschichte eines Agenten nicht ohne den gewissen Pathos und die gewisse Portion dezente Erotik und Virilität auskommen kann und da nehmen sich Bond und J-23 nichts. Doch gerade im ersten Teil in dem Kloss in Action ist, gleicht der Film stellenweise einer Hochglanz-Soap-Opera und man kann sich das Kopfschütteln das ein oder andere Mal nicht verkneifen. Zur gleichen Zeit scheut sich der Film im Gegenzug aber auch nicht brutale Szenen schonungslos darzustellen. Ich denke, dass das auch eine Frage des Geschmacks ist. Dahingehend ist es ganz entspannend sich die polnische Originalversion mit Untertiteln anzuschauen, denn die deutsche Synchronisation – so gut sich auch sein mag – verleiht den ohnehin schon pathetische anmutenden Dialogen noch mehr unnötigen Pathos.

Im Gegensatz dazu verläuft der zweite Teil des Films relativ entspannt und behält nicht diesen Soap-Opera Stil bei. Was wohl auf paradoxe Art und Weise auch daran liegt, dass der zweite Teil die Geschichte des alten Hans Kloss und den noch andauernden Kampf zwischen Kloss und seinem Gegner Brunner thematisiert. Zur gleichen Zeit wird es aber auch stellenweise schwieriger der Geschichte zu folgen, da sich gerade in diesem zweiten Teil die verschiedenen Stränge zusammenfinden, die im ersten Teil angefangen und ausgelegt wurden. Und das ist zuletzt auch das eigentlich Problem des Films. Denn der stolpert zuweilen über die eigenen Stränge bzw. hat der Zuschauer stellenweisen keine Chance mitzukommen, denn sobald eine Wendung kommt und der der Zuschauer erst realisieren muss wie es zu dieser gekommen ist, kommt bereits der nächste Twist.

Am Ende bleibt daher ein bisschen auch die Verwirrung, zumindest bei mir. Doch es bleibt eine interessante Erfahrung zu sehen, wie andere Kinonationen sich dem Thema des Superspions nähern, auch wenn das am Ende nicht unbedingt dem eigenen Geschmack entspricht. Zur gleichen Zeit zeigt sich wieder, wie schwer es ist als Kritiker nicht in allgemein gültige Ansicht zu verfallen und einen Film als weniger gut abzustempeln, nur weil er nicht den eigenen Vorstellungen von Inszenierungen entspricht.
Es steht jedoch außer Frage, dass in diesem Film viel von der polnischen Kinonation und vielmehr von der polnischen Kino- und Fernsehgeschichte steckt als es den Anschein hat. Gemessen an der Tatsache, dass Vegas Film in Polen ein Kinohit war und sicherlich viele der Zuschauer nicht unbedingt die Serie aus den 60er gesehen haben, glaube ich auch, dass in diesem Film auch ein Selbstverständnis, Selbstbild aber auch Selbstverortung zwischen Ost und West einer ganzen Nation steckt, das für Außenstehend oft komisch erscheinen mag und nicht immer nachzuvollziehen ist.

DVD-Start: 22.07.2014

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