Der Hobbit – Smaugs Einöde und der Tod der Fantasie

by on 12/11/2013

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© Warner Brothers

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Langsam glaube ich, Warner Brothers erlaubt sich einen Scherz mit uns. Der erste Teil der Hobbit-Trilogie erhielt in Deutschland den Untertitel „Eine unerwartete Reise“ und stellte, wie ich in meiner Kritik damals schon ausführte, in der Tat eine unerwartete, weil ziemlich schlecht erzählte Reise dar. Und auch bei „Smaugs Einöde“ ist der Name wieder Programm. „Öde“ ist wohl das beste Adjektiv, um diesen Film zu beschreiben. Eine Ein-Wort-Kritik wäre hier eigentlich ausreichend. Aber ich möchte doch etwas weiter ausholen, denn Der Hobbit – Smaugs Einöde ließ mich einmal über die Veränderung unserer Sehgewohnheiten und den Verlust unserer Fantasie nachdenken. Der Hobbit – Smaugs Einöde ist in gewisser Weise das Pendant zum „Nichts“ in Die unendliche Geschichte.

Schleifen statt Linien

Schon Der Hobbit – Eine unerwartete Reise bediente sich großzügig des Notlage-Rettungs-Prinzips. In Der Hobbit – Smaugs Einöde ist es nun zum alleinigen dramaturgischen Gestaltungsmittel aufgestiegen. Die 3-Akt-Struktur war gestern. Exposition, Hauptteil, Konklusion – das ist alles viel zu kompliziert und absolut unnötig. Dazu müsste sich der Zuschauer ja dann auch den Anfang merken, damit das Ende wieder Sinn macht und so weiter. Sehr viel einfacher ist es, die Figuren einfach von Problem zu Problem laufen zu lassen. Fast wie in einem Computerspiel begeben sich Bilbo (Martin Freeman) und seine klein gewachsenen Mitstreiter nun von einer Notlage in die nächste, die selbstredend stets in letzter Sekunde aufgelöst wird, erneut häufig durch die Einmischung einer externen Figur. Diese Figuren werden nicht in die Handlung eingeführt, sie tauchen einfach auf und verschwinden oft eben so plötzlich.

Von Einführung kann bei diesem Film ohnehin nicht die Rede sein. Begann der erste Teil noch mit einer etwa halbstündigen Exposition, die das Publikum mit ihrer Informationsflut geradezu überschwemmte, verzichtet Der Hobbit – Smaugs Einöde bewusst darauf, Zuschauer ohne Tolkien’sche Vorbildung in die bisherigen Ereignisse einzuweihen. Da es aber ohnehin keinen kohärenten Spannungsbogen in diesem Film gibt, ist das auch nicht weiter schlimm. Das Notlage-Rettungs-Prinzip kann auch ein Schimpanse verstehen.

Vielleicht liegt es an meinem Desinteresse an Computerspielen, dass mir diese Art der Dramaturgie so vollkommen fremd ist. Andererseits meine ich, trotz all meiner Unkenntnis doch von Spielen gehört zu haben, die durchaus über eine komplexe Storyline verfügen. Der Hobbit – Smaugs Einöde ist also vielleicht eher so wie jene PC-Spiele, die ich als Kind besaß: Adventures, bei denen man Gegenstände sammeln, mit Menschen reden und stets irgendeine Art von Rätsel lösen musste, um den Ort zu wechseln und damit auch das nächste Level zu betreten. Genauso fühlt sich Der Hobbit – Smaugs Einöde an. Ich war so gelangweilt, dass ich bereits nach 30 Minuten das Ende des Films herbei sehnte.

© Warner Brothers

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CGI statt Magie

Konnte der Vorgänger mich trotz ähnlicher dramaturgischer Schwächen noch mit seiner Optik begeistern, verstärkt das Übermaß an CGI im Falle des aktuellen Hobbit-Films nur noch mein Gefühl, einem schlecht geschriebenen Computerspiel beizuwohnen. Von ein paar gewohnt eindrucksvollen Landschaftsaufnahmen abgesehen, scheinen doch die meisten Kulissen eher dem Green Screen zu entspringen. Insbesondere in den Kampfszenen sehe ich keine Menschen mehr, sondern lediglich Avatare, deren Schicksal mich eben nicht mehr tangiert als das von Super Mario. Dass die Notlage-Rettung-Dramaturgie keinen Raum für Charakterentwicklung lässt, kommt hier erschwerend hinzu. Dies ist selbstredend eine sehr subjektive Empfindung, aber ich persönlich bin einfach CGI-satt. Der Drache Smaug kann noch so gut gelungen sein (auch wenn er ohne die Stimme von Benedict Cumberbatch sicher nur halb so genial wäre), ich habe einfach keine Lust mehr, mir Computeranimationen anzusehen. Ich will Schauspieler. Ich will eine Kamera, der es gelingt, der Realität Magie abzugewinnen, die mich Dinge neu oder doch zumindest anders sehen lässt als es meine alltägliche Beobachtung kann. Der Hobbit – Smaugs Einöde zeigt eindrucksvoll, wie viel das Medium Film verliert, wenn es zu einer Technik- und Stunt-Spielerei verkommt. Zu Beginn finden wir das noch aufregend, aber irgendwann wird uns schmerzlich bewusst, dass hinter all dem filmtechnischen Fortschritt einfach oft die Seele fehlt.

Es fällt uns scheinbar auch nichts mehr ein, das wir erzählen könnten. Deshalb wird ein vergleichsweise kurzes Kinderbuch in einen dreiteiligen Epos ausgedehnt. Deshalb gibt es die Fan Fiction der Fan Fiction der Fan Fiction (beliebige Wiederholung einfügen) eines von vornherein nicht adaptionswürdigen Buches. Deshalb kommt uns in Der Hobbit – Smaugs Einöde alles bekannt vor. Große Spinnen, kleine Menschen, die durch große Höhlen laufen, weißhaarige Zauberer in Extremsituationen. Es ist, als würde uns Der Hobbit – Smaugs Einöde unbedingt vor Augen führen wollen, dass „Fantasien“ schon lange vom Nichts verschlungen wurde, weil wir statt neue Ideen zu entwickeln nur noch Altbekanntes wiederkäuen können.

 

©  Warner Brothers

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Ich kann – und das tut mir leid, da sich das nicht gehört – über Der Hobbit – Smaugs Einöde einfach kein positives Wort verlieren. Nicht nur, weil es ein schlechter Film ist, der sein Publikum um viel Geld betrügt (man bedenke den Aufschlag für Überlänge und 3D), sondern auch weil es sich hier um ein derart trauriges Zeugnis des heutigen Blockbuster-Kinos handelt. Mir bleibt nur eine Hoffnung, und auch das gehört sich eigentlich nicht, nämlich dass Der Hobbit  – Smaugs Einöde an den Kinokassen kläglich scheitert. Das würde nämlich beweisen, dass es noch Menschen gibt, die gut erzähltes Kino und die Magie, die es mit sich bringt, zu schätzen wissen, dass es noch Durst nach neuen Ideen gibt und dass die kindliche Kaiserin noch irgendwo in ihrem Elfenbeinturm sitzt und zu Recht auf Rettung wartet.

Kinostart: 12. Dezember 2013

Pressespiegel bei film-zeit.de

Lieber mal wieder nach Fantasien reisen:

16 Responses to “Der Hobbit – Smaugs Einöde und der Tod der Fantasie”

  • Christian Galki says:

    Wenn du nach dem ersten Teil immer noch eine „Exposition“, nach „narrativ“ dem aktuellen Lieblingswort der deutschen Filmkritik, brauchst dann brauchst du auch jedes mal eine Erklärung das man erst bei grün über die Straße geht. Deine Kritik hat keine Substanz und wirft mit Behauptungen nur so um sich die alle nicht stimmen und nur deinem persönlichen „sehen wollen“ entsprechen. Es ist nicht dein Kino, gut das muss es auch nicht sein. Nur welchen Mehrwert hat es wenn jemand eine Kritik schreibt der mit dem Genre ansich so gar nichts gemein hat?

  • Daniel says:

    Liebe Sophie,

    sie urteilen ganz schön von oben herab. Mit einem Satz („… würde nämlich beweisen, dass es noch Menschen gibt, die gut erzähltes Kino […] zu schätzen wissen, …“) stempeln sie die vermutlich mehreren Millionen Kinobesucher des Filmes pauschal als unfähig ab, wahre Qualität (natürlich alleine nach ihren Maßstäben), zu erkennen.
    Sie mögen sie Hobbit-Trilogie nicht, das haben sie mehrfach sehr deutlich gemacht und ich kann ihre Anmerkungen zum großen Teil nachvollziehen. Es sei ihnen auch unbenommen. Nur bitte hören sie auf, andere Menschen herabzuwürdigen, nur weil sie nicht ihre Sehgewohnheiten und Ansprüche teilen.

    Sobald ich den Film gesehen habe, teile ich hier gerne meine Eindrücke mit.

  • Ben says:

    Sehr gute Kritik! Und danke, dass es endlich mal jemand auf den Punkt bringt.
    Als alter Tolkien-Fan bin ich schockiert über Der Hobbit.

    der erste Teil wirkte schon als reine Kommerzmaschine, bei der eine mitreißende Story für vollkommen unnötig erklärt wurde. Das zeigen auch die Reaktionen der Zuschauer, die das unterbewusst merken. Beeindruckt von der Machart ist keiner in die Geschichte eingetaucht und fierberte mit den Protagonisten mit, wie das noch bei DER HERR DER RINGE der Fall gewesen ist.
    Wie auch? Es gibt weder einen klassichen Helden für die männlichen Zuschauer – Thorins Charakter wird nur als nebendarstellenden Typen dargestellt, der weder Sympathie noch Interesse weckt. Und Bilbo ist zu naiv, um den erwachsenen Zuschauer zu bewegen – wie auch anders bei einem Kinderbuch?
    Für die weiblichen Zuschauer gibt es keine einzige weibliche Hauptrolle. Die einzige Frau ist Galadriel. Und sie ist vom Archetypen die außer Konkurrenz stehende Mutterfigur. Somit bleibt jeder Zuschauer außenstehender Beobachter und wird nicht in die Welt mit hineingezogen.

    Und beim Hexer von Angmar kommt auch keine große Spannung auf, weiß man doch, dass er in DER HOBBIT gar nicht besiegt werden kann, wenn er doch bis zum dritten Teil von HDR durchhält.

    Also bleibt auch beim zweiten Teil von DER HOBBIT keine große Erwartung. Sehr schade.

  • Sebastian says:

    Sehr schöne Kritik.
    Mir hat der Film gefallen, auch wenn ich als Fanboy nicht abstreiten kann, dass hier in der Kritik oftmals die harte Wahrheit ausgesprochen wurde. Aber ich hatte dennoch gute 160 Minuten. Warum? So ganz erklären kann ich mir das auch nicht. Vielleicht ist es einfach Mittelerde und dieses wohlige Gefühle wieder „daheim“ zu sein. Dazu schafft es Jackson trotz allem irgendwie eine Faszination aufzubauen die mich an seelige Kindheitstage erinnert. Damals als man frisch gebadete und gefönt ins Bett gebracht wurde, die Mutter mit einem dicken Buch sich an den Rand des Bettes setze und einem Abenteuergeschichten vorlaß. Okay, ja, Pathos pur, aber diese Art von Gefühl löste auch „Smaugs Einöde“ in seinen besten Momenten aus. Na ja, wem mach ich was vor, ich bin halt ein Fanboy und hab die rosarote Fanbrille auf. Das muss halt auch manchmal sein. In diesem Sinne: Deine Kritik ist blöd!!!! Du musst den Film auch mal objektiv betrachten!!!!! Du hast vom Genre KEINE AHNUNG!!! 😉

  • Tamara says:

    Endlich! Ich habe lange nach einer Kritik gesucht, die es dermaßen auf den Punkt bringt. Ich bereue es so sehr 10 euro für einen der schlechtesten Filme aller Zeiten ausgegeben zu haben. War ich beim ersten Teil nach einiger Zeit ein wenig gelangweilt, sah ich bei Smaugs Einöde immer wieder auf die Uhr um stöhnend festzustellen noch nicht einmal die Hälfte hinter mir zu haben. Kaum Story, langweilige übertriebene Kampfszenen und unnötige Veränderungen der Romanvorlage. Aber das war nicht das Schlimmste. Die meisten Kritiken kündigten einen düsteren und weniger humorvollen Film, verglichen mit dem ersten Teil an. Leider gab es so viele alberne Szenen, die an einen Kinderzeichentrickfilm erinnern. Es darf nicht einfach eine einfache Fässerflucht sein, nein, zwerg xy muss dreimal in seinem Fass hin und her fliegen, von der Brücke abprallen, im Flug noch 2 Orks erledigen und dann sich wie ein Brummkreisel drehend wieder haargenau im Fass, das im Fluss weitergeschwommen ist landen. Über die übertrieben unlustige Kampfszene in der Seestadt wo ein Ork geköpft wird möchte ich mich gar nicht länger aufregen. Coole Kampfmoves ja, aber nicht ermüdend viele, unrealistisch, alberne. Alle Spannung geht verloren, da (bis auf eine Ausnahme) nie jemand zu Schaden kommt und jedes Rätsel fast sofort gelöst wird. Der Arkenstein liegt in den kilometergroßen Hallen Erebors sofort in Sichtweise Bilbos, die dicken Zwerge schwingen sich von Seil zu Seil und das Drachenfeuer scheint nicht allzu heiß zu sein. Eeeendlos langweilige Dialoge und das Gefühl alles schonmal gesehen zu haben werden nur noch von der Optik eines Computerspiels getoppt :(.

  • Max says:

    Danke für diese gut gelungene Kritik! Fand ich den ersten Teil noch einigermaßen gelungen (mit Schwächen), war der zweite Teil einfach nur schlecht. Du bringst es auf den Punkt: kein Spannungsbogen, keine Geschichte, völliges unsinniges Abweichen von der Vorlage – sehr schade. Ich fand es im ersten Teil z.B. schon ganz gut, dass man eine Referenz auf den Totenbeschwörer einbaute, um den Bogen zu HDR zu spannen, aber warum muss jetzt die ganze Geschichte auf Sauron ausgerichtet werden, inkl. Smaug, der ja auch schon auf ihn wartet. Warum? Damit auch noch der letzte versteht, dass es „nur“ ein Prequel ist?
    Warum die Verfolgungsjagd der Orks? Von Reise kann nun keine Rede mehr sein, denn die Gruppe hetzt von einer Szene in die nächste. Und warum bitte schön muss man eine Liebesgeschichte zwischen einer Elbin und einem Zwerg einbauen. Damit auch Teenager-Mädchen sich am Film erfreuen können?
    Ich hatte Peter Jackson bisher vertraut, weil er die Essenz Tolkins in seinen Filmen gut einzufangen vermochte. Aber diese geht spätestens im zweiten Teil von der Hobbit leider verloren. Sehr schade!

    Max.

  • dedi says:

    ich war in dieser welt, deren eingang sie nicht gefunden haben. und nicht nur irgendwie, sondern mittendrin statt nur dabei. unplötzlich war nichts mehr von der realen welt übrig, ich war teil der gemeinschaft, erlebte jedes abenteuer hautnah – bis in den einsamen berg hinein. und dann stand ich seite an seite mit bilbo vor smaug – die wände wackelten, der boden vibrierte und der drache hatte eine präsenz, die so im kino noch nie zu sehen war. nach der vorstellung – noch halb in mittelerde – läutete das telefon und es ging – wie trivial – um alltagsprobleme. wenigstens hat es mir peter jackson ermöglicht, 3 stunden zu entfliehen und zu vergessen. irgendwie derselbe effekt wie nach dem besuch eines vergnügungsparks: überwältigt von den eindrücken. und genau deswegen wurde dieser film so gemacht…millionen menschen wollen vielleicht manchmal nur staunen, ohne ständig – wie in ihrem alltäglichen leben – mitdenken zu müssen. SIE scheinen das verlernt zu haben…

  • Wolf says:

    DANKE für diese Kritik!!! Endlich mal jemand, der es auf den Punkt bringt.

    Dieser Film ist einfach schlechtes Kino. Auch wenn Tolkien-Jünger es nicht wahrhaben wollen.

  • Daniel says:

    So, habe den Film nun gesehen. Ich sollte vielleicht vorweg sagen, dass ich überwiegend ins Kino gehe, um Filme zu sehen, die eine andere, mir fremde Welt zeigen. Kino ist für mich Rückzug aus dem Alltagstrott. Deshalb vorweg das: Ich habe ihn inzwischen dreimal gesehen.
    Das liegt einfach daran, dass mich die Welt, die Tolkien kreiert hat, sofort in ihren Bann gezogen hat und ich der Meinung bin, das Peter Jackson die kongeniale visuelle und inhaltliche Umsetzung gelungen ist. Eben weil er, losgelöst von finanziellen Erwägungen, auch ein Fanboy ist.

    All denen, die dem Film vorhalten, schlechtes Kino zu sein, möchte ich einen anderen Blickwinkel anbieten: Sophie hat in einem anderen Artikel einmal so wunderbar über die Dramaturgische Gliederung eines Filmes geschrieben, sinngemäß:

    Prolog, 1. Akt, 2. Akt, 3. Akt, Epilog.

    Hier nun hat sie dem Film vorgeworfen, diesen Aufbau vermissen zu lassen. Für sich betrachtet stimmt das zwar, wenn man jetzt jedoch das einbezieht, was Peter Jackson in vielen Interviews betont hat, nämlich das die drei Filme als einer wahrgenommen werden sollen, macht dieser Vorwurf keinen Sinn mehr. Denn dann ergibt sich folgendes Bild:

    – 1. Film = 1. Akt + Prolog (Aufbau des Schachbretts, Einführung der Figuren, Erste Züge)
    – 2. Film = 2. Akt (Dramatisieren und Aufspalten der Handlungsstränge)
    – 3. Film = 3. Akt + Epilog (Konklusion, Großes Finale)

    Die Handlung von „Smaugs Einöde“ hat das Tempo und den Actionanteil eines typischen zweiten Aktes eines geradlinig erzählten Abenteuerfilms. Auch sehr typisch: Es verschwindet sogar der wichtige Nebencharakter (Gandalf) aus der Haupthandlung, um später rechtzeitig zum großen Finale mit unerwarteter Hilfe wieder aufzutauchen. Die Trilogie ist also EIN sehr konventionell aufgebauter, ca. achtstündiger Film, der meiner Meinung nach auch so bewertet werden sollte. Ob einem dieses auschweifende Erzählen gefällt und man einen so langen Film für zumutbar hält, muss jeder für sich eintscheiden.

    Unter rein handwerklichen Gesichtspunkten ist der Film durchaus als gelungen zu bezeichnen. Drehbuch geradlinig und übersichtlich, Kamera, Ton, Musik, Licht, Schnitt, Make-Up, Effekte und nicht zuletzt die Darsteller sind erstklassig. Die CGI-Kreaturen sind so real animiert und glaubhaft in den Film eingebunden, dass zumindest für mich die Illusion vollkommen war. Dazu hat sicher auch die HFR Technik beigetragen, die für ein so gestochen scharfes und klares Bild gesorgt hat, dass man tatsächlich das Gefühl hat, durch ein Fenster in eine fremde Welt zu schauen. Mir hat diese Nähe zur Filmwelt sehr gefallen, auch wenn ich nachvollziehen kann, dass sich ein Kinoerlebnis für manchen nur einstellt, wenn die grobe Körnung und leichte Unschärfe einer klassischen Filmprojektion gegeben sind, weil diese Technik die eigenen Sehgewohnheiten geprägt hat.

    Mein Fazit: Die Trilogie will ein großer, unterhaltsamer Abenteuerfilm sein und dieses Unterfangen gelingt dank der Hingabe des Regisseurs und der hohen handwerklichen Qualität aller Beteiligten hervorragend.

    P.S.: Ich möchte hier gern mit einem Zitat aus „Ratatouille“ schließen, das vor sich vor allem auf den Tonfall, in dem obige Kritik geschrieben ist, bezieht.

    „In many ways, the work of a critic is easy. We risk very little, yet enjoy a position over those who offer up their work and their selves to our judgment. We thrive on negative criticism, which is fun to write and to read. But the bitter truth we critics must face is that, in the grand scheme of things, the average piece of junk is probably more meaningful than our criticism designating it so.“

    • filmosophie
      filmosophie says:

      Vielen Dank für Dein ausführliches und nachvollziehbares Fazit. Über solche Kommentare freuen wir uns wirklich sehr! Alle drei Filme als einen zu begreifen, macht natürlich Sinn, wenn auch mein Anspruch immer derjenige ist, dass ein Film so erzählt sein sollte, dass er auch alleine funktioniert, insbesondere wenn die einzelnen Teile im Abstand von einem Jahr gezeigt werden. Das ist für mich mit Der Hobbit nicht gelungen.
      Da Du ja schon mehrere meiner Kritiken gelesen hast, weißt Du ja, dass ich es mir für gewöhnlich nicht so „einfach“ mache, wie Dein letztgenanntes Zitat es suggeriert. Ein Film muss mich schon sehr ärgern, um von mir verurteilt zu werden. Das trifft auf Der Hobbit in diesem Fall zu. Und da wir hier bemüht sind, unsere Kritiken ausdrücklich subjektiv zu verfassen, spiegelt sich dieser Ärger in diesem Fall auch deutlich in meinem Text wieder.
      Nochmals danke für die Zeit, die Du in diese ausführliche eigene Kritik investiert hast!

  • Alex Halbherr says:

    Danke für die treffende Kritik! Ich komme gerade aus dem Kino, daher sind meine frisch „gewonnenen“ Eindrücke sicherlich mit Skepsis zu betrachten – auch was meine eigene, endgültige Meinung über den Film betrifft. Ich glaube allerdings nicht, dass sich die riesige Enttäuschung über dieses seelenlose, teilweise gut bebilderte Mittelerde-Daumenkino bei nochmaligem Ansehen legen wird.

    Nach einem insgesamt eher enttäuschenden Auftakt, der aber durchaus seine starken, Tolkien- und auch P.Jackson-würdigen Szenen und Sequenzen hatte, ging ich mit dem Vorsatz ins Kino, „Samugs Einöde“ nicht am Buch zu messen und dem Film seine künstlerischen, erzählerischen Freiheiten vorbehaltlos zuzugestehen. Ich wollte einfach nur einen guten „Hobbit“-Film sehen. Leider kam keiner. Vielmehr wurde ich gelangweilt durch eine lächerliche und ärgerliche Aneinanderreihung von Kitsch, dümmlichem Pathos, farblosen Figuren und belanglosen Dialogen. Die Kampfszenen sind NOCH besser choreographiert, die Spezial(?)-Effekte wollen noch bombastischer sein, krampfhaft wird versucht mit schier manischem Gigantismus Schwächen zu überspülen – so ermüdend! Kein Herz, keine Seele, kein Chrame, kein Esprit, schade!

    Die Szene im Buch (O.k., ich wollte ja nicht vergleichen, haut drauf!), als Gandalf Beorn nach und nach die Zwerge als Hausgäste unterjubelt, hätte ein Highlight der Tolkien-Verfilmungen durch Jackson werden können. Wieso darauf verzichten? Zugunsten einer weiteren hip-gestylten Ork-Splatter-Szene? Gäääähn!

    Peter Jackson hat doch bewiesen, dass er es besser kann. Vielleicht hat er keine Lust mehr, oder – dieser Gedanke kam mir kurioserweise gegen Ende des Films tatsächlich in den Sinn: Peter Jackson löst nach kurzer Laufdauer von „Smaugs Einöde“ auf, dass dieser seelenlose Quark nur ein Experiment war. Er wollte sehen, wie weit gehen kann, um dann zu erklären: „War nur Spaß! Den richtigen Film gibt’s aber nächster Woche zu sehen.“ Träumen erlaubt!

  • Nagual says:

    Ich kann mich dieser Kritik einfach nur anschließen. Nicht nur, dass es in beiden Filmen keinerlei echte Haupt- oder Bezugspersonen gibt, wie es eben in Der Herr der Ringe noch der Fall war, die vorhandenen „Protagonisten“ zeigen auch an wenigen bis keinen Stellen wegweisende und nachvollziehbare Emotionen. Im Kinosaal gewinnt man nach kurzer Zeit den Eindruck, dass damit über das Fehlen der Dialoge hinweggetäuscht werden soll und dass beides durch übertriebene und durchchoreografierte Kampfszenen ersetzt wurde.

    Anstelle einer Handlung bekommt man kurzerhand die neuesten, teuersten (und realistischsten? Eher nicht) Kampfszenen vorgesetzt. Die Buchvorlage selbst liefert doch Stoff für reichlich echten Kinospaß, warum aber wurde der übergangen und die verlorene Zeit (Es müssen ja auch drei Stunden vollgemacht werden!) mit erfundenen Gandalf vs. Nekromant-Handlungssträngen aufgefüllt? Ist ein ausgewogenes Gemisch aus Emotion und Action im Herr der Ringe-Stil heute nicht mehr gut genug für die Kinder? Die verstehen ja eh nicht, was die Figuren sagen und warten nur auf den nächsten Kampf…

    Ich bin ein großer Tolkien-Fan und deshalb könnten meine Äußerungen hier aus Frustration etwas abrutschen. Aber die Verfilmung des Ringepos gefiel mir zum größten Teil recht gut und ich hatte an Peter Jackson geglaubt, als seine Regie bei der Hobbit-Trilogie angekündigt wurde. Der erste Teil zerschlug meinen Optimismus bereits und beim zweiten betrat ich das Kino und wusste, was auf mich wartet. Beide Male wurde ich von Freunden eingeladen, denn zehn Euro hätte ich nicht ein- noch zweimal dafür geopfert.

    Dann hörte ich auch davon, dass sich die Kollegen Warner (mal wieder) „das Recht gekauft“ hätten, für den „Hobbit“ Videospiele und dergleichen zu entwickeln. Widersprecht mir bitte, wenn ich mich da täusche, aber ich sehe hinter diesem ganzen Projekt nur noch reinsten Kapitalismus. Das hat Professor Tolkien nicht verdient. Wenn denn Thorin & Co. schon auf die Leinwand gebracht werden müssen, dann sollten sie dort wenigstens ein entsprechendes Gesicht und eine würdige Seele erhalten (keine Anspielung auf die Maske im Film), anstatt nur von Ork zu Wolf und von Wolf zu Drache zu sprinten.

    Ich danke jedem, der sich diesen grammatikalischen Zornesausbruch bis zum Ende durchgelesen hat.

    • Christian says:

      Dir als „großer Tolkien-Fan“ ist aber schon klar, dass das, was du hier als „erfundene Gandalf vs. Nekromant-Handlungsstränge“ bezeichnest aus Hintergrundmaterialien Tolkiens stammt (Wenn ich mich nicht ihre die „History of Middle-Earth“)? Man mag darüber streiten, wie sinnvoll die Erweiterung des Hobbit-Buch Materials um von Tolkien für den gleichen Zeitraum erdachte Ereignisse ist – festzuhalten ist aber immer, dass an der Grundgeschichte des Films fast nichts von den Machern erfunden wurde.

  • YALA CAMBA says:

    Diese Kritik ist das unverschämteste was ich je gehört hab,
    Der Hobbit 2 ist alles andere als öde , wenn man bedenkt , dass er

    1. 3 Stunden geht

    2. Es andauernd gute Kamfszenen gibt
    z.B. Die Waldelben gegen die Orks , die Zwerge & Bilbo gegen die Spinnen,
    die Flucht vor dem Hautwechsler u.s.w…..

    3.Die Landschaft ist so gut gemacht wie in keinem anderen Film ( Seestadt,
    Erebor, der Düsterwald, Dulgudur ….
    (vor allem wenn man bedenkt, dass das meiste im Studio nachgebaut wurde.

    4. Der Anfang wurde gut eingeleitet , in Bree vor 12 Monaten
    (Wo man auch wenn man genau am Anfang hinsieht, den Regisseur der anscheinend einen Statisten spielte , aus dem Haus gehen sieht und genüsslich
    in eine Karotte beißen sieht) treffen sich Thorin und Gandalf, und als das Wort meisterdieb fällt, wird der Zuschauer zum Hobbit zurückgerufen.

    5.Die Dialoge werden gut gemacht und die Schauspieler machen meiner Meinung nach Glanzleistungen

    6.Die Musik ist so episch , dass sie dich in das Geschehen so reinzieht wie nirgendwo anders

    7. Die Stuntmänner leisten auch hervorragende Arbeit , ob von einem Schwert getroffen die Klippe herunterfallen, vom Ufer sich auf die Zwerge stürzend ins Wasser fallen , oder einfach realistisch umfliegen , sie machen alles, damit der Film gut wird.

    Ich hoffe das diese Kritik an der Kritik gelesen wird und akzeptiert wird ,
    Ich bin selber Regisseur und mache klienere Filme deswegen kenne ich mich aus.

  • Shertys says:

    @yala camba
    Wenn etwas unverschämt ist, dann diese illiterate Antwort. So eine schlechte Kritik an der Kritik habe ich noch nie gelesen… Das ist keine Kritik, sondern eine Meinung.
    Argumentativ lässt sie im Übrigen zu wünschen übrig. Das der Film 3 Stunden geht ist kein Grund dafür, dass er nicht ode ist. Im Gegenteil: Die Hobbit-Trilogie krankt vor allem daran, dass aus finanziellen Gründen die Geschichte künstlich aufgeblasen wird. Dabei haben mir die Teile, die auf Aufzeichnungen Tolkiens basieren noch einigermaßen gut gefallen. Meiner Meinung nach unentschuldbar sind die im zweiten Teil eklatanten Veränderungen der Geschichte. Wie kann man es wagen, eine Handvoll halbgebildeter Primaten, die einen Schreibmaschinenkurs belegt haben, an das Drehbuch zu lassen, die sich anmaßen Tolkiens Werk zu „verbessern“?!
    Die Kampfszenen sind seelenloser CGI-Brei und total übertrieben. Waren beim Herrn der Ringe die Orcs noch Menschen mit Maske wird hier auf Computeranimation gesetzt… mit mäßigem Erfolg. Die Gegner bleiben blass und Seelenlos.
    Müsste Tolkien sehen, wie sein Werk in eine Achterbahnfahrt mit wüsten Prügelorgien verwandelt wurde, er würde sich im Grabe umdrehen.
    PS: Ich habe schon als Schauspieler auf der Bühne gestanden… das macht mich aber genauso wenig zum Experten wie Sie.

  • MCS says:

    Dankeschön für die treffendste Kritik die ich seit langem gelesen habe.
    Einfach nur traurig, dass eine vielversprechende Geschichte, wie „Der Hobbit“, derart schlecht verfilmt werden darf…

    In meinen Augen macht einen guten Film auch nicht die Dauer, die Kampfszenen und die Landschaft aus. Es geht um eine Handlung, die mit Spannung, Emotionen, Leidenschaft erzählt und dargestellt wird und für den Zuschauer nachvollziehbar ist.
    Und davon ist leider(!!!) nichts in den Hobbit Filmen zu erahnen.

    Ich hatte den ersten Teil gar nicht mal so schlecht in Erinnerung (liegt wahrscheinlich daran, dass ich dies der Traurigkeit halber verdrängt hatte), aber jetzt, nach wiederholtem schauen muss ich einfach den Fehrsehn ausmachen.. So ein Trauerspiel, so einen PEINLICH SCHLECHTEN SCHEIßFILM, kann ich mir nicht geben!

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