I am

by on 03/15/2013

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© Universal

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Ich bin ja eher nicht so die Esoterikerin. Das könnte entweder mit meinem christlichen Glauben oder mit meiner rationalen Denkweise oder mit beidem zu tun haben (und wer meint, dies würde sich widersprechen, der irrt!).  Und so schwante mir während der ersten Minuten von I am Schreckliches.

Bei I am handelt es sich um eine Dokumentation von Tom Shadyac (genau der, der Ace Ventura und Der verrückte Professor verbrochen hat), der nach einem Unfall mit anschließender Depression zum Weltverbesserer wurde. Zwei Fragen bilden Ausgangspunkt seiner geistigen Reise: Was ist mit unserer Welt nicht in Ordnung? Und: Was können wir daran ändern? Dann geht es darum, dass wir mit allem Leben auf dieser Erde verbunden sind und dass unser Herz viel mehr Entscheidungen trifft als unser Gehirn und dass der Mensch kein Einzelkämpfer, sondern ein Gesellschaftstier ist. Dazu noch ein paar schöne Bilder und emotionale Musik und zack – fertig ist der Esoterik-Horror.

Aber nein!! Das Faszinierende an I am ist, dass es Tom Shadyac wahrhaftig gelingt, uns für seine Mission zu gewinnen. Und zwar deshalb, weil er sich nicht nur mit spirituellen Führern trifft, die durch Tänze ums Lagerfeuer den Treibhauseffekt verhindern wollen. Stattdessen wählt Shadyac Interviewpartner, die genauso denken wie wir Esoterik-Kritiker: Wissenschaftler. Und die erklären uns als Zuschauer in logischen, wissenschaftlich fundierten Ausführungen, wie unsere Welt eigentlich zusammenhängt. Und da ist einiges Eindrucksvolles dabei. Beispielsweise wie Shadyac emotionalen Kontakt zu einem Joghurt herstellt (echt wahr!). Und dass die Energie weltumspannender Stimmungen – wie beispielsweise nach 9/11 – einen Zufallsgenerator aus dem Konzept bringen können. I am erinnert zudem daran, wie gesellschaftliche Umwälzungen ohne jegliche Gewalt vonstatten gingen und wie jeder, wirklich jeder, in seinem Alltag dazu beitragen kann, dass aus dieser Welt ein besser Ort wird. Dabei bezieht er an keiner Stelle in irgendeiner Form religiös oder spirituell Stellung, sondern lässt Wissenschaftler, Lyriker und religiöse Führer gleichermaßen zu Wort kommen. Und das Spannendste an all dem ist: Sie sind sich einig.

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Als Kritikpunkt bleibt, dass Musik und einzelne Bildfolgen es zu sehr darauf abgesehen haben, uns emotionale Reaktionen zu entlocken. Doch im Grunde geht es ja gerade darum, denn Tom Shadyac will uns dazu ermutigen, den Kopf aus und das Herz einzuschalten, bzw. auf unser Herz zu hören, denn es ist ja ohnehin schon da. Mich hätten jedoch insbesondere die wissenschaftlichen Ausführungen noch ein wenig mehr überzeugt, wenn sie nicht ständig von diesen pathetischen Bildern und Klängen begleitet worden wären.

Ich hoffe trotzdem, dass I am gerade von angeblichen Kopfmenschen gesehen wird, die noch immer glauben, die Ratio wäre der einzige und beste Weg, die Welt zu begreifen. Von Menschen, die meinen, sich selbst der Nächste zu sein, würde sie glücklich machen. Von Menschen, die gerne mit wirtschaftlichen Argumenten kommen, wenn man von sozialen Problemen spricht. Die werden sicherlich nicht wie Tom Shadyac im Anschluss an den Film ihr Hab und Gut verkaufen und nur noch Fahrrad fahren, aber vielleicht beschließen dann auch sie, die Welt jeden Tag ein kleines bisschen besser zu machen.

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Das Beste an I am nämlich ist der inhärente Optimismus. Es ist ein Film, der uns ausnahmsweise mal nicht deutlich macht, wie wir uns alle zu Grunde richten und dass die Menschheit die größte Strafe des Planeten darstellt. Tom Shadyac zeigt unsere Möglichkeiten, nicht unsere Verfehlungen. Seine Frage nach den Mängeln der Welt, dreht er um: Was ist in Ordnung in dieser Welt? Na, ist doch ganz klar: I am!

 

 

VERKAUFSSTART: 21. Februar 2013

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