Ich kam, sah und sneakte Evil Dead

by on 05/10/2013

Ich wollte Filmosoph werden! Es gibt daher von mir nun wöchentlich die Kolumne „Ich kam, sah und sneakte“ über die Sneak-Preview meines Vertrauens im Cinestar am Potsdamer Platz: Originalton, kein 3D und vor allem ein ziemlich gutes Publikum für Sneak-Verhältnisse. Daher möchte ich nicht nur jede Woche hier etwas über den Film schreiben, den ich gesehen habe, sondern auch etwas zu der Stimmung, um danach den Propheten zu spielen und zu sagen, wie erfolgreich der Film wohl in Deutschland im Kino laufen wird.

Vorhang noch zu

Ein sehr stressiger aber auch unterhaltsamer Abend steht mir bevor. Vor der Sneak geht es erst einmal zur Pressevorführung von Star Trek – Into Darkness. Zeitlich hatte ich das ein wenig unterschätzt und so komme ich erst 5 Minuten bevor die Sneak beginnt aus dem Kino und kann auch nicht mehr mit filmosophie über Star Trek 2 sprechen. Zum Glück aber befinde ich mich ja schon im richtigen Cinestar, so dass ich von einen Saal in den nächsten springen kann. Michael, auch heute meine Begleitung, ist schon ein wenig genervt hinsichtlich meiner Verspätung und meiner Unerreichbarkeit, denn man musste sein Handy, wie fast immer bei einer Pressevorführung, vorher abgeben. Vollkommen in Gedanken vertieft – ich muss zuerst versuchen den gerade gesehenen Film zu verarbeiten und einzuschätzen – habe ich kaum Zeit mir zu überlegen, was denn heute in der Sneak so kommen könnte. Auch für die Fragen habe ich nicht genug Konzentration und so gehe ich das erste Mal, seit ich diese Kolumne schreibe, leer aus.

 Vorhang auf!

© Sony Pictures

© Sony Pictures

Uuhh heute wird es böse. Diese Anganfgstitel kenn ich doch? Richtig, ich sah die schon vor ein paar Wochen in der Pressevorführung zu dem Film. Ich bleibe aber sitzen, denn zum einen mochte ich den Film sehr und gucke ihn gerne noch einmal und zum anderen bin ich gespannt darauf, wie das Publikum reagiert, wenn sie merken, dass sie Evil Dead sehen werden. Es breitet sich zum einen in einigen Ecken des Saals Jubel aus bei der Erkenntnis, aber die Ernüchterung überwiegt scheinbar bei vielen. Ich schätze mal, dass gut ein Drittel der Zuschauer den Saal verlässt. Das muss man wohl akzeptieren, schließlich ist das Horrorgenre ein sehr kontroverses, das nicht von allen so geliebt wird, wie von mir. In diesem speziellen Fall ist es aber auch wirklich noch ekliger und noch böser, als bei vielen anderen Vertretern des Genres in den letzten Jahren. Auch für die Leute, die das Original „Tanz der Teufel“ von Sam Raimi nicht kennen, ist die Story schnell beschrieben: Mia (Jane Levy) begibt sich mit ihrem Bruder (Shiloh Fernandez) und einigen Freunden zu einer Hütte im Wald. Das soll ihr dabei helfen ihre Heroinsucht zu bekämpfen. Als sie aber das Necronomicon, das Buch der Toten, finden, kommt eine ganz andere Art des Unheils auf sie zu. Sie sind dort gefangen und kämpfen fortan um ihr Leben.

Ich bin großer Fan des Originals, ein Film, der unter anderem indirekt dafür verantwortlich ist, dass ich diesen Text gerade schreibe. Meine Begeisterung und Faszination für diese Art der Filme, half mir damals mich noch viel mehr mit Film zu beschäftigen als sowieso schon. Dieses Remake von Fede Alvarez, selbst auch Riesenfan des Originals, kommt natürlich nicht an das Meisterwerk von Sam Raimi heran. Trotzdem hat er einiges, was für ihn spricht: bewusst wurde hier auf CGI verzichtet, vielmehr wurde wieder auf das gute alte Handwerk von Make-Up und Prothesen gesetzt. Der Film ist nicht nur dadurch sehr eklig, dreckig und einfach böse. Die Kehrseite davon ist, dass der Humor ein wenig auf der Strecke bleibt, der das Original noch so ausgezeichnet hat. Das epische Ende gibt dem Film dann ein stimmiges Ende. Für mich ist das einfach gute Unterhaltung. Ja mich zu ekeln und mich unwohl zu fühlen, sehe ich sehr wohl als Unterhaltung an, denn, dass ein Film das schafft, ist sehr beachtenswert. Naja, jetzt kommen wir aber leider zu den Reaktionen, die so ein Horrorfilm hervorruft. Die Leute, die nicht den Saal verlassen, versuchen dann ihre Angst oder ihr Unwohlsein auszublenden. Das machen sie, indem sie dumme Sprüche klopfen, sich dauerhaft in einer Gruppe unterhalten oder sich auf welchen Wegen auch immer versuchen von den teilweise schrecklichen Szenen abzulenken. Das nervt natürlich ungemein. Das ist aber ein Phänomen, das ich schon oft in Kinosälen bei Horrorfilmen beobachten konnte. Auch die Reihe hinter uns war da nicht anders. Meiner Schätzung nach waren sie aber auch noch relativ jung und man kann annehmen, dass sie das Original nicht kannten und sie sich gegenüber ihren Freunden auszeichnen wollten, wie „cool“ sie doch mit den ganzen gezeigten Situationen umgehen. Dass sie mit ihrem Verhalten und ihrer dauerhaften Laberei einigen Kinogängern das Erlebnis versauen, scheint ihnen dabei nicht klar zu sein. Vielleicht ist ein Film wie „Evil Dead“ wirklich nicht das richtige für die Sneak. Viele verlassen eher den Saal und einige von denen die bleiben versauen anderen das Erlebnis. Ich hatte trotzdem meinen Spaß, selbst bei der Zweitsichtung.

Vorhang zu!

Film-o-meter: Ich habe mein Kreuzchen zwischen der 7 und der 8 gemacht. Micha war noch begeisterter als ich und gab eine volle 10.

Sneak-o-logie: Der Film wird so erfolgreich in Deutschland laufen, wie man es von einem Horrorfilm zu erwarten hat, der erst ab 18 freigegeben ist. Einige spricht sowas erst gar nicht an und daher wird es definitiv kein großer Erfolg, aber ein solides Release kann Sony wohl erwarten. Das (übriggebliebene) Publikum hatte auf jeden Fall seinen Spaß, auf welche Weise auch immer.

Satz  des Abends: Leider waren die dummen Sprüche der Reihe hinter uns so absolut nicht witzig und daher gab es auch nicht viel zu lachen an diesem Abend. Passt aber doch auch, oder?

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