Ich kam, sah und sneakte Gambit

by on 04/26/2013

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Ich wollte Filmosoph werden! Es gibt daher von mir nun wöchentlich die Kolumne „Ich kam, sah und sneakte“ über die Sneak-Preview meines Vertrauens im Cinestar am Potsdamer Platz: Originalton, kein 3D und vor allem ein ziemlich gutes Publikum für Sneak-Verhältnisse. Daher möchte ich nicht nur jede Woche hier etwas über den Film schreiben, den ich gesehen habe, sondern auch etwas zu der Stimmung, um danach den Propheten zu spielen und zu sagen, wie erfolgreich der Film wohl in Deutschland im Kino laufen wird.

Vorhang noch zu

Nach dem ultra-schlechten Film, der mich ja dann doch sehr unterhalten hat, von letzter Woche, kann es ja fast nur besser werden heute. Meine heutigen Tipps sind wieder Charlie’s Welt, auch weil Lea, die Organisatorin für die Sneak uns vorher warnt, dass uns der Film vielleicht nicht so gefallen könnte. Aber vielleicht kommt ja auch The Words Ich bete auf jeden Fall dafür, dass es nicht ersterer wird. Ich habe geradezu Angst und Panik vor diesem Film. Ich will mit all meiner Macht vermeiden, dass ich diesen Film sehe. Charlie Sheen geht mir so dermaßen auf den Zeiger, dass ich schon um Scary Movie 5 einen großen Bogen gemacht habe, auch wenn das nicht der einzige Grund war. Michael ist auch heute wieder dabei und wir dürfen uns erstmal darüber amüsieren, dass Passion in der letzten Woche eine großartige Note von 2,0 von 10 bekommen hat, die schlechteste in der Geschichte der Sneak-Preview in diesem Kino. Auch heute kann ich wieder eine Frage beantworten (Wer spielt im neuen Film von David Cronenberg die männliche Hauptrolle? –> John Cusack). Seit ich die Kolumne schreibe, habe ich jedesmal eine Freikarte gewonnen, noch ein Grund mehr damit weiter zu machen.

 

Vorhang auf!

© Concorde

© Concorde

Ich bin so froh, SO FROH, dass ich den Namen Colin Firth lese. Der Name ist soviel schöner, als der Name Charlie Sheen, so wie „Nikolaus“ und „Knecht Ruprecht“ vielleicht, ok der Vergleich hinkt, aber ihr wisst schon, wie ich das meine. Da ich letzte Woche zu der Pressevorführung von Gambit eingeladen worden bin, weiß ich auch sofort, dass es dieser ist. Da haben die Namen Colin Firth, Cameron Diaz, Alan Rickman und Stanley Tucci vollkommen gereicht. Das Drehbuch kommt von den Coen Brüdern, was in dem Moment der Einblendung ein Jubeln oder Erstaunen im Kinosaal hervorruft. Als alle sehen, dass diese aber nicht Regie geführt haben, sondern ein gewisser Michael Hoffman, macht sich wieder Ernüchterung breit. Ich bin jetzt aber so froh, dass nicht Charlie’s Welt kam, dass ich mich richtig auf diesen Film freue. Es geht im Grunde um einen Plan, für ein gefälschtes Bild von Monet 12 Millionen Pfund von einem reichen Kunstsammler (Rickman) zu bekommen. Der Plan kommt von dessen Kunstexperten Harry Deane (Firth). Weil das Bild im 2. WK von den Amerikanern, im speziellen einem Col. Pusznowski entdeckt wurde, braucht Deane die Hilfe von PJ Pusznowski (Diaz), bei der er das gefälschte Bild, dass er seinem Boss als das echte verkauft, entdeckt haben will. Als der Kunstsammler aber den deutschen Kunstexperten Martin Seidenweber (Tucci) engagiert, droht der Plan zu platzen.

Der Film hat einige echt nette Ideen, vor allem der Anfang, wenn man in 10 Minuten sieht, wie der Plan komplett aussieht. Diese guten Ideen schiebe ich jetzt einfach mal auf das Skript der Coen Brüder. Denn was danach folgt ist eine recht langweilige und uninspirierende Geschichte, die vollgestopft ist mit billigen Klischees und schlechten Akzenten –> Cameron Diaz als Texanerin und Stanley Tucci als Deutscher. Es gibt einige ganz nette Jokes im Film, die Teile des Publikums auch sehr amüsieren, vielleicht ein wenig zu viel amüsieren sogar. Diese Jokes driften dann unpassenderweise zu oft in die Fäkalhumor Ebene. Genau dort finde ich den Film am schlechtesten, das Publikum scheinbar am besten. Colin Firth aber ist hervorragend. Nach der wunderbaren Leistung in The King’s Speech muss man sich ja erstmal wieder ins Gedächtnis rufen, dass dieser Mann sehr geeignet ist für Komödien. Über Diaz möchte ich gar nicht allzu viele Worte verlieren, diese klischeebehaftete Texanerin in Cowgirl Verkleidung passt einfach nicht und zum großen Teil liegt das an ihr. Der Film ist dann am Ende so vorhersehbar, dass einige den Saal schon vorzeitig verlassen, weil sie ja wissen was passieren wird. Auch ich habe die Auflösung schon 20 Minuten vorher in das Ohr von Michael gepflüstert, der aber auch schon längst den gleichen Tipp hatte. Spätestens jetzt macht sich eine gewisse Gleichgültigkeit im Saal breit, denn jeder weiß, dass dieser Film nichts besonderes ist. Vielleicht ein paar nette Jokes und zwei ganz gute schauspielerische Leistungen, aber insgesamt vergisst man den Film schneller als gedacht, weil er jegliche Klischees und vorhersehbare Storytwists bedient, die jeder regelmäßige Kinogänger schon zig-mal gesehen hat. Hätten die Coen Brüder das mal selbst in die Hand genommen, vielleicht wäre der Film dann wenigstens etwas verrückter und schöner inszeniert. So bleibt ein Komödien-Diebstahl-Brei, der einen tollen Colin Firth verschwendet.

 

Vorhang zu!

Film-o-meter: Micha und ich waren uns heute einig und wir gaben beide 5 von 10 Monets.

Sneak-o-logie: Der Film, wird allein aufgrund der Namen Diaz, Firth und Rickmann ein gutes Release bekommen. Sehr viel Zuschauer sollten sich die Verleiher aber nicht erhoffen. Die werden dem Film aufgrund seiner Durchschnittlichkeit fern bleiben. Der Saal war weder großartig amüsiert, noch sehr gelangweilt. Ich tippe mal, dass zwei Tage später keiner mehr weiß, was er da eigentlich genau gesehen hat.

Satz  des Abends: Die Moderatorin, Fragenstellerin und gute Fee der Sneak Lea begrüßte uns doch tatsächlich mit dem Satz: „I think you all enjoyed last weeks movie.“ Eine Mischung aus Buh-Rufen, Lachern und schlechten Sprüchen breitete sich im Kinosaal daraufhin aus. Ja, sie weiß, wie sie Stimmung erzeugen kann.

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