Ich kam, sah und sneakte Passion

by on 04/19/2013

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Ich wollte Filmosoph werden! Es gibt daher von mir nun wöchentlich die Kolumne „Ich kam, sah und sneakte“ über die Sneak-Preview meines Vertrauens im Cinestar am Potsdamer Platz: Originalton, kein 3D und vor allem ein ziemlich gutes Publikum für Sneak-Verhältnisse. Daher möchte ich nicht nur jede Woche hier etwas über den Film schreiben, den ich gesehen habe, sondern auch etwas zu der Stimmung, um danach den Propheten zu spielen und zu sagen, wie erfolgreich der Film wohl in Deutschland im Kino laufen wird.

Vorhang noch zu

Ich habe heute kein gutes Gefühl, was die Sneak angeht. Meine beiden Tipps für die Filme, die kommen könnten sind Passion, von dem ich sehr viel schlechtes gehört habe und Charlie’s Welt, der nicht wirklich besser rezipiert wurde. Beide rufen so gar keine Vorfreude bei mir hervor. Meine Begleitung ist auch heute wieder Michael, der diesmal noch seinen Freund Stefan dabei hat. Smashed von letzter Woche hat übrigens eine Wertung von 6,7 von den Zuschauern bekommen. Ein paar Fans des Indie-Kinos waren also doch da. Die obligatorische Fragerunde verläuft auch heute sehr positiv für mich. Die Frage, die ich heute beantworten kann, bezieht sich auf den Film von letzter Woche (Der Film Smashed gewann bei welchem Festival den Spezial Jurypreis? –> Sundance). Da Micha und ich das fast gleichzeitig schreien, nehme ich dieses mal nicht die einzelne Freikarte für eine Sneak-Preview, sondern die zwei Karten für das Star Trek Double Feature, denn so haben wir beide was davon. Heute ist sogar mal die Werbung vor dem Film witzig, aber mehr dazu im „Satz des Tages“.

Vorhang auf!

© Ascot Elite

© Ascot Elite

Der Vorhang geht auf und mir ist nicht klar, dass, trotzdem sich meine Befürchtungen eines schlechten Films bestätigen sollten, mir eine der besten Sneak-Vorstellungen seit langer Zeit bevorstehen sollte. Schon bei der Tatsache, dass es sich um eine französisch-deutsche Ko-Produktion handelt, hört man ein Getuschel im Kino. Viele befürchten das Schlimmste. Dann kommt für mich die Gewissheit mit dem Namen Brian de Palma und mir ist schlagartig klar, dass es sich wirklich um Passion handelt. Ich habe schon viel darüber gehört und weiß, was mir bevor steht, halte aber an mich, da ich sehen will, wie der Film im Kino bei allen anderen funktioniert. Das ist ja das Schöne an der Sneak. Im Saal sitzen nur Leute ohne Erwartungen, keiner, oder zumindest wenige, wissen etwas vor dem Film, haben also auch keine Vorurteile und so kann man wunderbar beobachten, wie der Film wirkt und funktioniert. In diesem Fall war das einfach faszinierend. Kurz etwas zur Story: Isabelle (Noomi Rapace) arbeitet bei einer großen Werbefirma in Berlin (!) (schön, wie das Filmmuseum am Potsdamer Platz in eine Werbeagentur verwandelt wurde). Ihre Vorgesetzte Christine (Rachel McAdams) ist aber so ehrgeizig, dass sie die Idee von Isabelle klaut und sie für ihre verkauft. Es entwickelt sich eine Rivalität, die in Diebstahl, Erniedrigung und schließlich Mord endet. Sexualität und Intrigen spielen aber auch durchweg eine Rolle, so wie es man von Erotik-Thrillern von Brian de Palma, immerhin Regisseur großartiger Filme, wie ScarfaceThe UntouchablesMission:Impossible oder auch Dressed to kill, eigentlich gewohnt ist. Der Film macht aber alles konsequent falsch, was man falsch machen kann. Das Schauspiel der beiden Hauptdarstellerinnen ist sehr gut, beide verkörpern ihre Rollen, aber das Script setzt so falsche Akzente, lässt sie viel zu schnelle Dinge sagen, die nicht passen oder überspitzt die Handlung so in das Extreme, dass man ihnen nichts mehr abnimmt. Was passiert in solchen Momenten? Der Film wird lächerlich und cheesy. Und das hat man gemerkt. Selbst bei Komödien wird weniger gelacht in der Sneak. Küsse der beiden Damen aus dem Nichts, eine grandios gescheiterte Szene, in der Noomi Rapace ihr Auto in der Tiefgarage demoliert und weinend zusammenbricht, alles Szenen die nicht zum Lachen gemacht sind. Doch genau das passiert und zwar wie. Ich bin so fasziniert während der ganzen Vorstellung, habe das Gefühl, dass hier etwas außergewöhnliches passiert, Teil der Filmgeschichte zu sein. Nie habe ich es erlebt, dass so eine Art von Film auf so vielen Ebenen scheitert, so falsch vom Publikum aufgenommen wird. Er hat rigoros und konsequent alles falsch gemacht, was man heutzutage falsch machen kann und es ist ein angesehener Regisseur, der Meisterwerke geschaffen hat. Es gehen mir zig Gedanken durch den Kopf: Liegt es an der Zeit? Kann de Palma heute keine Filme mehr machen? Lag es auch am Schauplatz Berlin, der verwurstet wurde? An den Statisten? Ich war von der ersten Sekunde an fasziniert von diesem Film. Man könnte ein Buch darüber schreiben. Bei den Bewertungszetteln wird es 1er und 2er hageln und es wundert mich nicht. Doch dann passiert das, was es sehr selten in der Sneak gibt (ich glaube ich habe es noch gar nicht erlebt): Es gibt großen Applaus am Ende des Films. Natürlich war der Applaus sarkastisch, aber er zeigt trotzdem, dass das Publikum Interesse hat, dass der Film irgendwas geschafft hat, eine Belustigung wahrscheinlich, wie man es von den besten Trash-Filmen kennt. Also: Freunde schnappen, ein paar Bier mitnehmen und im Kino Spaß haben. Ich garantiere euch, das funktioniert.

Vorhang zu!

Film-o-meter: Ich war begeistert von der Konsequenz des Schlechten in diesem Film und gab ihm eine 5 von 10, Micha und Stefan waren sich einig und gaben ihm eine 4.

Sneak-o-logie: Nie war in einer Sneak mehr Stimmung. Es gingen viele eher und es gab auch sehr viele Gespräche, aber die meisten amüsierten sich prächtig. Allerdings aus anderen Gründen, als es die Filmemacher erhofft haben. Der Film wird rigoros scheitern an den Kinokassen. Er wird ein Release bekommen, sogar in den Multiplexen, aber die Säle werden sehr leer bleiben.

Satz (Lacher) des Abends: Der Film war, wie beschrieben, lustig, aber das Beste kam auch heute vor dem Film. Lachkrämpfe sind was feines, vor allem, wenn andere diese haben und man sich ansteckt. So geschehen bei einer tollen (neuen) Werbung im Kino. Ein Paar steht mit ihrem Auto am Straßenrand und hat eine Panne. Der Mann versucht dies mit einer Wassermelone (!) zu reparieren. Irgendwie bekommt er das nicht so richtig hin und seine Freundin steigt aus, zieht sich ihren BH aus (natürlich unter dem T-Shirt) und gibt ihm den Bügel, damit er ihn benutzen kann. In diesem Moment bricht aber der Lachkrampf aus, denn dem guten Herrn ist klar geworden, dass die Werbung von der FDP ist und es um „Freiheit“ geht. Da konnte er scheinbar nicht mehr an sich halten (verständlich) und alle die bereits im Saal saßen mussten zwangsläufig in das Gelächter einstimmen. Der Abend fing also da schon gut an.

One Response to “Ich kam, sah und sneakte Passion”

  • Thufir says:

    Fandest du die FDP-werbung etwa nicht saukomisch? … die werbung hat nichts ausser unserem gelächter verdient. ausserdem war sie viel zu schlecht um nicht zu lachen.

    aber immer schön wenn man bleibenden eindruck hinterlässt.

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