In den Startlöchern zur 63. Berlinale

by on 01/28/2013

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@ Berlinale

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Nachdem ich auf Grund meines theatralischen Engagements schon sämtliche Pressevorführungen im Vorfeld der Berlinale verpasst hatte, fand ich heute endlich Gelegenheit mich mit der Pressekonferenz auf das Festival einzustimmen. Mit dabei natürlich die altbekannten Gesichter der Festivalkuratoren, allen voran Dieter Kosslick, der mal wieder einen Clown gefrühstückt zu haben schien. Deshalb glaubte er wohl witzig zu sein, als er eine 22jährige Mitarbeiterin der Pressestelle vorstellte, deren Name, Marlene Dietrich, für ihn Berechtigung genug war, die junge, verunsicherte Dame den versammelten Journalistenhorden vorzuführen. Anknüpfend an die anhaltende Sexismusdiskussion fragte ich mich an dieser Stelle, ob Herr Kosslick wohl auch einen männlichen Praktikanten vorgestellt hätte, wenn dieser sagen wir mal Heinz Rühmann geheißen hätte… Aber das nur am Rande.

Bekanntgabe der Jury

Am interessantesten war natürlich die Frage nach der Jury. Dass diese von Wong Kar Wai angeführt wird, wissen wir ja schon länger. Aber wer wird mit ihm entscheiden? Da wäre die dänische Regisseurin Susanne Bier, die aktuell Jennifer Lawrence und Bradley Cooper in ihrem neuesten Film Serena inszeniert. Andreas Dresen dürfte zumindest hierzulande den meisten bekannt sein, hat doch sein Film Halt auf freier Strecke einige Preise einheimsen können. Der Name Ellen Kuras, das zweite weibliche Jury-Mitglied ist mir bis dato ebenso wenig bekannt gewesen wie der von Susanne Bier, und das obwohl sie sowohl bei Abgedreht als auch bei Vergiss mein nicht die Kamera führte. Ebenso wenig dürften den meisten von euch Shirin Neshat und Athina Rachel Tsangari geläufig sein, obwohl die Arbeit der beiden durchaus mit Preisen belohnt wurde. Schämt euch nicht – vieles jenseits des Mainstreams geht an uns vorbei. Aber gerade deshalb sind Filmfestivals ja so besonders spannend. Komplettiert wird die Jury zur Aufrechterhaltung des Geschlechtergleichgewichts übrigens durch Tim Robbins, der wiederum jedem Filmfan ein Begriff sein dürfte.

Frauen auf der 63. Berlinale

Die starke weibliche Präsenz in der Preisvergabekomission hat mich natürlich gefreut. Ebenso die wiederholte Betonung Kosslicks, das Festival werde nicht nur zahlreiche Filme zeigen, in denen Frauen im Mittelpunkt stünden, sondern auch viele Werke weiblicher Regisseurinnen präsentieren. Ich bin sehr gespannt. Denn nur weil sich ein Film um eine Frau dreht, heißt das noch lange nicht, dass aus feministischer Sicht dabei etwas gewonnen wird. So deuten die Beiträge, die der Festivalleiter als Beispiele nannte eher darauf hin, dass Frauen wie so oft in der Rolle des unterjochten Opfers auftreten. So wird in Camille Claudel 1915 eine Frau in der Psychiatrie und in La Religieuse im Kloster eingesperrt. Da ich beide Filme jedoch noch nicht gesehen habe, kann ich mir zu diesem Zeitpunkt noch kein endgültiges Urteil erlauben.

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Johansson und Joseph Gordon-Levitt in „Don Jon’s Addiction“
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Pornographie und das neue deutsche Kino

Weitere thematische Schwerpunkte bilden das osteuropäische und indigene Kino, sowie in der Panorama-Sektion die Omnipräsenz und Verfügbarkeit von Pornographie, die vor allem in dem von mir herbei gesehnten Langfilmdebut von Joseph Gorden-Levitt Don Jon’s Addiction eine dominante Rolle spielt. Beim Talent Campus geht es dieses Jahr lustig zu, denn der Unterhaltungswert von Filmen steht diesmal im Mittelpunkt. Unter anderem werden Ken Loach und Paul Verhoeven Vorträge halten, denen man auch als Otto-Normal-Festivalbesucher lauschen kann. Interessant ist außerdem die Perspektive Deutsches Kino, die dieses Jahr zur Hälfte eigenfinanzierte Produktionen vorstellt, von denen Endzeit, Silvi und DeAD besonders hervorgehoben wurden.

Leider kann ich noch keine Empfehlungen für das Festival aussprechen, da ich bis dato zu meiner Schande und großen Trauer noch keinen einzigen Festivalfilm gesehen habe. Auf meinem Blog Sophies Berlinale werde ich euch jedoch über alle meine Sichtungen auf dem Laufenden halten und eventuell auch hier den einen oder anderen Bericht veröffentlichen. Ich bin jedenfalls in großer Vorfreude und kann den Start der 63. Berlinale am 7. Februar 2013 kaum noch erwarten!

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