Iron Man 3

by on 04/25/2013

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© Concorde

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Ich habe ja wirklich überhaupt keine Ahnung von Comics. Ich glaube, ich habe in  meinem ganzen Leben noch nicht einen einzigen Superhelden-Comic gelesen. Dennoch machen mir die Verfilmungen der bunten Bildchen von Marvel und DC große Freude. Und so ist es auch keine Überraschung, dass mir Iron Man 3 in erster Linie Spaß gemacht hat. Irgendwie ist es erleichternd, wenn man nicht über Logik oder Naturgesetze nachdenken muss, sondern die abenteuerliche Action einfach als das genießen kann was sie ist: ein Augenschmaus. Und sonst nichts.

Die Handlung ist schnell angedeutet. Nacherzählen soll ich sie ja nicht, so zumindest die Anweisung der freundlichen Pressebetreuung. Aber ich habe ohnehin kein Interesse daran, irgendjemandem durch Spoiler den Spaß zu verderben. Die Geschichte setzt quasi nach der Handlung von Marvel’s The Avengers ein, auch wenn auf diese Superhelden-Zusammenkunft insgesamt recht wenig eingegangen wird. Tony Stark (Robert Downey Jr.) hat seinen letzten Einsatz in New York noch nicht ganz verdaut. Seine schwelende Angst vor der nächsten Katastrophe versucht er durch blinden Arbeitseifer zu kompensieren. Dabei bleibt die treue Pepper (Gwyneth Paltrow) auch mal auf der Strecke, was zu einer eher angespannten Stimmung im Hause Stark fühlt. Doch die Beziehungsprobleme erweisen sich schnell als das kleinere Übel, als ein fieser Terrorist (Ben Kingsley) nicht nur die amerikanische Sicherheit gefährdet, sondern Tony Stark auch an einer empfindlichen Stelle trifft. Leider wird Iron Mans Rachefeldzug schon im Ansatz erstickt und Tony Stark muss sich für diesen ungewöhnlichen Gegner etwas ganz Besonderes einfallen lassen.

Ein epischer Soundtrack und explosive Actionsequenzen machen aus Iron Man 3 einen gelungenen Blockbuster. Über den Unterhaltungswert kann man wirklich nicht streiten. Die 3D Technik ist zwar meiner Meinung nach vollkommen überflüssig, doch gäbe es Tony Stark wirklich, so würde er seine filmische Biographie sicher mindestens in 3D, wenn nicht in 4D, ach was sag ich, in 5D auf der Leinwand sehen wollen. Außerdem gehört sich das wohl heute so mit der Dreidimensionalität. Ob man das mag, ist eine grundsätzliche Frage, die ich hier nicht klären möchte.

Nach allem Lob, muss ich jedoch auch eine kleine Kritik loswerden. Bei der Entwicklung der Charaktere wurde leider ziemlich geschlampt. Ich kann leider nicht beurteilen, ob sich Comic-Vorlagen um die Komplexität ihrer Figuren bemühen, aber Drew Pearce und Shane Black haben das auf jeden Fall nicht getan. Insbesondere der Bösewicht ist ein Beispiel dafür, wie man es nicht machen sollte. Dabei hat es mich weniger gestört, dass es sich um einen vollkommen eindimensional konstruierten Typus handelt. So ist das eben im Actionfilm. Man ist böse oder gut, dazwischen gibt es nicht viel. Aber auch dem plattesten Bösewicht sollte doch zumindest ein Ziel vergönnt werden. Hier aber wurde mir bis zum Ende nicht klar, worum es dem Fiesling eigentlich ging!

Iron Man 3 konnte meine Gunst durch zwei inhaltliche Aspekte wiedergewinnen. Zum einen ist da die interessante Beziehung zwischen Tony Stark und Pepper, die zu großen Teilen gleichberechtigt verläuft. Pepper lässt sich von Tony nicht herumkommandieren und hat ihre eigenen Qualitäten und Fähigkeiten. In Iron Man 3 darf sie außerdem einmal so richtig aufdrehen, was mir immens gut gefallen hat. Letztendlich kann Pepper dann aber aus dem Schatten ihres Superhelden doch nicht heraustreten. Die Moral von Iron Man 3 scheint zu sein, dass kein weiblicher Sidekick jemals stärker sein darf als der Mann, den sie anbetet. Nachdem ich meinen Ärger hierüber jedoch geschluckt hatte, wurde mir klar, dass diese Botschaft derart mit dem Holzhammer verabreicht wird, dass es sich eigentlich nur um einen intelligenten Seitenhieb auf das Superhelden-Genre allgemein handeln kann, in dem die Frauen ja in der Regel nur dazu dienen, die Leinwand zu verschönern und dem Helden durch die wiederholte Rettung der „damsel in distress“ zu noch mehr Ruhm und Ansehen zu verhelfen.

Auch der zweite inhaltliche Aspekt steht zugleich im Zusammenhang mit unserer realen Gesellschaft als auch mit dem Genre. Iron Man leidet auf Grund seiner Erlebnisse unter einer abgeschwächten Form der posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS), einer erstzunehmenden psychischen Erkrankung, von der vor allem Kriegsveteranen betroffen sind. Immer wieder gibt es, insbesondere im US-amerikanischen Kontext, Diskussionen darüber, dass die PTBS-Patienten keine ausreichende medizinische Betreuung erhalten, wodurch viele Ehen zerbrechen und die Betroffenen nicht selten in soziale Isolation, oft sogar in die Obdachlosigkeit geraten. Von all dem ist Tony Stark weit entfernt. Doch das Thema taucht an anderer Stelle wieder auf,  wenn sich Veteranen auf Grund ihrer Kriegsverletzungen auf die falsche Seite schlagen. Ich will hier nicht weiter ins Detail gehen. Wer den Film sieht, wird schnell erkennen was ich meine. Auf der einen Seite hatte ich das Gefühl, Iron Man 3 würde unsere Aufmerksamkeit darauf lenken, dass die Wiederherstellung der physischen Konstitution die kleinere, vielleicht sogar unwichtigere Aufgabe ist und stattdessen darauf geachtet werden sollte, ehemalige Soldaten vor allem psychisch aufzufangen. Gleichzeitig fragte ich mich insbesondere während des Abspanns, warum wir eigentlich diese ganzen Superhelden brauchen. Ich persönlich bin absolute Pazifistin und der Meinung, dass sich jeglicher Konflikt auch ohne Gewalt lösen lässt. Dennoch sind Menschen, die in den Krisengebieten dieser Welt ihr Leben aufs Spiel setzen, in gewisser Weise trotzdem Helden. Doch wenn sie aus ihrem Kampf zurückkehren, verteilen sie keine Autogramme wie Tony Stark. Sie fallen durch die meisten sozialen Raster einfach hindurch. Wenn wir doch so geil auf Heldengeschichten sind, warum müssen diese dann immer in eine Fantasiewelt ausgelagert werden?

Ich weiß darauf keine Antwort. Vermutlich ließe sich hierüber auch ein ganzes Buch verfassen. Vielleicht mache ich das ja eines Tages mal. Bis dahin bleibt mir eigentlich nur, Iron Man 3 weiterzuempfehlen. Optisch und akustisch ansprechend gestaltet, spannend, gut besetzt (selten hat mir Ben Kingsley derart gut gefallen) und dabei nicht mal doof. Bleibt nur zu hoffen, dass ich nicht die einzige bin, die aus dem Film eine Botschaft mitgenommen hat.

KINOSTART: 1. Mai 2013

Pressespiegel bei film-zeit.de

 

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