James Franco verfilmt William Faulkner und Lindsay Lohan

by on 08/23/2012

© Vintage Books/Pandora Films/Millennium Films

James Franco ist wohl einer dieser Menschen, deren Talent und Schaffenskraft keine Grenzen hat. Die meisten kennen ihn nur als Schauspieler, der durch die Spiderman-Filme (die „alten“ von Sam Raimi) weltberühmt wurde und demnächst in Oz: The Great and Powerful des selben Regisseurs zu sehen sein wird. Aber das ist noch längst nicht alles, was Herr Franco so drauf hat. Unter dem Titel Palo Alto veröffentlichte er ein Buch mit Kurzgeschichten. Zudem unterrichtet er an der New York University und betätigt sich als multimedialer Künstler. Und er ist Regisseur. Während bislang vor allem Kurzfilme und Dokumentationen auf seine Kappe gehen, steht sein nächstes Projekt As I Lay Dying schon jetzt im Zentrum der medialen Aufmerksamkeit.

Bei As I Lay Dying handelt es sich nämlich ursprünglich um einen Roman von William Faulkner. Wer mit diesem Namen nicht so viel anfangen kann, dem sei hier kurz gesagt, dass William Faulkner meiner Erfahrung nach zu den besten, aber auch kompliziertesten US-amerikanischen Autoren gehört. Seine Romane sind oft aus verschiedenen Perspektiven und mit Hilfe der stream of consciousness Technik erzählt. Besonders eindrucksvoll ist in diesem Zusammenhang für mich der Roman The Sound and the Fury gewesen, bei dem ich ungefähr die Hälfte des Buches nicht die geringste Ahnung hatte, um wen oder was es eigentlich ging und schon gar nicht, aus wessen Sicht das alles erzählt wird (dann sagte mir mein Uni-Professor, dass die Perspektive jedes Kapitel wechsele und die Dinge fingen an, einen Sinn zu ergeben). Aber nicht dass hier ein falscher Eindruck entsteht: Es lohnt sich immer, sich durch einen Faulkner-Roman zu quälen! Nur ob sich diese auch für die Leinwand eignen, ist eine ganz andere Frage. Dabei ist As I Lay Dying übrigens eines der Bücher, das ich persönlich immer noch für recht verfilmbar halte. Auch diese Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt, jedoch weit weniger kryptisch als dies in anderen Büchern der Fall ist. Allerdings fand ich die Story von der Beisetzung einer Matriarchin auch am langweiligsten von allen Faulkner-Romanen, die ich jemals gelesen habe (und das waren sicher sechs bis sieben verschiedene!). Immerhin spielt sie wie eigentlich alles bei Faulkner in den Südstaaten der USA, ein – wie ich finde – grundsätzlich interessantes Setting. Laut Slashfilm stehen bislang Danny McBride, Tim Blake Nelson, Logan Marshall-Green, Jim Parrack, und Ahna O’Reilly in den Startlöchern, um sich an dieser schwierigen Literaturverfilmung zu beteiligen.

Nach einem derart anspruchsvollen Projekt hat es mich umso mehr schockiert, dass James Franco zur Zeit einen weiteren Film entwickelt, in dem es ausgerechnet um Lindsay Lohan geht. Laut The Guardian stellt die Dokufiktion sowohl das Leben von James Franco als auch das von Lindsay Lohan von der Kindheit bis ins Erwachsenenalter dar. Lohan und Franco haben sich 2006 bei den Dreharbeiten zu Liebe braucht keine Ferien kennengelernt, in dem die beiden einen kleinen Cameo-Auftritt hatten (siehe Video unten). Laut Lindsay Lohan sind sie quasi beste Freunde. Ich kann das irgendwie alles noch nicht so recht glauben. Soll das vielleicht ein Projekt werden, das zeigt, wie unterschiedlich die Lebensläufe von Hollywood-Sternchen verlaufen können? Der erfolgreiche Künstler vs. das Opfer seiner selbst?

Aber was auch immer hinter diesem ominösen Film über Lindsay Lohan steckt, ich bin immens gespannt auf Francos Faulkner-Verfilmung und werde die weiteren Entwicklungsschritte des Projekts aufmerksam verfolgen.

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