Kill the Messenger – Oliver Stone ultra light

by on 07/30/2015

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© Universal Pictures

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Wir schreiben die Mitte der 1990er Jahre. Als Journalist Gary Webb (Jeremy Renner) von der San Jose Mercury News über die Enteingnung von mutmaßlichen und nicht verurteilten Drogenkriminellen berichtet, kommt er einem gewaltigen Politskandal auf die Spur: US-Geheimdienste stecken seit den 1980er mit Drogenkartellen aus Mittelamerika unter einer Decke. Sie sorgen dafür, dass Tonnen von Crack ungehindert ins Land kommen können. Mit dem Geld sollte damals in Nicaragua der Kampf der Contra-Rebellen gegen die Regierung finanziert werden, die wiederum als Bollwerke gegen den aufkeimenden Kommunismus auf dem Kontinent dienen sollten. Webb recherchiert auf den Straßen von Los Angeles, in Nicaragua und auf den Fluren der Macht. Seine Artikel schlagen im ganzen Land hohe Wellen. Doch damit ist Webb einen Schritt zu weit gegangen. Nun beginnt für ihn erst der eigentliche Kampf: um die Wahrheit, sein Ansehen und schließlich auch um seine Familie…

Es gibt historische Ereignisse, die die amerikanische Gesellschaft bis heute ins Mark erschüttern. Gepaart mit dem irgendwie immer – teils zu Recht – vorhandenen Drang der Amerikaner zu Verschwörungen rund um ihre Geheimdienste, sind diese Themen eigentlich mehr als gut dafür geeignet, um Stoff für einen guten Polit-Thriller zu sein. Ein Klassiker unter den Polit-Thrillern ist wohl JFK von Oliver Stone über die Ermordung um John F. Kennedy aus dem Jahr 1991. Aber auch die filmische Perle über den Sieg des investigativen Journalismus All the President’s Men (dt. Die Unbestechlichen) von Alan J. Pakula mit Robert Redford und Dustin Hoffmann. Kill the Messenger von Michael Cuesta versucht mit der vermeintlichen Verwicklung des CIA in den Krieg in Nicaragua daran anzuknüpfen.

Das grundlegende Problem bei solchen Filme ist aber, dass sie sich früh dafür entscheiden müssen was oder wen sie ins Zentrum rücken. In JFK ist Kevin Costner zwar die zentrale Figur, doch der Fokus der Handlung liegt eben auf der Verschwörung, die scheinbar unendliche Verstrickungen in die höchsten Kreise offenbart, desto mehr die Ermittlungen voranschreiten. Cuesta geht den entgegengesetzten Weg und stellt die Figur, in diesem Fall Gary Webb, in den Mittelpunkt. Die Verschwörung ist, so groß sie auch sein mag, am Ende eigentlich nur ein Setting. Im Mittelpunkt ist die Person und wie sie das Opfer dieses mächtigen Apparates ist, der mit allen Mitteln versucht die Offenlegung zu verhindern.

© Universal Pictures

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Wenn diese Entscheidung getroffen worden ist, dann muss sie aber konsequent durchgehalten werden. So fokussiert sich Cuesta auf Webb und dessen Kampf ums Überleben und man kann ahnen – die Anzeichen sind da – wie mächtig der Apparat ist und welche Mittel dieser hat, um seine Gegner mundtot zu machen. Ein Mord ist da nicht unbedingt notwendig. Eine sicherlich überfällig Hommage an den echten Webb, der sich 2004 unter bis heute nicht eindeutig geklärten Umständen das Leben genommen hat. Doch als Zuschauer tut man sich schwer dem mehr als Sonnyboy durchgehenden Jeremy Renner den Kampf gegen die Diskreditierung abzukaufen, denn im Grunde genommen ist das was passiert, eigentlich nur ein Sturm im Wasserglas und die Konsequenzen die so eine breit angelegte Schmutzkampagne mit sich bringen, sind hier eigentlich minimal. Das Problem bei Kill the Messenger ist, dass der Film nicht den Mut hat den großen Coup zu landen und so dümpelt die Handlung vor sich hin. Stellenweise ist zu merken, wie der Film sich immer wieder aufrafft und versucht doch den Deckel der eigentlich tiefgreifenden Verschworung zu heben, doch er kratzt immer wieder nur an der Oberfläche.
Vielleicht kommt es da nicht von ungefähr, dass es bei fast zwei Stunden Spielzeit eine gefühlte Stunde braucht, bist die Verschwörung zu Tage kommt und der Stein ins Rollen kommt. Da helfen auch leider nicht die Nebenrollen, die mit hochkarätigen Schauspielern wie z.B. Andy Garcia oder Oliver Platt besetzt sind. Es ist diese Inkonsequenz des Films, die diese Schauspieler an manchen Stellen sogar wie lustlose Statisten erscheinen lässt. Schade.

Um es mal an eine Metapher von Jeremy Renner aus dem Film anzulehnen: der Film ist wie eine Zeitung aus der Provinz, die sich auf das Niveau der New York Times oder Washington Post aufschwingen will, doch am Ende bleibt die Zeitung trotz aller Versuch doch nur ein Provinzblatt.

Kinostart: 10. September 2015

Pressespiegel auf film-zeit.de

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