Les Miserables – Kann ein singender Russell Crowe überzeugen?

by on 11/16/2012

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© Universal Pictures

Ich war nie ein großer Fan von Musicals. Irgendwie will es mir nicht in den Kopf, warum es besser sein soll über seine Gefühle und Probleme zu singen, als sie darzustellen. Dieser musikalische Bruch mit der „show, don’t tell“-Regel klingt zwar meistens wunderbar, aber meistens wirkt es auf mich zu gefühlsduselig und manieristisch.

Durch Tom Hoopers neue Blockbusterversion von  Claude-Michel Schönbergs und Alain Boublils Musical Les Miserables hat mich in den letzten zwei Wochen aber der Gedanke beschlichen, dass ich Ausnahmen von der Regel machen muss. Zugegeben, der Gedanke ist mir nicht zum ersten Mal gekommen, denn auch Moulin Rouge hat mir damals ganz gut gefallen (hab ich mich grade noch über Manierismen beschwert? Naja…)

Vielleicht probieren wir es also mit einer ersten Einschränkung: Eigentlich mag ich keine Musicals, es sei denn sie spielen im Paris des 19./frühen 20. Jahrhunderts. Hm, das klingt noch nicht wirklich überzeugend, deswegen will ich es doch noch mal näher am Trailer fest machen. Damit ihr mitreden könnt, gibt es denselbigen hier erst einmal mit besten Grüßen von Youtube:

 

Wie schon die Bühnenversion des Musicals baut Hoopers Film auf Victor Hugos Romanvorlage auf. Die Geschichte um den geläuterten Sträfling Jean Valjean, der in den Wirren des Pariser Juniaufstands von 1832 versucht mit der eigenen Vergangenheit abzuschließen, besaß dank seiner revoluzzerischen Botschaft durchaus politisches Sprengstoffpotential bei seiner Veröffentlichung 1862.

Die filmische Musicalversion scheint sich viel von diesem Potential erhalten zu haben, auch wenn es auf der anderen Seite ein überbordender Kostümfilm mit romantischem Touch sein wird. Aber ich mag überbordende Kostümfilme, vor allem wenn sie die Rasanz und die Atmosphäre der großen abenteuerlichen Erzählung besitzen. Hooper hat mit The King’s Speech gezeigt, wie großartig er auch die an und für sich kleinen Geschichten des Lebens verpacken kann. Jetzt wagt er sich an den ganz großen historisch-literarischen Stoff und es sieht für mich danach aus, als wäre er auch dieser Herausforderung gewachsen. Mir gefallen die rasanten Kamerafahrten, die den Barrikadenkämpfen eine besondere Atmosphäre und Intensität verleihen.

Darüber hinaus kann ich wirklich nicht über den Cast meckern. Gut, ok, Helena Bonham Carter scheint in ihrem Schrank das Kostüm aus Sweeney Todd wiederentdeckt zu haben und wirkt ein bisschen wie jemand, der sein altes Karnevalskostüm ständig neu aufträgt. Aber ich bin ein großer Fan von Hugh Jackman und bis heute wusste ich nicht, dass ich mir schon immer einen singenden Russell Crowe gewünscht habe. Von Baron Cohen hat man hier nicht viel gesehen, aber man könnte glauben, dass er ein ziemliches Faible für Geschichten im Paris des 19. Jahrhunderts hat. So oder so gefällt mir die Richtung aber ganz gut, in die er sich in letzter Zeit schauspielerisch bewegt.

Bleibt nur noch abzuwarten, ob sie den Film politisieren und in den Kontext des Arabischen Frühlings setzen, rein zufällig wird der Veröffentlichungszeitraum in meinen Augen nicht gewählt worden sein. Ich bin mir noch nicht sicher, ob mir diese Entwicklung gefallen würde, auch wenn Hugos Romanvorlage bereits durch und durch politisch war. Das gehört bisher aber alles ins Reich des Spekulativen. Erst einmal können wir uns hier auf einen großen Kostümblockbuster freuen, der von Action über Pathos bis zu tränenreichen Momenten alles hat, was dazu gehört. Und einen singenden Russell Crowe. Vor allem den.

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