Life – Intellektuelle Selbstbefriedigungsvorlage in wunderschönem Licht

by on 02/08/2015

Gleich eine Warnung vorweg. Dieser Film ist unglaublich selbstverliebt. In seinem elaborierten Stil, der perfekten Ausleuchtung und den wunderschönen Bildern, in denen er fast zwei Stunden lang schwelgt. Es ist eben ein Film von Anton Corbijn. Aber auch ein Sujet, bei dem die Selbstverliebtheit irgendwie mit dazugehört. Es gehört ja auch eine gewisse Chuzpe dazu, die Geschichte eines Mannes zu verfilmen, der in der Filmgeschichte eine unerreichte Legende ist.

Life hat entgegen seinem überambitioniert gewählten Titel glücklicherweise nicht den Anspruch, ein Biopic über James Dean zu sein, das den Schauspieler von der Wiege bis ins Grab begleitet oder versucht ihn psychologisch zu ergründen. Der Versuch wäre mit großer Sicherheit gescheitert. Stattdessen treffen wir auf einer Party im Hause Nicholas Rays auf den rebellischen Newcomer, verkörpert von Dane DeHaan. Gerade hat er East of Eden gedreht und einen Deal mit den Warner Brothers in Aussicht. Wenn er sich brav vor den Promokarren spannen lässt, will ihn Studioboss Jack Warner (Ben Kingsley) zum nächsten großen Hollywoodstar aufbauen. So weit die historische Episode. Näher dran sind wir zuerst einmal aber an dem jungen und ambitionierten Fotografen Dennis Stock (Robert Pattinson). In Dean entdeckt er etwas Besonders, ein Charisma, den Anfang einer Bewegung. In der Hoffnung, mit einem Fotoessay für das renommierte Magazin Life seine eigene Karriere pushen zu können, heftet er sich an die Fersen des leider faulen und unverlässlichen Schauspielers.

Caitlin Cronenberg © See-Saw Films

Caitlin Cronenberg © See-Saw Films

Was in Life vorrangig und ohne Umschweife beeindruckt, ist die schauspielerische Leistung der beiden Hauptdarsteller. Man mag von Robert Pattinson halten was man will (meine Haltung ist auch eher skeptisch), aber hier ist er tatsächlich nicht in erster Linie der Edward. Übertroffen wird er allerdings um Längen von Dane DeHaan, der sich dem umwerfenden Charisma des echten James Dean erstaunlich weit nähert. Es ist diese Mischung aus urbanem Intellektuellen und einfachem Stallburschen, aus kleinem Jungen und arrogantem Hipster, aus faulem Dandy und ambitionierten Künstler, die den jungen Mann so unwiderstehlich erscheinen lässt. Nur ist das auf den ersten Aufnahmen Stocks leider nicht zu erkennen. Der Fotograf, unsere eigentliche Identifikationsfigur im Film, ist zu sehr mit seinen eigenen Befindlichkeiten beschäftigt, seinem Selbstbild, seinen Ambitionen, seinem schwierigen Verhältnis zu seinem kleinen Sohn, als dass er sich auf seine Arbeit konzentrieren könnte. Gerade als die Resignation als einzige probate Lösung erscheint, ergibt sich eine perfekte Gelegenheit. James Dean möchte dem aufkommenden Medienrummel entfliehen und seine Familie in Indiana besuchen. Kurzerhand kommt Dennis Stock mit und es sind die berühmten Bilder, die auf dieser Reise kurz vor Deans Tod entstehen, die bis heute die Aura, die Essenz des ikonischen Schauspielers transportieren.

Viele Zuschauer werden sich bei Life langweilen, so viel ist klar. Das mag daran liegen, dass Anton Corbijn nicht unbedingt Spannungsbögen aufbaut und im Grunde auch keine sonderlich originelle Perspektive auf seine Helden zeigt. Trotzdem vermag sein Film jedoch zu begeistern. Weil er seine beiden Medien und Künste – Film und Fotografie – so gekonnt und subtil einsetzt. Life beginnt in einer völlig schwarzen Dunkelkammer, in der ganz langsam eine Rotlichtglühlampe aufflammt. Es ist dieses Licht, durch das erst das Foto entstehen kann und gleichzeitig wird auch erst durch dieses Licht der Film für uns sichtbar. Und zwar ganz buchstäblich, denn genau wie Dennis Stock drehte Anton Corbijn Life auf 35mm-Film. Es ist wie die Entstehung von etwas Neuem, eine kleine Geburt des Bildes, der wir hier beiwohnen. Es sind Stocks Fotos, die James Dean unvergesslich machten und es ist die Zeitlichkeit, die Corbijn diesen Bildern hinzufügt, um einen angemessenen Tribut zu zollen. Besonders dieser Zeitlichkeit seines Mediums widmet sich der Regisseur immer wieder mit Vorliebe. James Dean redet von seiner Vergangenheit, der Zug in dem er sitzt, begibt sich unaufhaltsam ratternd vorwärts und in der Gegenwart ist das alles in eine minutenlange Großaufnahme gebannt. Natürlich tendieren solche Sperenzchen immer ein wenig in Richtung intellektuelle Selbstbefriedigungsvorlage – aber wie Anton Corbijn seine Ideen ins Bild (und ins Licht) setzt, das ist einfach… schön.

Kinostart: 1. Oktober 2015

Life auf der offiziellen Berlinale-Website

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