Looper

by on 09/27/2012

© Concorde

Was ist nur aus dem Science Fiction Genre geworden? Muss es denn immer glattpolierter Mainstream-Müll sein? Looper von Rian Johnson hätte unser aller Rettung sein können, stattdessen zeigt der Film mit Joseph Gordon-Levitt und Bruce Willis nur einmal mehr, dass Hollywood es endgültig verlernt hat, Science Fiction Filme mit Substanz zu produzieren.

Ok, die Grundidee ist wirklich spitzenmäßig. In einer fernen Zukunft (ca. 2070) wird die Zeitreise erfunden und sofort wieder verboten. Und wie mit allen Dingen, die verboten sind und trotzdem Spaß machen, rutscht auch das Zeitreisen in die Illegalität ab. Die Mafia nutzt die Innovation, um sich unliebsamer Personen zu entledigen. Die werden einfach per Zeitmaschine in eine von uns aus gesehen weniger ferne Zukunft geschickt (ca. 2040) und dort von einem sogenannten Looper erschossen. Joseph Gordon-Levitt spielt Joe, einen eben solchen Auftragskiller. Wie schon viele Male zuvor findet er sich auf einem Maisfeld ein, auf dem gleich wie aus dem Nichts sein Opfer erscheinen wird. Dann wird er ohne mit der Wimper zu zucken abdrücken und die Leiche entsorgen. Aber nein, an diesem Tag wird alles anders. Denn erschreckender Weise sieht sich Joe diesmal seinem eigenen, 30 Jahre älteren Ich (Bruce Willis) gegenüber und zögert eine Milisekunde zu lange. Das junge Ego jagt also das alte Ego, wird gleichzeitig aber selbst von seinen Auftraggebern verfolgt, die es nicht besonders mögen, wenn die gleiche Person in zwei Ausführungen durch dieselbe Epoche rennt. Während Little Joe hier im Grunde also nur seinen eigenen Arsch retten will, hat Big Joe ein weit größeres Ziel im Visier.

Die Konfrontation mit dem eigenen, durch die Zeit gereisten Ich birgt natürlich ausreichend logische Verwirrungen für ausgiebiges Gehirnjogging des Kinopublikums. Weil ja jedes Kind weiß – und somit auch Rian Johnson – dass eine Zeitreisenstory immer irgendwo ein logisches Leck hat, fordert der Film seine Zuschauer relativ frühzeitig dazu auf, die Geschichte nicht zu hinterfragen. In einer Szene, die man schon fast als „meta“ bezeichnen könnte, teilt Bruce Willis als Joe Sr. dem unverständigen Joe Jr. mit, dass es nicht zielführend sei, sich über die logischen Konsequenzen dieser Zeitreisegeschichte den Kopf zu zerbrechen. Damit spricht er eigentlich nicht Joseph Gordon-Levitt, sondern den Zuschauer an: „Bitte nicht hinterfragen, was hier geschieht! Das verdirbt doch nur den Film!“ Recht hat er! Mir selbst ist der große logische Fehler, der ja irgendwo sein musste, übrigens gar nicht sofort aufgefallen. Als mich aber nach dem Film eine Kollegin darauf hinwies, fiel es auch mir wie Schuppen von den Augen.

Aber wie gesagt: Wo immer es um Zeitreisen geht, dreht unser Gehirn gefährliche Schleifen, die selten zu einer logisch befriedigenden Auflösung führen. Immerhin schafft es Looper nahezu alle Fragen, die im Laufe des Films aufgeworfen werden, am Ende auch zu beantworten. Somit werden die Zuschauer trotz Stirnrunzelns über die logischen Ecken und Kanten einigermaßen befriedigt aus dem Kinosaal entlassen. Außerdem werden ihnen zwei Stunden gelungene Unterhaltung geboten, denn – ob nun schlüssig oder nicht – Looper ist spannendes Popcornkino. Daran besteht kein Zweifel.

Rian Johnson weiß sein Grundkonzept für die Entwicklung cleverer Plotelemente zu nutzen, darunter eine ziemlich bestialische Methode wie junges und altes Ich auch über große Distanzen miteinander kommunizieren können. An einigen Stellen kann das Zeitreisenkonzept auch erfolgreich Humor generieren. Da zwei parallele Verfolgungsjagten das dramaturgische Grundgerüst bilden, ist zudem für anhaltende Spannung gesorgt. Unterm Strich lässt sich sagen: Wer Willis’ Rat folgt und nicht nachdenkt, der wird an Looper seine Freude haben.

Aber nun bin ich ja leider eine Denkerin. Das war ich schon immer. Und so komme ich nicht umhin, mich zu fragen, wieso Rian Johnson aus einem derart genialen Science Fiction Konzept letzten Endes eine Art Fantasy Märchen webt. Zudem ist mir absolut unklar, warum der düster beginnende Film immer freundlicher wird, bis er in einem haarsträubend überinszenierten „alles wird gut“-Ende mündet. Was ist aus den guten alten Dystopien wie Bladerunner oder 12 Monkeys geworden? Warum muss Hollywood denn immer alles schön reden? Warum muss jeder Protagonist immer eine traurige Lebensgeschichte erzählen können? Wenn eine Liebesgeschichte zum Plot nichts beizutragen weiß, warum lässt man sie dann nicht weg? Und wieso sieht Joseph Gordon-Levitt eigentlich aus wie Bruce Willis, Bruce Willis aber niemals wie Joseph Gordon-Levitt? Die Antworten auf diese Fragen wird mir Looper wohl schuldig bleiben.

KINOSTART: 3. Oktober 2012

Pressespiegel bei film-zeit.de

3 Responses to “Looper”

  • birdhouse says:

    für den logischen Fehler habe ich auch eine Zeit gebraucht (5 Stunden??). Abgesehen davon ist es aber solider gehobener Mainstream. Zeitreise war schon länger nicht mehr. Macht ein weites Feld auf. Schön fotografiert und in Szene gesetzt.Plot durchaus intelligent. Die zweite Hälfte sackt vom Tempo/Härte etwas ab. Aber durchaus empfehlenswert. Für Freunde von „Moon“ und „Children of Men“.

    • filmosophie says:

      Also bei „Children of Men“ stimme ich Dir zu, aber „Moon“ ist für mich eine ganz andere Liga, eben nämlich eher in Richtung des ernsthaften, eher intellektuellen Science Fiction Kinos. „Looper“ hatte zu viele Action- und Fantasy-Elemente für die Spitzenklasse.

  • birdhouse says:

    „Moon“ halte ich für sehr gelungen, spielt für mich aber nicht unbedingt in einer anderen Liga bzw. ist nicht wesentlich vielschichtiger. Bei „ernsthafterer“ Science Fiction kommen mir eher Filme wie „Stalker“, „Solaris“, „Bladerunner“, oder „Odysee 2001“ in den Sinn.

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