Love Steaks – Der Anfang von etwas Großem

by on 02/21/2014

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© Daredo Media

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Zwei Dinge macht Jakob Lass mit seinem Film Love Steaks von vornherein richtig: 1. Er wählt ein interessantes Setting und lässt seine Geschichte hinter den Kulissen eines Wellness-Hotels an der See spielen. 2. Er wählt interessante Figuren und bringt mit Lara (Lana Cooper) und Clemens (Franz Rogowski) zwei immens unterschiedliche Charaktere zusammen. Dass mich Love Steaks trotz dieser idealen Ausgangsbasis nicht so aus den Latschen gehauen hat wie manch anderen liegt vermutlich an der irrwitzigen Erwartungshaltung, die die positiven Besprechungen der Kollegen und auch die Verleihung des Max Ophüls Preis mit sich gebracht haben. Dennoch kann ich aus vollster Überzeugung sagen, dass Love Steaks zu jenem jungen deutschen Kino gehört, von dem ich unbedingt noch viel mehr sehen möchte.

Was aber macht den Film so besonders? Eine Liebesgeschichte an der See kann schließlich auch das ZDF inszenieren. Ungewöhnliche Charaktere wiederum treffen sich in jeder zweiten Komödie (wenn nicht gar in jeder, das müsste ich jetzt erst einmal überprüfen).

Love Steaks ist frisch und unerwartet. Der Stil ist geradezu dokumentarisch. Natürliche Farben, eine Handkamera und die allzu auffälligen Schnitte erzeugen die Illusion, hier habe einfach jemand zufällig die Ereignisse in einem Kurhotel eingefangen. Die Authentizität der Figuren und ihrer Dialoge und Interaktionen ist nicht weniger als berauschend. Besondere Begeisterung löste in dieser Hinsicht Hauptdarstellerin Lana Cooper bei mir aus, die wie ein Mädchen von nebenan wirkt (das wiederum mag auch an meinem Wohnviertel liegen, vielleicht aber ist Frau Cooper auch einfach nur genial). Ebenfalls beeindruckend ist hier das Casting der Nebendarsteller und Statisten, die wirken, als wären sie im Setting des Hotels tatsächlich zu Hause.

Und sie sind es auch. Es ist fast ein bisschen schade und dämpft meine Begeisterung über die Leistung von Regisseur Jakob Lass. Aber das ist falsch, denn mit seinem „Fogma“-Konzept (namentlich an das „Dogma“) angelehnt, ist es ihm gelungenen, eine ungeahnte Realitätsnähe zu kreieren. Bis auf die Hauptdarsteller handelt es sich bei den Figuren auf der Leinwand tatsächlich um Hotelmitarbeiter und Gäste, die Szenen sind größtenteils improvisiert. Dass Cooper und Rogowski zwischen den „echten“ Personen nicht auffallen, ist auf eine intensive Rollenvorbereitung inklusive Praktika zurückzuführen. Besonders toll am „Fogma-Konzept“ finde ich persönlich aber die strenge Einteilung der Arbeitszeit. 2 mal 4 Stunden pro Tag und keine Minute mehr. Niemand soll sich überarbeiten und im Stress versinken. Da mag so mancher großer Regisseur die Augen verdrehen und denken, dass so etwas ja nicht gut gehen könne. Hätte ich es nicht selbst auf der Leinwand gesehen, ich würde ebenso denken, kenne ich doch aus meinen Zeiten als Komparsin die endlosen und ermüdenden Arbeitstage an Filmsets. Doch das Ergebnis gibt Jakob Lass und seinem Team Recht.

Und damit noch einmal zurück zum Film. Love Steaks sprüht von frischem Witz, einer Mischung aus trockenem Alltagshumor und Slapstick-Einlagen, die überraschend gut funktioniert. Als besonders gelungen ist auch der Einsatz von Musik zu bezeichnen, aufdringlich und immer haarscharf an der angemessen Lautstärke vorbei, verwandeln die einzelnen Songs Love Steaks in eine Art Pop-Oper (das Presseheft spricht übrigens von Punk, aber ich bleibe lieber bei Pop).

©Timon Schäppi/Daredo Media

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Die Erzählung selbst ist dann aller Improvisation zum Trotz doch ein wenig vorhersehbar. Die extrovertierte Küchenhilfe Lara trifft den introvertierten Masseur Clemens, der es sich zur Aufgabe macht, ihre durch Alkoholismus und anhaltende Erniedrigungen der Kollegen gefährdete Seele zu retten. Selbstredend wird das romantisch, selbstredend ist das problematisch und selbstredend kommt es zu einem dramatischen Höhepunkt. Das Ende übrigens nehme ich dem Team um Jacob Lass tatsächlich ein wenig übel. Zum einen kulminiert das Drama in einer zu offensichtlich emotional und visuell effekthascherischen Keilerei, zum anderen simplifiziert es in meinen Augen die tiefgreifenden Probleme Laras.

Aber sei’s drum: Love Steaks könnte der Anfang von etwas ganz Großem sein. Nicht nur von einer großen Karriere des Regisseurs, sondern auch von einer deutschen Filmströmung, auf die wir endlich mal wieder richtig stolz sein können. Lieber Jakob: Weitermachen!

Kinostart: 27. März 2014

Pressespiegel bei film-zeit.de

Vom Fogma zum Dogma:

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